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09.02.2010
 

Terrorprozess

Anwälte fordern Strafrabatt für Anführer der Sauerland-Gruppe

Fritz Gelowicz (Mitte) mit seinen Verteidigern: Forderung nach einem StrafrabattZur Großansicht
dpa

Fritz Gelowicz (Mitte) mit seinen Verteidigern: Forderung nach einem Strafrabatt

Zwölfeinhalb Jahren Haft für den Anführer der terroristischen Sauerland-Gruppe: Diese Forderung der Bundesanwaltschaft geht der Verteidigung zu weit - die Anwälte von Fritz Gelowicz sprachen sich für einen Strafrabatt aus. Wegen des umfassenden Geständnisses des 30-Jährigen.

Düsseldorf - Im Prozess gegen die Terrorverdächtigen der sogenannten Sauerland-Gruppe hat der Verteidiger des Angeklagten Fritz Gelowicz wegen dessen umfassenden Aussagen eine Haftstrafe von unter zehn Jahren beantragt. Die von der Bundesanwaltschaft geforderte Strafe von zwölfeinhalb Jahren Gefängnis liege deutlich über dem sonst Üblichen, sagte Anwalt Hannes Linke am Dienstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Gelowicz, 30, habe bislang "unbekannte Einblicke in das Innerste des islamistischen Terrors" gegeben und "wertvollste Details" für die Terrorabwehr in Deutschland und der ganzen Welt geliefert.

"Derartige Insiderdetails zur RAF hätten Sie mit Handkuss entgegengenommen", sagte Linke an die Adresse der Bundesanwaltschaft mit Blick auf Terrororganisationen. Der Konvertit Gelowicz habe "umfassend gestanden und Wissen offengelegt". Ohne sein Geständnis hätten auch die drei Mitangeklagten nicht ausgesagt. Außerdem hätten die Aussagen zu Verurteilungen von Helfern aus dem Umfeld der Sauerland-Gruppe in Frankfurt geführt.

Gelowicz hat den Sicherheitsbehörden aus Sicht der Verteidigung wichtige Informationen geliefert und "nichts vorgegaukelt". Dazu zählten sie Details zu den Schleuserwegen in die Terrorcamps in Waziristan, zur Ausbildung und zu den Führungsstrukturen der Islamischen Dschihad Union (IJU). Für Gelowicz gebe es nach diesem Geständnis kein Zurück mehr zu islamistischen Gruppen. "Er hat sich selbst verbrannt", sagte Linke. Kein Islamist würde ihm mehr trauen.

Den vier im Herbst 2007 festgenommenen Angeklagten wird die Vorbereitung von verheerenden Bombenanschlägen auf US-Soldaten in Flughäfen, Kneipen und Discotheken in Deutschland sowie die Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung vorgeworfen.

Die Bundesanwaltschaft hatte für den Rest der Gruppe fünfeinhalb bis 13 Jahre Haft gefordert. Das Urteil soll am 4. März verkündet werden.

Gelowicz war nach eigenen Aussagen von der im afghanisch- pakistanischen Grenzgebiet operierenden IJU zum "Leiter der Operation in Deutschland" bestimmt worden. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft hatte die Sauerland-Gruppe einen einzigartigen "Massenmord" in Deutschland geplant. An diesem Mittwoch haben die Anwälte des Angeklagten Adem Yilmaz das Wort.

hen/dpa/Reuters

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Sauerland-Terrorprozess

Die Gruppe

Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf mussten sich vier Mitglieder der terroristischen Sauerland-Gruppe verantworten. Es handelt sich um den zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz, den Neunkirchener Daniel Schneider, den Deutsch-Türken Attila Selek und den türkischen Staatsbürger Adem Yilmaz. Gelowicz und Schneider erhielten eine Haftstrafe von jeweils zwölf Jahren, der türkische Staatsbürger Yilmaz wurde zu elf Jahren Haft verurteilt. Als Helfer des Trios muss der Deutsch-Türke Selek fünf Jahre hinter Gitter.

Die Angeklagten hatten vor Gericht zugegeben, im Auftrag der Islamischen Dschihad Union (IJU) in Deutschland Anschläge geplant zu haben. Die IJU unterhält auch Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida.

Der Plan

Die Festnahme


Terrorpropaganda gegen Deutschland

Al-Qaida

Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.

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