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27.02.2010
 

Missbrauchsfälle

Deutsche verlieren Vertrauen in katholische Kirche

Bischofskonferenz in Freiburg: "Die Kirche ignoriert die Erfahrungen der Menschen"Zur Großansicht
dpa

Bischofskonferenz in Freiburg: "Die Kirche ignoriert die Erfahrungen der Menschen"

Die jüngsten Missbrauchsfälle beschleunigen den Vertrauensschwund in die katholische Kirche. Selbst unter den Gläubigen hält weniger als die Hälfte die eigene religiöse Institution für ehrlich und lebensnah. Ein FDP-Rechtsexperte fordert inzwischen einen Entschädigungsfonds für Missbrauchsopfer.

Berlin - Es sind ernüchternde Zahlen für die Bischöfe: Nicht einmal ein Drittel der Deutschen hält die katholische Kirche für ehrlich, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omni Quest unter 1000 Personen für den "Kölner Stadt-Anzeiger" ergab.

Die Zahlen sind alarmierend aus Sicht der katholischen Basis. "Die katastrophalen Ergebnisse sind nicht nur der aktuellen Situation zuzuschreiben, sondern Ausdruck eines langfristigen und schlimmen Vertrauensverlustes", so Christian Weisner, Mitinitiator der Bewegung "Wir sind Kirche". Auffällig ist in der Umfrage auch, dass selbst unter den befragten Katholiken weniger als die Hälfte ihre eigene Kirche für ehrlich und lebensnah hält - auch wenn diese Teil-Ergebnisse aufgrund der geringeren Stichprobengröße nicht als repräsentativ gelten können. "Die Kirche ignoriert die Erfahrungen der Menschen in ihrem alltäglichen Leben. Gebetet wird für Familien, aber nicht für Alleinerziehende und Singles", kritisierte Weisner.

Während nur 30,3 Prozent der Deutschen die Kirche für ehrlich halten, sieht es auch in anderen Bereich ähnlich schlecht aus: In Sachen Lebensnähe halten nur 29,9 Prozent und bei der Glaubwürdigkeit 32,8 Prozent zur Institution.

Auch das Vertrauen in die katholische Kirche, bei der Aufklärung konstruktiv mit den Behörden zusammenzuarbeiten, ist äußerst gering. Wie eine weitere repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Omni Quest für die "Frankfurter Rundschau" ergab, gehen nur knapp 20 Prozent der Befragten davon aus, dass die Kirche zur Aufklärung beiträgt. Mehr als zwei Drittel (68,1 Prozent) antworteten, sie tue das nicht.

Fast drei Viertel (73,3 Prozent) der Befragten sehen einen Zusammenhang zwischen der zölibatären Lebensweise von Priestern und dem sexuellen Missbrauch Jugendlicher. 20,6 Prozent meinen, beides habe nichts miteinander zu tun.

FDP-Rechtsexperte Ahrendt regt Fonds an

Nach den jüngst bekannt gewordenen sexuellen Missbrauchsfällen und der Kritik der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger an der Haltung der Kirche geht die Debatte um Schlussfolgerungen weiter. Der rechtspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Ahrendt, forderte die katholische Kirche auf, einen Entschädigungsfonds für Missbrauchsopfer aufzulegen. Ahrendt hatte sich erst kürzlich ausdrücklich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE an die Seite der FDP-Justizministeringestellt.

Ahrendt erklärte nun in der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die katholische Kirche wäre gut beraten, nicht länger wie ein Staat im Staate zu handeln. Wenn die Bischöfe es ernst meinten mit der Aufklärung möglicher Missbrauchsfälle, sollte sie externe Sonderermittler für alle 27 deutschen Bistümer einsetzen."

Diese könnten die vergangenen Jahrzehnte in enger Kooperation mit den örtlichen Staatsanwaltschaften unabhängig und unparteiisch aufarbeiten, sagte Ahrendt. "Angesichts des Ausmaßes der Vorwürfe hilft nur schonungslose Offenheit." Ahrendt appellierte zugleich an die Bischofskonferenz, einen Entschädigungsfonds einzurichten, aus dem die Opfer für ihr erlittenes Unrecht einen finanziellen Ausgleich erhalten. "Es wäre ein wichtiges Signal an Betroffene, dass die Kirche sich nicht hinter Verjährungsfristen versteckt, sondern sich in jedem Fall zu ihrer Verantwortung für die Opfer bekennt."

Küng sieht Zusammenhang des Missbrauchs mit dem Zölibatsgebot

Unterdessen hat der Tübinger Theologe Hans Küng seine Kritik am Zölibatsgebot für Geistliche erneuert. Es sei auffällig, dass Kindesmissbrauch "massenhaft gerade in der von Zölibatären geleiteten katholischen Kirche" vorkomme, schreibt Küng in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung".

Das Zölibatsgesetz widerspreche dem Evangelium und gehöre abgeschafft. Der Theologie-Professor verweist dazu unter anderem auf den 1. Korintherbrief, Kapitel 7, Vers 2: "Wegen der Versuchung zur Unzucht soll jeder Mann seine Frau und jede Frau ihren Mann haben", zitiert Küng. Im System der römisch-katholischen Kirche diene der Zölibat vor allem dazu, dass sich der Klerus durch seine Ehelosigkeit vom christlichen Volk abhebe. Zugleich sei er "der strukturell wichtigste Ausdruck einer verkrampften Einstellung der katholischen Kirchenleitung zur Sexualität".

Viele Probleme der Kirche wie etwa der Priestermangel ließen sich lösen, wenn Kleriker heiraten dürften und auch Frauen zur Ordination zugelassen würden. "Die Bischöfe wissen das, sollten aber auch den Mut haben, es auszusprechen. Sie hätten die große Mehrheit der Bevölkerung und auch der Katholiken hinter sich", schreibt der der Theologe.

sev/dpa/ddp

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03.03.2010 von güti: @hans

Weil es immer noch Menschen gibt für die heilige römisch katholische Kirche nicht das gleiche wie irgend eine evangelische Gruppierung ist. mehr...

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