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19.02.2010
 

Sozialleistungen

Westerwelle bläst zur Jagd auf Hartz-IV-Betrüger

FDP-Vorsitzender Westerwelle: "Keine Leistung ohne Bereitschaft zur Gegenleistung"Zur Großansicht
dpa

FDP-Vorsitzender Westerwelle: "Keine Leistung ohne Bereitschaft zur Gegenleistung"

Die FDP fordert ein härteres Durchgreifen der Jobcenter. Auch Parteichef Westerwelle will, dass Hartz-IV-Empfängern die Stütze schneller gekürzt wird, falls sie eine angebotene Arbeit verweigern. Man müsse gegen "Findige" vorgehen, die das System ausnutzten.

Berlin - FDP-Chef Guido Westerwelle ist für seine Äußerungen zum Sozialstaat heftig kritisiert worden, an der Hartz-IV-Schelte halten er und die Partei dennoch unbeirrt fest. Die Liberalen bemängeln den Sozialmissbrauch - und fordern ein härteres Vorgehen der Jobcenter gegen Arbeitsunwillige.

Westerwelle plädierte für Kürzungen der Leistungen, sollten Hartz-IV-Empfänger sich einer angebotenen Arbeit verweigern. "Es gilt der Grundsatz: Keine Leistung ohne Bereitschaft zur Gegenleistung", sagte Westerwelle am Freitag in Berlin.

Er unterstützte damit ausdrücklich seinen Parteivize Andreas Pinkwart, der ein härteres Vorgehen gefordert hatte. "Wenn wir jetzt die Betreuung in den Jobcentern weiter verbessern, was wir ja vorhaben, dann müssen die Bezüge arbeitsfähiger Hartz-IV-Empfänger, die zumutbare Arbeit verweigern, auch konsequenter gekürzt werden", sagte Pinkwart der "Rheinischen Post" vom Freitag.

Sein Parteichef Westerwelle betonte, man müsse gegen "Findige" vorgehen, die aus den Sozialsystemen Geld für wirklich Bedürftige abzögen. In solchen Fällen müsse "ganz praktisch auch eine Kürzung der Leistungen" folgen können.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte eingeräumt, dass die Jobcenter oft nur zögerlich mögliche Strafen gegen Verweigerer verhängten. Nimmt ein Hartz-IV-Empfänger eine Arbeit nicht an, können seine Bezüge laut Vorschrift für drei Monate um 30, beim zweiten Mal um 60 Prozent gekürzt werden. Das für die Grundsicherung zuständige Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, widersprach aber der Behauptung, Arbeitslose würden zu selten Jobs annehmen. Arbeitssuchende seien heute eher bereit, mit Lohneinbußen zu arbeiten oder einen Wohnortwechsel in Kauf zu nehmen, sagte Alt der Zeitung "Thüringer Allgemeine".

Eine neue Studie der OECD hatte die mangelnde Effizienz des deutschen Sozialsystems angeprangert. Es fehlen Anreize, sich einen Job zu suchen, fanden die Experten in einem internationalen Vergleich heraus.

Oettinger kritisiert Westerwelles Zuspitzungen

Erneut wehrte Westerwelle sich gegen Kritiker, die ihm soziale Kälte vorhalten. Er spreche "im Interesse der Steuerzahler", betonte der FDP-Politiker unter Verweis auf Umfragen, wonach zwei Drittel der Befragten ihre Steuerzahlerinteressen in der Sozialdebatte nicht ausreichend vertreten sehen. Diese Interessen kämen "zu kurz", hier schalteten sich die Liberalen ein. Die FDP plädiert dafür, Hartz IV abzuschaffen und setzt sich stattdessen dafür ein, alle staatlichen Leistungen in einem sogenannten "Bürgergeld" zusammenzufassen.

Kritik an Westerwelle kam am Freitag auch vom deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger. Er hält die Äußerungen des FDP-Chefs zum Sozialstaat für überspitzt. "Ich glaube, dass Minister Westerwelle eine Debatte angestoßen hat, die wichtig ist", sagte der CDU-Politiker dem "Hamburger Abendblatt". Allerdings laufe er Gefahr, "mit seiner Zuspitzung die Sachthemen eher zu verdecken, die mit dem Karlsruher Urteil zu Hartz IV auf die Tagesordnung gekommen sind". Der wirtschaftliche Erfolg habe es Deutschland ermöglicht, das soziale Netz weiter auszudehnen als in anderen EU-Staaten. Wichtig sei allerdings, dass der deutsche Sozialstaat nicht überfordert wird.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, hat Vorwürfe Westerwelles zurückgewiesen, die frühere rot-grüne Bundesregierung habe mit der Hartz-IV-Reform "Murks" produziert. Steinmeier sagte am Freitag im RBB-Inforadio: "Wir haben Wichtiges auf den Weg gebracht." Wo Fehlentwicklungen eingetreten seien, etwa bei der Leiharbeit, müsse man dies jetzt korrigieren. Die Hartz-IV-Regelungen hätten sich auf die Vermittlung von Arbeit positiv ausgewirkt.

Steinmeier sagte, "anders als Herr Westerwelle" habe die SPD "nicht nur öffentliche Debatten geführt, sondern wir haben Politik gemacht, um diese Anreize zu stärken". Vor allem im Bereich Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit habe es Erfolge gegeben. Mit Blick auf die von Westerwelle angestoßene Sozialstaatsdebatte sagte Steinmeier, in Deutschland bestreite niemand ernsthaft die Forderung, dass sich Arbeit lohnen müsse und dass jemand, der arbeitet, mehr bekommen müsse als ein Sozialhilfeempfänger.

kgp/dpa/ddp/apn

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19.04.2010 von genugistgenug: Vorschlag

Ich möchte mich kurz anhängen weil ich diese sehr negativ intelligenten Vorschläge oft genug gehört habe. Ich frage nicht nach einer Bank sondern fordere solche Typen auf, als selbstschuldnerischer Bürge aufzutreten. [...] mehr...

19.04.2010 von Kontrastprogramm:

Ich sehe auch keinen Sinn darin, nachhaltigen Schulverweigerern zum Dritten oder Vierten Mal eine Möglichkeit zu spendieren, im hohen Alter bis 25 Jahren endlich, endlich noch einmal vergeblich den Hauptschulabschluss zu [...] mehr...

19.04.2010 von gaga007: Eigenverantwortlichkeit vs. Staat

Falsch - in der mangelnden Bereitschaft zum Lernen. Die PISA-Studien und die Bewerbungsunterlagen von Berufsanfängern dokumentieren das geringe Bildungsniveau. Die Grundrechenarten sind genauso schwach ausgebildet, wie [...] mehr...

19.04.2010 von Andreas Heil:

Vor allem lügen die Liberalen wie gedruckt oder haben keinerlei Sachkenntnis zu irgendeinem Thema. Eins von beiden muss es sein. Nächstes Beispiel: Westerwelles neue Idee *FDP für flexible Umsatzsteuer* [...] mehr...

19.04.2010 von pssst...:

... Nur keine falsche Reue...jibbet geschwurbelte Mitte , wie geschwurbelt normal. HartzIV ist die Realität, die Westerwelle zur "römischen Dekadenz" erklärte ! mehr...

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Die Hartz-Reformen

Arbeitslosengeld I

Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer
- arbeitslos ist,
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- sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
- Arbeitslosengeld beantragt hat.
- Die Dauer des Anspruchs hängt von der Länge der versicherungspflichtigen Beschäftigung und vom Alter ab. Die Höchstgrenze sind 24 Monate.

Arbeitslosengeld II

Hartz IV/SGB II

ARGE/Jobcenter

Peter Hartz


Das will die FDP

Bürgergeld

dpa
Wer nicht arbeiten kann, soll ein Bürgergeld als direkte Sozialleistung von den Kommunen erhalten. Die Gehälter von Menschen, die selbst nicht genug verdienen, sollen direkt vom Finanzamt aufgestockt werden.

Durch das Bürgergeld soll die Aufnahme einer eigenen Arbeit gefördert werden. "Bei Ablehnung einer zumutbaren angebotenen Arbeit wird das Bürgergeld gekürzt", steht im Wahlprogramm 2009. Jede eigenständige Erwerbstätigkeit soll bessergestellt werden als der Erhalt von Transferleistungen. Mehr zur FDP auf der Themenseite…

Grundfreibetrag und Kindergeld

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