Von Yassin Musharbash, Marcel Rosenbach und Holger Stark
Berlin - Eine gute Woche, bevor das Oberlandesgericht Düsseldorf ihren Ehemann Fritz Gelowicz voraussichtlich als Terroristen zu einer langen Haftstrafe verurteilen wird, ist die 28 Jahre alte Frau wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland am Samstag festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Dem Generalbundesanwalt zufolge ist sie dringend verdächtig, über einen Mittelsmann in der Türkei Geld an die in Afghanistan aktive Terrorgruppe "Islamische Bewegung Usbekistan" (IJU) überwiesen zu haben. Insgesamt geht es um 2450 Euro.
Die IJU ist eben jene Organisation, in deren Auftrag Fritz Gelowicz mit seinen Mitverschwörern laut seinem eigenen Geständnis mehrere Sprengsätze in Deutschland zünden wollte, um so viele US-Soldaten wie möglich zu töten.
Im Verfahren gegen ihren Mann sagte sie nicht aus
In dem Verfahren gegen ihren Ehemann hatte sie nicht ausgesagt, weder gegenüber den Ermittlern noch im Düsseldorfer Gerichtssaal. Stattdessen machte die Büroangestellte von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Sie wurde zu keinem Zeitpunkt verdächtigt, zu den Verschwörern gezählt zu haben. Gelowicz hatte sie erst im Januar 2007 geheiratet. Im September 2007 war er, beim Kochen einer Testcharge Sprengstoff, im Sauerland festgenommen worden. Zuvor hatte er sich mit seinen Mitangeklagten Daniel Schneider, Adem Yilmaz und Atilla Selek in einem Camp der IJU ausbilden lassen.
Als die Polizei am Tag der Festnahme ihres Mannes im September 2007 die gemeinsame Wohnung in Ulm durchsuchte, reagierte sie "ungehalten", wie die Beamten vermerkten. Sie unterstellte den Polizisten auch, ihr Geld und Schmuck gestohlen zu haben, nahm das aber später zurück. Ihren Ehemann besuchte sie mehrfach im Gefängnis, auf ihren Antrag hin wurde den Eheleuten gestattet, sich einmal im Monat für fünf Minuten zu berühren oder zu umarmen. Sie beklagte sich bei Gelowicz über Belästigung durch die Presse und Probleme bei der Arbeit.
Fritz Gelowicz hat vor Gericht erklärt, er habe dieses Kapitel seines Lebens abgeschlossen. Dass seine Frau indes ebenfalls radikalen Gedanken anhing, ahnte offenbar kaum jemand.
2450 Euro an die IJU?
Nun hat sich das Bild gewandelt. Denn den laufenden Ermittlungen zufolge hat sie sich, während ihr Ehemann vor Gericht stand, mit anderen zusammengetan, um Geld an die IJU zu überweisen.
Dem Generalbundesanwalt zufolge beschaffte sie zusammen mit dem ebenfalls am Samstag festgenommenen Alican T. aus Berlin insgesamt 2450 Euro und überwies das Geld Ende vergangenen Jahres selbst an einen mutmaßlichen IJU-Mittelsmann in der Türkei.
Alicans T.s Adresse, zu der die Ermittler am Sonnabend ausrückten, liegt in Berlin-Kreuzberg in unmittelbarer Nähe des Kottbusser Tores: Inmitten von Wasserpfeifenhändlern, Gemüseläden und Imbissbuden wohnte der 20-Jährige in einem schmutzigbraunen Gründerzeithaus mit auffallendem gelbem Holzportal.
Die Razzia kann für den gebürtigen Türken, der seit zwei Jahren deutscher Staatsbürger ist, kaum ganz überraschend gekommen sein - denn spätestens seit der vorvergangenen Woche wusste er, dass er im Visier deutscher Ermittler steht: In einer spektakulären Aktion hatten Fahnder einen Zug Richtung Wien angehalten, um zu verhindern, dass T. Deutschland verließ. Zuvor hatten sie ihm schon seinen Pass entzogen. Sie vermuteten, dass T. sich ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet absetzen und dort einer islamistischen Gruppierung anschließen wollte.
Schon im Mai vergangenen Jahres stufte ihn die Polizei als "Gefährder" ein, sie beobachtete seine Kontakte in die Türkei und nach Pakistan und hörte seine Telefone ab. Die Ermittler verfolgten, wie er Geld sammelte, angeblich für die "Islamische Dschihad-Union" - das jedenfalls ist der Vorwurf, den der Ermittlungsrichter T. vorgetragen hat.
Dritter im Bunde war laut Bundesanwaltschaft Fatih K., dessen Haftbefehl allerdings unter Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde. Er soll der IJU knapp über 1400 Euro übermittelt haben. Bei K. handelt es sich wahrscheinlich um einen Mann, der den Behörden in Berlin bereits 2009 aufgefallen war und gegen den wegen des Verdachts der "Verabredung zum Mord auf dem Gebiet der Russischen Föderation" ermittelt wurde.
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