Aus München berichtet Sebastian Fischer
Auf Iran ist Verlass. Wenn sich die globalen Top-Player der Außen- und Sicherheitspolitik im "Bayerischen Hof" zu München versammeln, sorgt das Teheraner Regime mit seinem umstrittenen Nuklearprogramm für Aufsehen. Egal, was gerade auf der Tagesordnung stehen mag.
So war das in den vergangenen Jahren auf der Sicherheitskonferenz. So ist das auch im Jahr 2010.
Ressourcensicherheit, Nato-Zukunft, Afghanistan-Strategie - das hatte Wolfgang Ischinger, der Leiter der Tagung, ins Programm geschrieben. Dabei bleibt es auch. Doch hat eine kurzfristig eingetrudelte Anmeldung die Prioritäten verschoben: Irans Außenminister Manuchehr Mottaki kam am Freitag nach München. Das birgt Brisanz - und für Ischingers Treff wieder einmal weltweite Aufmerksamkeit.
Denn gerade noch hatte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach monatelanger Beharrung ein Signal gesendet, das man als Bewegung interpretierten könnte: Sein Land sei bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland weiter anreichern zu lassen, um es dann in einem eigenen Forschungsreaktor zu verwenden.
Auf den ersten Blick ist das bemerkenswert, hat der Mann doch genau diese Kontrolle durch das Ausland, das eine iranische Atombombe fürchtet, immer abgelehnt.
Zudem soll Iran einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge bereits einen Atomsprengkopf entwickelt haben. Dieser könnte nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit der iranischen Mittelstreckenrakete Shahab-3 abgeschossen werden, die Israel erreichen kann. Die mit Hilfe eines russischen Wissenschaftlers entwickelte Waffe könnte in 18 bis 36 Monaten einsatzbereit sein, zitierte die Zeitung einen Experten.
Zweifel an der Charmeoffensive
Was also bedeutet die iranische Charmeoffensive kurz vor München auf den zweiten Blick? Handelt es sich um ein ernstes Angebot? Zweifel sind zumindest angezeigt.
Außenminister Mottaki sucht sie zu zerstreuen. Kurzfristig hat man ihm Redezeit eingeräumt, in der Nacht von Freitag auf Samstag. Trotz ungewöhnlicher Stunde: Der Tagungssaal ist nahezu komplett besetzt, der Auftritt ist das Ereignis des Tages.
Die Welt wartet auf ein Zeichen von Iran.
Und sie bekommt es. Mottaki legt nach. Irans Außenminister konkretisiert das Angebot seines Präsidenten - indem er Bedingungen stellt. "Die Islamische Republik Iran meint es ernst", beteuert er. Doch Teheran will nur dann leicht angereichertes Uran zur weiteren Aufbereitung ins Ausland geben, wenn es sofort als Ersatz höher angereicherte Brennelemente für einen Forschungsreaktor bekommt. Mottaki spricht vom "simultanen Tausch". Die Menge müsse dabei "an unseren Bedürfnissen ausgerichtet werden".
Schwedens Außenminister Carl Bildt, der in der Nacht neben Mottaki auf dem Podium sitzt, fordert diesen auf, den Worten nun auch Taten folgen zu lassen. Er solle einen Termin mit der Sechsergruppe der fünf Uno-Vetomächte plus Deutschland ausmachen, die in der Vergangenheit Verhandlungen mit Iran geführt hat. Zudem, so Bildt, solle das Land dem Uno-Sicherheitsrat Folge leisten und sein Programm zur Uranreicherung aussetzen. Iran habe derzeit doch keinen einzigen funktionierenden Reaktor zur Stromerzeugung.
Doch Mottaki reagiert darauf nicht. Dadurch klingt die ganze Sache schon weniger vielversprechend.
Klar ist: Ahmadinedschads Vorstoß und der Münchner Kurzfrist-Trip des Außenministers - sie elektrisieren die Konferenzteilnehmer an diesem ersten Tag des Treffens. Und sie spalten.
Während sich einige vorsichtig optimistisch geben, fürchten andere eine rein taktische Maßnahme Teherans. Zu beobachten ist das am Freitagnachmittag an den Reaktionen von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf der einen und Chinas erstmals nach München gereisten Außenminister Yang Jiechi auf der anderen Seite. Es wäre "wünschenswert", sagt Guttenberg knapp, wenn man von Iran noch "an diesem Wochenende ein klares, unmissverständliches und belastbares Signal" bekommen würde. Parallel erinnert auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) daran, dass Iran bei ähnlichen Gelegenheiten in der Vergangenheit schon auf Zeit gespielt habe.
China zeigt sich deutlich geduldiger. Die Nuklearfrage in Iran sei nun "in ein entscheidendes Stadium getreten", befand Außenminister Yang. Man solle nun "flexibel bleiben" und eine "Lösung finden durch Dialog und Verhandlungen". Sanktionen als Druckmittel gegen Iran lehnt China bisher ab.
Uneinige Sechsergruppe
Damit besteht in der Sechsergruppe keine Einigkeit. Die Münchner Sicherheitskonferenz wird an diesem Wochenende zeigen, ob sich dieser Gegensatz durch den jüngsten iranischen Vorstoß noch verstärkt.
Für die Regierung in Teheran wäre es erneut ein Zeitgewinn. Das ist die große Sorge des Westens.
Und die ist offensichtlich besonders ausgeprägt in der amerikanischen Delegation. Den Beweis liefert Jon L. Kyl. Der Mann ist US-Senator aus Arizona und Republikaner. Er werde jetzt mal nicht diplomatisch sein und nur für sich sprechen, bemerkt er am Rande der Konferenz. Dann knöpft er sich Irans Führung vor. Die fache "in der letzten Minute ein bisschen Hoffnung" an. Er könne kaum glauben, dass dabei etwas Konkretes herauskommen werde. "Ich hoffe, China und Russland durchschauen diese Verhandlungstaktik." Kyl lächelt - und setzt hinzu: Dies habe er jetzt doch "diplomatischer gesagt, als ich es fühle".
Aufsehenerregende Auftritte iranischer Vertreter auf der Münchner Sicherheitskonferenz haben Tradition. Im vergangenen Jahr war es Ali Laridschani, Parlamentspräsident und Ex-Atomunterhändler. Das Gesprächsangebot des damals gerade neu ins Amt gekommenen US-Präsidenten Barack Obama wies er brüsk zurück: "Glauben Sie, dass das Leid nur durch einen neuen Tonfall wieder gut gemacht werden kann?" Die USA seien verantwortlich für Krieg und Tod im Nahen Osten.
Im Jahr 2007 war es wiederum Laridschani, der nur knapp an der in Deutschland unter Strafe stehenden Holocaust-Leugnung vorbeischrammte - trotzdem war seine Intention klar: Das sei "eine historische Sache", so Laridschani damals. Er könne die "Empfindlichkeit über einen so einfachen Fall" nicht nachvollziehen. Der Holocaust sei eine "offene Frage".
Und nun, drei Jahre später, ist es wieder die Atomfrage. So bestimmen Iran und der Besuch seines Außenministers den Auftakt der Sicherheitskonferenz in Bayerns Hauptstadt.
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Das Geschäft wird derzeit nicht realisiert. Weder steht die Finanzierung noch will Österreich Konflikte mit den USA. mehr...
Das szenario ist schon längst auf Papier gedruckt meine Damen und Herren mit einem Militär Schlag der USA is in den Kommenden Jahren zu rechnen deshalb beeilt sich Iran mit der anreicherung der gantze Prozess geht darauf hinaus.. [...] mehr...
Aber , aber , Herr Schnarch , das ist doch Peanuts gegenüber dem Riesenprojekt Österreichs ( 22 Billionen Euro ) mit dem Iran zwecks Öl-und Gasförderung . mehr...
Wer auf dem Misthaufen der eigenen unsäglich furchtbaren Geschichte sitzt, sollte bei der Beurteilung der Geschichte anderer Völker weniger arrogant sein. mehr...
Obama hat es verstanden ; es gibt nur eine Alternative fuer seine Presidentschaft.... "The United States warned Iran on Tuesday that "time and patience is running out" with its nuclear program, saying Tehran had [...] mehr...
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