München - Es geht hoch her im südlichsten Landesverband der Linken. Die Führungsspitze ist in zwei Lager geteilt: pro Klaus Ernst und contra Klaus Ernst. Und beide kämpfen mit harten Bandagen. Landeschef Franc Zegna hat in einem offenen Brief an die Parteimitglieder vor der Wahl Ernsts zum Lafontaine-Nachfolger gewarnt. "Er spaltet vor Ort, grenzt aus und versucht gutsherrlich, den Landesverband zu beherrschen. Somit ist er definitiv nicht als Bundesvorsitzender der Partei geeignet." Die Linke dürfe "sich nicht dem Willen einiger weniger Macht- und Karrieresüchtiger beugen".
Zegnas Mitvorsitzende Eva Bulling-Schröter warf daraufhin die Brocken hin. Sie kündigte am Montag an, bei einem außerordentlichen Landesparteitag nicht mehr zu kandidieren. Die Karrierismusvorwürfe Zegnas gegen Ernst und sie selbst wies sie als absurd zurück. "Wir brauchen einen Neuanfang. Ich kandidiere nicht mehr."
Bulling-Schröter sagte, die Linken-Landessprecher hätten in Berlin einen Kompromiss ausgehandelt. Natürlich polarisiere Ernst hin und wieder, "nicht jeder ist mit jedem einverstanden, das ist so. Aber das Tableau ist tragfähig". Sie spreche für die Mehrheit der bayerischen Linken, fügte sie hinzu.
Kritiker wegen Tippfehler nicht eingeladen
Zegna hatte an der entscheidenden Sitzung in Berlin nicht teilgenommen - anders als Bulling-Schröter. Sie erklärte das am Montag mit einem Tippfehler. Das sei nur auf eine falsche Schreibweise seines Vornamens beim E-Mail-Versand der Einladungen zurückzuführen und keine böse Absicht gewesen, beteuerte sie.
Zegna rief dagegen zum "Kampf gegen undemokratischen Zentralismus und prinzipienlosen Karrierismus in der Partei" auf. Er kritisierte, dass unliebsame Meinungen nicht einmal eingeladen und angehört würden. "Das ist undemokratisch und verwerflich." Bulling-Schröter nannte Zegnas Vorwürfe absurd.
Sie sei seit 20 Jahren im Landesvorstand und zehn Jahre Landeschefin gewesen, auch als die damalige PDS nicht im Bundestag gewesen sei. Sie erwarte, dass ein außerordentlicher Landesparteitag der bayerischen Linken einberufen werde. Der Termin stehe noch nicht fest. Weil die Partei einen Neuanfang brauche und sie sich auf ihre neue Aufgabe als Vorsitzende des Bundestagsumweltausschusses konzentrieren wolle, werde sie nicht mehr für das Spitzenamt antreten.
ler/apn
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