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02.02.2010
 

Debatte um Steuersünder-Daten

Recht auf Grauzone

Ein Kommentar von Yassin Musharbash

Bundesfinanzminister Schäuble (CDU): Es gilt das OpportunitätsprinzipZur Großansicht
dpa

Bundesfinanzminister Schäuble (CDU): Es gilt das Opportunitätsprinzip

Die Bundesregierung plant den Kauf der CD mit Daten von Steuerbetrügern. Wer darin einen Skandal wittert, der irrt: Der Staat muss sich nicht immer wie ein normaler Bürger an die Gesetze halten - er tut es auch in anderen Fällen nicht.

Die Bundesrepublik Deutschland erpresst gelegentlich Menschen mit Informationen, die ihr auf krummen Wegen in den Schoß gefallen sind. Und sie gibt Geld an dschihadistische Terrorgruppen - mitunter sogar recht viel Geld.

Trotzdem muss man Deutschland als Rechtsstaat ernst nehmen.

Der Bundesnachrichtendienst zum Beispiel nutzt regelmäßig die Indiskretionen Dritter, um potentielle Informanten unter Druck zu setzen. Was einem normalen Bürger ein Strafverfahren wegen Nötigung oder Erpressung einbringen könnte, ist dem Auslandsgeheimdienst erlaubt. Es gilt das Opportunitätsprinzip, nicht das Legalitätsprinzip. Wenn es der Allgemeinheit nutzt und dem Auftrag entspricht, wird diese Praxis akzeptiert. Der Verfassungsschutz handelt im Inland genauso.

Nicht ganz so regelmäßig begeht der Staat auch Handlungen, die bei einem gewöhnlichen Menschen zu einer Anklage auf der Grundlage von Paragraf 129b Strafgesetzbuch führen könnten: der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Denn wenn Terroristen Deutsche als Geiseln nehmen, fühlt der Staat sich aufgrund seiner Fürsorgepflicht gegenüber seinen Bürgern gelegentlich dazu verpflichtet, diese freizukaufen. Mehrere Millionen Euro zahlte die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren allein an Kidnapper aus dem dschihadistischen Milieu.

Was ist mit Lösegeldzahlungen? Der Kronzeugenregelung?

Nun ist die Steuerfahndung kein Geheimdienst und sollte auch keiner werden. Es geht in der Frage, ob der deutsche Staat die CD mit mutmaßlich illegal erworbenen Daten mutmaßlicher Steuersünder kaufen darf, auch nicht um Leben und Tod.

Es geht aber unter anderem um argumentative Lauterkeit. Wer dem Staat in anderen Fällen - neben den beschriebenen könnte man noch die Kronzeugenregelung oder die finanzielle Unterstützung von V-Leuten nennen - Bewegungsfreiheit in rechtlichen Grauzonen zugesteht, der muss bessere Gründe dafür nennen, dass ausgerechnet die besagte CD nicht erworben werden soll.

Das Argument, der Staat habe genau so gesetzestreu wie seine Bürger zu sein, greift dann nämlich nicht. Zumal mit Blick auf den Präzedenzfall in der Liechtenstein-Affäre 2008, als offenbar vergleichbare Datensätze vom BND erworben wurden. Bisher hat noch kein Gericht geurteilt, dass diese Daten nicht verwertbar seien.

Sicher, Daten von mutmaßlichen Kriminellen zu kaufen, hat einen schalen Beigeschmack. Nachahmer könnten dadurch angelockt werden. Das gilt aber auch für Zahlungen an Entführer. Im Unterschied zum Lösegeld, das in dunklen Kanälen versickert, lohnt sich der CD-Kauf allerdings für den Staat, wenn die Fiskusflüchtlinge im Anschluss zur Kasse gebeten werden. Und der Vorgang schreckt möglicherweise weitere Steuerhinterzieher ab. Das wären die offensichtlichen Vorteile, wenn die Regierung sich zum Kauf durchringt.

Jeder einzelne der mutmaßlichen Steuersünder dürfte übrigens deutlich mehr hinterzogen haben als der dreisteste Hartz-IV-Betrüger. Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da waren angeblich faule Arbeitslose das große Aufregerthema. Wie würde die Diskussion wohl laufen, wenn es um eine CD mit den Datensätzen mutmaßlicher Sozialbetrüger ginge?

Wer diesen Vergleich als puren Populismus abtut vergisst: Auch Steuerhinterzieher sind Sozialbetrüger.

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Die neuesten Beiträge:
06.02.2010 von sysop:

Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie den bevorstehenden Kauf der Bankdaten-CD in unserem neuen Heft-Forum 'Darf der Staat gestohlene Bankdaten kaufen?' unter der URL http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=11826 [...] mehr...

06.02.2010 von namlob:

Ihnen scheint entgangen zu sein, dass jeder Steuerpflichtige seine steuerlichen Verhältnisse den Finanzbehörden umfassend darzulegen hat. Wer dies vorsätzlich unterlässt, ist - wenn Steuerausfälle die Folge sind - ein [...] mehr...

06.02.2010 von c++: Realitätsfremd?

Das hat mit "Bankgeheinmis" nichts zu tun, eher mit Beihilfe zum Steuerbetrug. Ob Regierungen korrupt sind, hat mit diesem Fall nichts zu tun. Jedenfalls ist es ein Sieg des Rechtsstaates, wenn sich Kriminelle [...] mehr...

06.02.2010 von stanis laus: Hehlergeschäft

In Frankreich soll ein Hehlergeschäft mit geklauter Sore durch 4 deutsche Beamte abgewickelt werden. Die französischen Behörden haben Kenntnis davon, es ist ein Offizialdelikt. Die französische Justiz ist verpflichtet, diesen [...] mehr...

06.02.2010 von Krassopateras:

Haben Sie schon jemals eine getätigt? Wahrscheinlich nicht, sonst würden Sie so einen Unsinn nicht schreiben. Wir schreiben das Jahr 2010 und nicht 1956. mehr...

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Soll der Staat die Steuer-CD kaufen?

Ein ehemaliger Banker soll den deutschen Steuerbehörden eine CD mit den - illegal erworbenen - Daten von Steuersündern angeboten haben. Preis: 2,5 Millionen Euro. Im Gegenzug könnte der Fiskus mit Einnahmen von 100 Millionen Euro rechnen. Wie soll sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) entscheiden? Soll er die CD kaufen?

  • Unbedingt. Steuerhinterziehung muss hart bekämpft werden.
  • Weiß nicht.
  • Auf keinen Fall. Der Staat darf illegal erworbene Daten nicht verwenden.

Daten und Fakten zur Steuerhinterziehung

Wie viel Steuern hinterziehen die Deutschen?

Steuerhinterziehung ist laut Deutscher Steuergewerkschaft zum Volkssport geworden. Auf 30 Milliarden Euro schätzt die Organisation das Volumen der jährlichen Steuerhinterziehung in Deutschland.

Was ist Steuerhinterziehung?

Wann macht man sich strafbar?

Müssen Steuersünder ins Gefängnis?

Wie vermeidet man eine Bestrafung?

Wie funktioniert eine Selbstanzeige?

Verjährt das Delikt?

Haben Sie das Zeug zum Steuerflüchtling?

AP
Ihre Steuererklärung ist obskurer als der "Da Vinci Code"? Ihre Stiftungen in Liechtenstein sind Legende? Wenn beim BND eine DVD auftaucht, steht Ihr Name garantiert drauf? Dann haben Sie vielleicht das Zeug zum Super-Hinterzieher.
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