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06.02.2010
 

Zentralrat der Juden

Knobloch lehnt vorzeitigen Rückzug ab

Charlotte Knobloch: "Aufgabe macht mich glücklich"Zur Großansicht
dpa

Charlotte Knobloch: "Aufgabe macht mich glücklich"

Bis November dauert ihre reguläre Amtszeit noch - und mindestens so lange will Charlotte Knobloch dem Zentralrat der Juden auch vorstehen. Einen vorzeitigen Rückzug lehnt die Präsidentin trotz der Kritik an ihrer Amtsführung ab.

München - Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, will nicht vor dem Ende ihrer Amtszeit im November zurücktreten. Sie erklärte in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung", gerade als Zeugin der Gräuel der Nazi-Herrschaft mache sie ihre Aufgabe glücklich - sie gebe ihr Kraft, dafür zu arbeiten, "dass jüdisches Leben in unserem gebrochenen Land wieder gelingen kann". Dafür wolle sie ihre Energie in den nächsten Jahren verwenden, auch als Präsidentin des Zentralrats.

Knobloch mahnte, dass alle, die Verantwortung für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland tragen, nun füreinander einstehen müssten. "Respekt und Anerkennung für die Leistungen eines jeden von uns ist die notwendige Basis, damit uns gelingt, was wir uns vorgenommen haben. Noch nie war eine jüdische Vertretung auf Bundesebene so wichtig, damit unsere Anliegen und Aufgaben nicht vergessen werden."

Das Direktorium des Zentralrats kommt an diesem Sonntag zu einer Sitzung in Frankfurt am Main zusammen. Vor den Vertretern der Landesverbände und großen Gemeinden will sich Knobloch zu ihrer Zukunft im Zentralrat äußern. Die Präsidentschaft der 77-Jährigen endet regulär im November.

Knobloch wurde zuletzt nachgesagt, dass sie im engeren Führungskreis des Verbandes keinen Rückhalt mehr hat. Unter dem Dach des Zentralrats sind 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und etwa 106.000 Mitgliedern organisiert.

Berichten zufolge könnte der bisherige Vizepräsident Dieter Graumann die Nachfolge Knoblochs antreten. Der Frankfurter Unternehmer betreibt eine Liegenschaftsverwaltung. Ein Rückzug Knoblochs wäre eine historische Zäsur - sie gehört zu den letzten ihrer Generation, die den Massenmord an den europäischen Juden überlebten. Ihr Nachfolger im Zentralrat wird niemand mehr sein, der die Gräueltaten der Nazi-Diktatur noch selbst erlebt hat.

Die 77-Jährige leitet seit 1985 die israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern. Nach dem Tod von Paul Spiegel rückte sie im Juni 2006 auch an die Spitze des Zentralrats der Juden in Deutschland.

phw/dpa

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