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10.02.2010
 

Energie-Debatte

Röttgen kämpft weiter für rascheren Atomausstieg

Umweltminister Röttgen: Energie-Debatte "unideologisch" angehenZur Großansicht
dpa

Umweltminister Röttgen: Energie-Debatte "unideologisch" angehen

Es gibt massiven Widerstand aus seiner Partei und von der FDP, selbst Kanzlerin Merkel rüffelt ihn. Doch Norbert Röttgen bleibt bei seinen Plänen: Der CDU-Umweltminister schwört Deutschland auf erneuerbare Energien ein und wirbt für einen zügigen Atomausstieg.

Berlin - Umweltminister Norbert Röttgen hält trotz der Kritik aus dem schwarz-gelben Lager an den Plänen eines zügigen Umstiegs von der Kernenergie auf Ökostrom fest. Dieses Vorhaben entspreche der Koalitionsvereinbarung, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch nach einem Gespräch mit Gewerkschaften in Berlin. "Das ist die Zielmarke: Wenn wir 40 Prozent Erneuerbare (Energien) haben, dann ist nach der Koalitionsvereinbarung für Kernenergie kein Raum mehr." Das müsse verlässlich organisiert und gerechnet werden.

Vor wenigen Tagen hatte Röttgen in einem Interview an die Union appelliert, sich möglichst bald von der Atomkraft zu verabschieden und auf erneuerbare Energien zu setzen. Mehr als acht Jahre zusätzliche Laufzeit für die deutschen Atomkraftwerke seien nicht sinnvoll - so die Botschaft des CDU-Politikers. Daraufhin war er von führenden Unions- und FDP-Politikern massiv angegriffen worden, weil er vom Koalitionskurs ausschere. Liberalen-Chef Chef Guido Westerwelle machte seinem Ärger über Röttgens Äußerungen sogar in einer Koalitionsrunde Luft. Nicht einmal Kanzlerin Angela Merkel - eine Förderin Röttgens - gab ihrem Parteifreund Rückendeckung.

Röttgen: "Unideologisch" diskutieren

Röttgen hält nun dagegen: Man sollte das Thema "unideologisch" angehen und als "Chance für unser Land" betrachten, sagte er in Berlin. Die erneuerbaren Energien seien klimaverträglich und sicher, schafften Arbeitsplätze und seien ein "Wachstumssektor sogar in Zeiten der Rezession". Dem Umweltminister zufolge hat er für seine jüngsten Äußerungen "viel Unterstützung erfahren". Demnach stehe sogar die Spitze der CDU dahinter. Röttgen berichtete von einem guten Telefongespräch mit FDP-Chef Westerwelle. "Ich habe mich in meinen Äußerungen - und werde auch dabei bleiben - auf die Koalitionsvereinbarung bezogen."

Er wolle dabei eher etwas "konservativ rechnen, weil wir immer auf der sicheren Seite bleiben wollen". Damit wies Röttgen Forderungen nach einem endgültigen Ausstieg gemäß dem Atomgesetz schon im Jahr 2022 zurück.

Unterstützung kam auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Vorstandsmitglied Dietmar Hexel sagte nach dem Treffen mit Röttgen, die erneuerbaren Energien seien ein großer Wachstumsmarkt. Die Energiewende sei "erreichbar". Auch der strukturelle Umbau von Arbeitsplätzen sei unbedenklich. Der Atomausstieg habe einen langen Vorlauf, und die Beschäftigten in den Kernkraftwerken seien hochqualifiziert. Sie hätten Perspektiven auch in anderen Bereichen.

flo/dpa/ddp

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Atomkraftwerke in Deutschland

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In Deutschland sind formal derzeit noch 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Tatsächlich am Netz sind aber deutlich weniger: Brunsbüttel ist nach mehreren schweren Pannen seit weit mehr als einem Jahr abgeschaltet. Krümmel wurde nach einem Brand im Juni 2007 erst im Juni 2009 wieder hochgefahren. Der älteste Meiler, Biblis A, ist seit Ende Februar nicht mehr am Netz und wird derzeit gewartet. Der benachbarte Block Biblis B ist seit Januar 2009 wegen Revisionsarbeiten abgeschaltet. Das AKW Stade ging Ende 2003 außer Betrieb und wurde 2005 stillgelegt. Obrigheim ging Mitte 2005 außer Betrieb.

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