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04.02.2010
 

Swift-Debatte

Bankdaten-Abkommen mit den USA steht vor dem Aus

Das umstrittene Abkommen zur Weitergabe von Bankdaten an die USA droht zu scheitern. Der Innenausschuss des Europaparlaments hat die Vereinbarung mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. In der kommenden Woche entscheidet das Plenum - und wird sich dem Nein wohl anschließen.

Brüssel - Das erste Nein ist gesprochen, das zweite wird wohl folgen: Im Europaparlament sprach sich der Innenausschuss am Donnerstag in Brüssel mit deutlicher Mehrheit gegen das Swift-Abkommen zur Weitergabe von Bankdaten an die USA aus. 29 Abgeordnete stimmten dagegen, 23 dafür. Die Empfehlung gilt als Stimmungstest für die Plenarentscheidung am kommenden Donnerstag, bei der das Aus für das Abkommen erwartet wird. Wenn die Mehrheit dann der Ausschussempfehlung folgt und ein Veto einlegt, muss das am Montag vorläufig in Kraft getretene Abkommen ausgesetzt werden.

Das Parlament muss das von den EU-Mitgliedstaaten mit den USA ausgehandelte Abkommen billigen. Die Kritiker machen geltend, die Vereinbarung verletze europäische Datenschutzstandards. Zudem hätten EU-Bürger keine Möglichkeit, gegen einen Missbrauch ihrer Daten zu klagen.

Eine breite Koalition von Sozialisten, Liberalen, Grünen und Kommunisten ist gegen das Swift-Abkommen. Sie sprachen von einem "Erfolg für die Bürgerrechte" und einem "Warnschuss an Rat und EU-Kommission". Die größte Fraktion, die konservative Europäische Volkspartei (EVP), unterstützt die Vereinbarung dagegen und versuchte vergeblich, die Abstimmung aufzuschieben.

Das Swift-Abkommen, das offiziell seit 1. Februar in Kraft ist, soll US-Fahndern im Kampf gegen den Terrorismus Zugriff auf die Daten von Millionen europäischer Bankkonten erlauben - somit könnte jeder Europäer ins Visier der Fahnder geraten. Die USA zapfen zwar seit Jahren einen Server des Finanzdienstleisters Swift an, der fast alle europäischen Bankgeschäfte abwickelt. Der Zugriff ist aber seit Januar unterbrochen, da Swift die Rechner nach Europa verlegt hat. Ohne Zustimmung des Parlaments will Swift keine Daten weitergeben.

Lehnt das Europaparlament ab, müssen die USA die Bankdaten auf der Grundlage von Rechtshilfeabkommen anfordern - das erschwert den Fahndern die Arbeit. Bei einem Nein des Parlaments müssten Rat und EU-Kommission mit den USA nachverhandeln, was das transatlantische Verhältnis extrem belasten würde.

Christdemokraten verlangen Zusatzerklärung

Der stellvertretende Fraktionschef der Christdemokraten Manfred Weber verlangte eine Zusatzerklärung zum Abkommen, in der offene Fragen wie Datenschutz und Klagemöglichkeiten geklärt werden. "Dann könnte das Parlament vielleicht noch zustimmen." Die aktuelle Vereinbarung soll sowieso nur für neun Monate gelten, bis ein neues EU-USA-Abkommen ausgehandelt ist.

Das Parlament hat aber nicht nur inhaltliche Bedenken, sondern verlangt auch mehr Mitspracherechte. Auch das Vorgehen der Innenminister sorgte für Verärgerung. Sie hatten den Vertrag am 30. November abgesegnet - einen Tag vor Inkrafttreten des EU-Reformvertrags und damit unter Umgehung der gewählten EU-Volksvertreter. Mit der neuen Rechtsgrundlage für Europa hat das EU-Parlament aber volle Mitsprache in der Justiz- und Innenpolitik bekommen und kann Gesetzesvorhaben nun blockieren. "Das Parlament kann nicht zustimmen, wenn es sein Gesicht als EU-Gesetzgeber und Volksvertretung wahren will", sagte der Innenexperte der Grünen im Europaparlament, Jan Philipp Albrecht.

Die Fraktionschefs verschoben am Donnerstag das Datum für die Entscheidung um einen Tag vom 10. auf den 11. Februar. Grund dafür seien Änderungen der Tagesordnung - nicht aber politischer Druck, teilten die Fraktionen mit. Da sich abzeichnet, dass die Vereinbarung im Parlament scheitern wird, hatten die USA mehrfach vor einer "Sicherheitslücke" gewarnt und versucht, einzelne Abgeordnete zu beeinflussen.

Eine Ablehnung dieses Interimsabkommens würde bedeuten, ein "wertvolles und sorgfältig ausgearbeitetes Programm zu gefährden, das zur größeren Sicherheit unserer Bürger beigetragen hat," schrieb der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Stuart Levey, in dem Internet-Europa-Forum "Europolitics" sowie in einem Gastbeitrag für die "Berliner Zeitung". Es habe allein den Terrorismusfahndern in Europa bereits mehr als 1500 Berichte und zahlreiche Hinweise für ihre Arbeit geliefert.

ffr/dpa/AFP

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insgesamt 325 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.07.2010 von aktivx: Geldsäcke?

Geldsäcke und Pfeffersäcke wurden ersetzt durch "Meudalisten" - einfach mal googeln. Es wäre durchaus mal eine Forschungsarbeit Wert, zu prüfen wer mehr Opfer zu verzeichnen hat. Nur wird es eine solche Untersuchung [...] mehr...

05.02.2010 von Arthi:

Ja, der Terrorstaat droht damit sich die Daten dann halt anders zu besorgen. Vielleicht ja wieder durch Folter. mehr...

05.02.2010 von delta058:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,676040,00.html Soso, das sich die EU-Parlamentarier zur Abwechslung mal der Bürgerrechte besinnen löst in den USA also Drohgebaren Europa gegenüber aus. Tja wer solche Verbündete [...] mehr...

20.01.2010 von Kitkat01: Panik mache

Das ist doch alles nur Panik mache. Wenn selbst die Sicherheitsexperten sagen, dass sie trotz Nacktscanner diese Bombe nicht entdeckt hätten... Immer neue Sicherheitsvorschriften und Geräte habe die Sicherheit zwar erhöht, aber [...] mehr...

08.01.2010 von vantast: Transparenz mal andersherum

Ich habe den Verdacht, daß der Westen über die Jahrzehnte mit seinen ungesühnten Methoden mehr unschuldige Menschen umgebracht hat, als alle Terroristen zusammen. Das scheint mir auch ein Hauptgrund für den Haß dieser jungen (und [...] mehr...

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Die Kritik der Datenschützer an SWIFT

USA-Bezug fehlt

Die vorgesehene Weitergabe der Bankdaten aus Europa an die USA wäre ohne Beispiel. Denn, so Datenschützer Peter Schaar: "Die hier weitergegebenen Informationen haben ganz überwiegend keinen Bezug zu den USA. Es handelt sich nicht um Daten von US-Bürgern und auch nicht um Transaktionen in die oder aus den Vereinigten Staaten." Betroffen wären zum großen Teil rein innereuropäische oder sogar innerstaatliche Überweisungen.

Masse

US-Kontrolle über Daten

Keine unabhängige US-Kontrolle

Bisherige Rechtshilfe-Abkommen genügen


Swift-Abkommen: Die wichtigsten Fragen

Um welche Daten geht es?

Bei den Plänen geht es um Daten, die der Finanzdienstleister Swift (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) mit Sitz in Belgien verwaltet. Swift wickelt täglich rund 15 Millionen Transaktionen zwischen mehr als 8300 Banken weltweit ab. Darunter sind auch Standardüberweisungen in der EU. Bankkunden kennen den Dienstleister von dem SWIFT/BIC-Code, der die internationale Bankleitzahl kennzeichnet. Seit Januar jedoch können die USA nicht mehr auf die Daten zugreifen, weil der Betreiber die Server in die Schweiz verlegt hat.

Wer ist im Visier der Fahnder?

Was können Bürger zum Schutz ihrer Daten tun?

Werden Bankdaten zum ersten Mal ausgespäht?

Was bringen die Bankdaten den Terrorfahndern?

Wie lange soll das Abkommen mit den USA gelten?






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