Aus Trebnitz an der Saale berichtet Florian Gathmann
Thomas Wulff und Axel Schunk heißen die neuen Besitzer der um 1700 erbauten Vierflügelanlage am Rande von Trebnitz - das hat außerhalb des Dörfchens erhebliche Wellen ausgelöst. Denn gerade Wulff gilt in der deutschen Neonazi-Szene als große Nummer. Wulff, der sich nach einem ehemaligen SS-Obergruppenführer auch "Steiner" nennt, ist mehrfach wegen Volksverhetzung und der Verwendung verbotener Symbole verurteilt. Zudem sitzt er im Bundesvorstand der NPD, der Rechtsextreme galt als enger Freund des inzwischen verstorbenen Partei-Anwalts Jürgen Rieger.. Schunk war einst "Bundesfahrtenführer" der inzwischen verbotenen Wiking-Jugend.
Bei der Zwangsversteigerung vor wenigen Tagen traten Wulff und Schunk als Privatpersonen auf - an welche Figuren der Zuschlag für das ehemalige Herrenhaus des Adelsgeschlechts von Rauchhaupt gegangen war, wurde erst danach bekannt. Gerade einmal 80.000 Euro mussten sie dafür bieten. Wulff wollte sich auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE weder zu dem Kauf, noch zu seinen Plänen äußern, Schunk war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Vom NPD-Pressesprecher heißt es: kein Kommentar.
Im Magdeburger Innenministerium macht man sich seinen Reim darauf: Es sei zu befürchten, dass Wulff und Schunk dem Dörfchen Trebnitz zu "überregionaler Bedeutung für die Rechtsextremen verhelfen" wollten, auch wegen der günstigen Verkehrsanbindung mit der nahen A14. Im zuständigen Landratsamt in Bernburg hat man ebenfalls Angst vor einem Neonazi-Zentrum, die Grünen im Salzlandkreis und lokale Initiativen gegen Rechtsextremismus teilen diese Sorgen.
Region um Trebnitz ist ohnehin im Fokus der Rechtsextremisten
Die sind wohl auch deshalb nicht unbegründet, weil die Region ohnehin im Fokus der Neonazis zu liegen scheint: Die NPD-Jugendorganisation "Junge Nationale" verlegte kürzlich ihre Zentrale nach Bernburg, im benachbarten Landkreis Harz wohnen einige führende ostdeutsche Rechtsextreme.
Nur an den Trebnitzern selbst scheint das ziemlich vorbei zu gehen. Entweder sie wollen gar nicht mit Journalisten über die Situation sprechen, wie die ehemalige Leiterin des Altenheims. Oder man zuckt mit den Schultern. Neonazis im Schloss? "Das hatten wir bereits", sagt ein Trebnitzer, der an diesem feuchtkalten Februartag mit seiner kleinen Tochter auf einer der gepflasterten Straßen unterwegs ist: 2001 war das Gebäude schon einmal von Rechtsextremen gekauft worden, die damals Großes mit dem Kastenbau vor hatten.
Daraus ist wohl nichts geworden. Zu funktionieren scheint nur noch das schmiedeeiserne Tor zu dem 8000-Quadratmeter-Grundstück. Es ist mit mehreren Vorhängeschlössern gesichert. Schon die Briefkästen links vom Tor hängen windschief, mehrfach beklebt mit der Aufschrift "Bitte keine Werbung, keine Anzeigenblätter".
Wie feudal es hier früher einmal zugegangen ist, sieht man in den ehemaligen Ställen der Kutschpferde gegenüber vom Schloss - mitunter schimmert noch der blau-geflieste Boden durch. Aber die Pracht ist vergangen: An der Fassade des Hauptgebäudes wuchert wilder Wein, viele Fensterscheiben sind entweder zerbrochen oder fehlen komplett, die Treppe hinauf zum Eingang wirkt brüchig.
Dass die Immobilie in einem solchen maroden Zustand ist, haben die neuen Schlossbesitzer auch ihrem Kameraden Steffen Hupka zu verdanken. Der Harzer Neonazi war es, der das Schloss nach der Jahrtausendwende zum Rechtsextremen-Zentrum machen wollte - was bundesweit in den vergangenen Jahren auch andernorts immer wieder versucht wurde. Hupka machte in Trebnitz auf Volksgemeinschaft, ging auf die Dorfbewohner zu, einmal hat er sie sogar zu einem großen Fest eingeladen.
Am Ende soll Steffen Hupka höchstpersönlich die Reste der Heizung aus dem Gebäude geschleppt haben.
Für die Renovierung des Schlosses braucht man viel Geld
Viele hunderttausend Euro müsse man investieren, um das Schloss wieder bewohnbar zu machen, glaubt man im Dorf. Sind die neuen Käufer so solvent? Noch haben sie keinen Cent des Kaufpreises beglichen, ist beim zuständigen Amtsgericht zu erfahren.
Und selbst wenn sie das entsprechende Geld für die umfänglichen Renovierungsarbeiten in der Hinterhand hätten: Wulff und Schunk müssen sich auf einen maximal schwerfälligen Verwaltungsablauf einstellen. Denn bevor sie irgendetwas an dem denkmalgeschützten Gebäude verändern, muss ein sogenanntes Nutzungskonzept vorgelegt werden. Und schon mit dessen Genehmigung könnten sich die Behörden sehr viel Zeit lassen. Innenministerium und Verfassungsschutz wiederum wollen "ganz genau beobachten, wer da ein und aus geht", wie ein Sprecher sagt.
Und die Leute im Ort? Der Verfall der Schlossanlage sei doch eine Schande, sagt der Trebnitzer, der mit seiner Tochter unterwegs ist. So sieht es auch der alte Schäfer: "Ich fände es ja schön, wenn hier endlich mal was passiert". Außerdem, "mir haben diese Leute doch nichts getan". Dann allerdings pausiert er einen Moment und meint: "Andererseits, was die Rechten neulich wieder bei dieser Demo in Dresden gemacht haben", das sei schon eine Schande.
Dann schaut er wieder hinüber zu dem Schloss.
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