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19.02.2010
 

Hartz-IV-Empfänger

FDP verlangt mehr Härte von Arbeitsvermittlern

FDP-Politiker Andreas Pinkwart: "Zu Gegenleistungen bereit sein"Zur Großansicht
dpa

FDP-Politiker Andreas Pinkwart: "Zu Gegenleistungen bereit sein"

Die Liberalen machen Druck auf die Jobcenter: FDP-Vize Pinkwart fordert, Hartz-IV-Beziehern schneller die Stütze zu kürzen, wenn sie angebotene Jobs verweigern. Die OECD hatte bemängelt, in Deutschland fehlten Anreize, sich eine Arbeit zu suchen.

Düsseldorf/Erfurt - Nordrhein-Westfalens FDP-Landeschef Andreas Pinkwart heizt die Debatte um Hartz IV an und fordert ein härteres Vorgehen gegen "Leistungsverweigerer": Wenn die Betreuung in den Jobcentern weiter verbessert werde, "müssen die Bezüge arbeitsfähiger Hartz-IV-Empfänger, die zumutbare Arbeit verweigern, auch konsequenter gekürzt werden", sagte Pinkwart, der auch Vizechef der Partei ist. Wer arbeitsfähig sei, "sollte auf staatliche Hilfe grundsätzlich nur Anspruch haben, wenn er auch zur Gegenleistung bereit ist", zitierte ihn die "Rheinische Post".

Die Bundesagentur für Arbeit hatte eingeräumt, dass die Jobcenter oft nur zögerlich mögliche Strafen gegen Verweigerer verhängten. Nimmt ein Hartz-IV-Empfänger eine Arbeit nicht an, können seine Bezüge laut Vorschrift für drei Monate um 30, beim zweiten Mal um 60 Prozent gekürzt werden.

Das für die Grundsicherung zuständige Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, widersprach aber der Behauptung, Arbeitslose würden zu selten Jobs annehmen. Arbeitssuchende seien heute eher bereit, mit Lohneinbußen zu arbeiten oder einen Wohnortwechsel in Kauf zu nehmen, sagte Alt der Zeitung "Thüringer Allgemeine". "Menschen lassen sich also nicht nur vom ökonomischen Kalkül leiten. Ihnen geht es um das Gefühl etwas zu leisten und gebraucht zu werden."

Dass in Regionen, in denen es ausreichend Jobs gebe, kaum Grundsicherung in Anspruch genommen werde, zeige, "dass sich die wenigsten in die soziale Hängematte legen möchten". Es gebe zwar immer Einzelne, die sich "ein Stück weit einrichten", sagte Alt. Bei denen sei es aber an den Arbeitsbehörden, aktiv zu werden und "über den Druck von Sanktionen Leistung einzufordern".

Hartz-IV-Debatte schadet laut Umfrage der FDP

Eine neue Studie der OECD hatte die mangelnde Effizienz des deutschen Sozialsystems angeprangert. Es fehlen Anreize, sich einen Job zu suchen, fanden die Experten in einem internationalen Vergleich heraus. Langzeitarbeitslose in Deutschland haben der Studie zufolge trotz Hartz-Reformen vergleichsweise wenig finanzielle Anreize, eine gering bezahlte existenzsichernde Beschäftigung anzunehmen.

Das Problem: Schon bei einem geringen Verdienst würden für sie relativ hohe Steuern und Sozialbeiträge fällig. Minijobs und andere Formen geringfügiger Beschäftigung würden dagegen zum Beispiel durch Freibeträge gefördert.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht, wonach die Hartz-IV-Sätze neu berechnet werden müssen, hatte FDP-Chef Guido Westerwelle den deutschen Sozialstaat kritisiert und vor "spätrömischer Dekadenz" und "anstrengungslosem Wohlstand" gewarnt. Diese Position wiederholte er mehrmals, in der Debatte machte er zudem "sozialistischen Züge" aus.

Mit dieser Diskussion beschädige er aber seine eigene Partei, glaubt eine klare Mehrheit von 69 Prozent der Deutschen laut einer neuen Umfrage. Dagegen denken 20 Prozent der Bundesbürger, dass die Partei von der Debatte über die Hartz-IV-Sätze profitiert, ergab der neueste Deutschlandtrend. Bei den FDP-Anhängern sind 64 Prozent der Meinung, dass Westerwelles Rhetorik die eigene Partei lädiert, 34 Prozent der FDP-Anhänger sehen einen Nutzen für die Liberalen, berichtete das ARD-"Morgenmagazin" am Freitag.

Die FDP konnte dennoch zulegen. Die Liberalen kämen auf zehn Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre - das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der Befragung am 4. Februar.

Härtefall-Liste polarisiert

Die Debatte darüber, wie genau die Hartz-IV-Sätze geändert werden sollen, geht indes weiter. Viele Empfänger hatten nach dem Urteil der Verfassungsrichter auf deutlich bessere Leistungen gehofft. Doch die Bundesregierung sieht dazu keinen Anlass - sie hat den Härtefall-Katalog entsprechend eng gefasst.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat sich nun für Nachbesserungen bei dieser Liste eingesetzt. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sprach sich Präsident Thomas Krüger dafür aus, dass Kosten für Nachhilfeunterricht bei Kindern aus "Hartz-Familien" generell vom Staat übernommen werden und nicht nur befristet bei Krankheit oder Tod von Angehörigen. Die von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorgelegte Härtefallliste kritisierte er als "Minimallösung". Der Katalog, der erhöhte Leistungsansprüche ausweist, gehe zu wenig auf die Interessen von Kindern ein.

Der Präsident des Kinderhilfswerks zählt zum "unabweisbaren, besonderen Bedarf" für Kinder und Jugendliche auch Bekleidung in Übergrößen, Brillen, Medikamente und orthopädische Schuhe. "Auch bestimmte Freizeiteinrichtungen, speziell Sportanlagen und Bäder, sollten für Kinder kostenfrei sein", betonte Krüger.

Auch FDP-Politiker Pinkwart hat sich zu diesem Thema geäußert - er fordert mehr kostenlose Sachleistungen für Kinder und Erwachsene, etwa Bildungsgutscheine. "Wenn es zu mehr kostenlosen Sachleistungen käme, müsste man auf der anderen Seite direkte Zahlungen geringer ansetzen, zum Beispiel durch Pauschalierungen bei den Wohnzuschüssen", sagte er.

CDU fordert Sanktionen gegen Sprachkursverweigerer

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), forderte vor dem Hintergrund der aktuellen Hartz-IV-Debatte Sanktionen gegen Ausländer, die Sprach- oder Integrationskurse abbrechen oder gar nicht erst antreten wollen.

Bosbach sagte der "Bild"-Zeitung vom Freitag: "Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Bildung, Integration und guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb ist es völlig inakzeptabel, dass gut 20 Prozent der Ausländer den verpflichtenden Sprach- oder Integrationskurs abbrechen oder gar nicht erst antreten." In solchen Fällen müssten die gesetzlichen Sanktionen auch tatsächlich verhängt werden, sagte Bosbach weiter.

kgp/ddp/dpa/apn/Reuters

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05.03.2010 von hardy2402:

Warum sind seine persönlichen Werte dann in den Keller gegangen? Naja immer noch einen Prozent hinter den LINKEN...das bestätigt dann wohl die Richtigkeit Linker Politik...lächel mehr...

05.03.2010 von Susi:

MIr liegt es fern, Sozialleistungempfänger kontrollieren zu wollen, geschweige denn, diesen Menschen irgendwelche Vorschriften machen zu müssen, wie sie ihr Leben zu bestreiten haben. mehr...

05.03.2010 von nahal:

Samstag naht. Bei dieser Diskussion ist Erziehung wichtig. Auch die staatliche Sozialhilfe soll eine Erziehungswirkung haben. Dabei muss man sehr vorsichtig gehen, damit man nicht überreizt, was negative Folgen haben könnte. [...] mehr...

05.03.2010 von kryptiker51:

Keine Verschwörungstheorien, die führen zu gar nichts als zu wildesten Unterstellungen und Vermutungen. Einen Foristen Perleberger oder MediaThor gibt es nicht mehr; es wird nicht zugelassen, dass weiter unter diesen nicks [...] mehr...

05.03.2010 von Maya2003: 2% Zuwachs

Bitte vergessen Sie nicht zu erwähnen, daß unser famoser Guido es fertiggebracht hat ein 15% Ergebnis innerhalb von sechs Monaten auf 8% zu schrumpfen - mit seiner soooo überzeugenden Politik. Wenn er jetzt zu Haider Methoden [...] mehr...

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Die Hartz-Reformen

Arbeitslosengeld I

Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer
- arbeitslos ist,
- der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht,
- die Anwartschaftszeit erfüllt,
- sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
- Arbeitslosengeld beantragt hat.
- Die Dauer des Anspruchs hängt von der Länge der versicherungspflichtigen Beschäftigung und vom Alter ab. Die Höchstgrenze sind 24 Monate.

Arbeitslosengeld II

Hartz IV/SGB II

ARGE/Jobcenter

Peter Hartz


Hartz IV

Seit Jahren gibt es Streit über die Betreuung von Hartz-IV-Empfängern. Organisatorisch zuständig sind seit 2005 Arbeitsgemeinschaften von Bundesagentur für Arbeit (BA) und kommunalen Sozialämtern - abgekürzt als Arge bezeichnet.

Verankert wurde diese Mischverwaltung im Hartz-IV-Gesetz über die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Derzeit gibt es 353 Argen, in denen sich 55.000 Mitarbeiter um 5,2 Millionen Hilfsbedürftige kümmern. Daneben gibt es das sogenannte Optionsmodell, bei dem in 69 Kreisen und Gemeinden die Kommunen die alleinige Verantwortung haben.

Von Beginn an gab es Reibereien in den Arbeitsgemeinschaften. Nach Feststellungen des zuständigen Ombudsrats krankt die Organisationsform an dem "ständigen, oft zeitaufwendigen Abstimmungsbedarf" zwischen den Beteiligten. Dabei konkurrieren Kommunen und BA um das Ausmaß ihrer Zuständigkeiten. Die Zusammenarbeit vor Ort leidet auch darunter, dass die Argen kein eigenes Personal haben und die dort tätigen Mitarbeiter von Bundesagentur und Kommune unterschiedlich bezahlt werden.




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