ThemaThilo SarrazinRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
02.03.2010
 

Umstrittene Äußerungen

Möglicher SPD-Ausschluss Sarrazins bleibt offen

Bundesbank-Vorstand Sarrazin: "Es gilt das Vertraulichkeitsgebot bis zur Entscheidung" Zur Großansicht
dpa

Bundesbank-Vorstand Sarrazin: "Es gilt das Vertraulichkeitsgebot bis zur Entscheidung"

Die Anhörung der Landesschiedskommission dauerte fast sieben Stunden - der Versuch einer gütlichen Einigung scheiterte: Es bleibt offen, ob der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin wegen umstrittener Interviewäußerungen zu Migranten aus der SPD ausgeschlossen wird.

Berlin - Über einen möglichen Ausschluss von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin aus der SPD ist noch nicht entschieden. Die Landesschiedskommission der Berliner SPD beendete in der Nacht zum Dienstag eine fast siebenstündige Anhörung ohne eine Entscheidung. Eine gütliche Einigung beider Seiten kam nicht zustande, berichteten Teilnehmer.

Der Kreisverband Spandau und die Ortsabteilung Alt-Pankow hatten den Parteiausschluss des früheren Berliner Finanzsenators beantragt, weil sie ihm parteischädigendes Verhalten vorwerfen. Sie stuften provokante Interviewäußerungen von Sarrazin über Ausländer auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtens als klar rassistisch ein. Das sei unvereinbar mit SPD-Positionen.

Die Antragsteller und Sarrazin machten während der Sitzung Kompromissvorschläge, die jedoch gegenseitig verworfen wurden. Auch ein Einigungsvorschlag der dreiköpfigen Kommission wurde nicht angenommen. Die Kommission hat jetzt drei Wochen Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Sarrazin ist seit 37 Jahren SPD-Mitglied.

Sarrazin lehnte vor und nach der Anhörung einen Kommentar ab. "Es gilt das Vertraulichkeitsgebot, bis die Schiedskommission ihre Entscheidung bekanntgegeben hat", sagte der Bundesbanker. Er trinke jetzt noch ein Bier, lege sich ins Bett und fahre am Dienstagmorgen um 6.15 Uhr mit dem Frühsprinter der Bahn an seinen Arbeitsplatz in der Bundesbank in Frankfurt/Main.

Sarrazin nennt Gutachten "unsauber, schleimig und widerlich"

Der Antrag auf Parteiausschluss bezieht sich auf ein Interview Sarrazins in einer Literaturzeitschrift. Darin hatte der 65-Jährige erklärt, er müsse niemanden anerkennen, der vom Staat lebt und diesen Staat ablehnt und ständig "neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und für 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin".

Die Kreisschiedskommission in Charlottenburg-Wilmersdorf hatte den Antrag auf Parteiausschluss im Dezember allerdings zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor schon ein Ermittlungsverfahren gegen Sarrazin wegen Volksverhetzung eingestellt. Sarrazin kündigte an, sich mit allen Mitteln gegen einen Rauswurf aus der SPD zur Wehr zu setzen. Notfalls wollte er durch alle Parteiinstanzen gehen.

Vor der Anhörung am Montag hatte Sarrazin nach Ansicht von SPD-Mitgliedern seine Partei durch ein Interview am Tag der Anhörung noch einmal gezielt provoziert. In der "Süddeutschen Zeitung" kritisierte er das Gutachten eines Politologen des Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrums als intellektuell und moralisch "unsauber, schleimig und widerlich". Jeder, der das 21-seitige Gutachten des "Afterwissenschaftlers" anfasse, "laufe Gefahr, sich zu beschmutzen". In dem Gutachten war der Politikwissenschaftler Gideon Botsch zu dem Schluss gekommen, dass einige Passagen des Interviews eindeutig rassistisch seien.

Unterdessen hat Sarrazin auch Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) in der "Süddeutschen Zeitung" scharf kritisiert - obwohl beide mit ihren Äußerungen zu vielen Hartz-IV-Empfängern nicht weit auseinanderliegen. Westerwelles Äußerungen zu "spätrömischer Dekadenz" seien aber völlig misslungen, so Sarrazin. Der Bundesbank-Vorstand attestierte dem FDP-Chef geistige Armut.

anr/dpa/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 5125 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.03.2010 von hardy2402:

Warum sind seine persönlichen Werte dann in den Keller gegangen? Naja immer noch einen Prozent hinter den LINKEN...das bestätigt dann wohl die Richtigkeit Linker Politik...lächel mehr...

05.03.2010 von Susi:

MIr liegt es fern, Sozialleistungempfänger kontrollieren zu wollen, geschweige denn, diesen Menschen irgendwelche Vorschriften machen zu müssen, wie sie ihr Leben zu bestreiten haben. mehr...

05.03.2010 von nahal:

Samstag naht. Bei dieser Diskussion ist Erziehung wichtig. Auch die staatliche Sozialhilfe soll eine Erziehungswirkung haben. Dabei muss man sehr vorsichtig gehen, damit man nicht überreizt, was negative Folgen haben könnte. [...] mehr...

05.03.2010 von kryptiker51:

Keine Verschwörungstheorien, die führen zu gar nichts als zu wildesten Unterstellungen und Vermutungen. Einen Foristen Perleberger oder MediaThor gibt es nicht mehr; es wird nicht zugelassen, dass weiter unter diesen nicks [...] mehr...

05.03.2010 von Maya2003: 2% Zuwachs

Bitte vergessen Sie nicht zu erwähnen, daß unser famoser Guido es fertiggebracht hat ein 15% Ergebnis innerhalb von sechs Monaten auf 8% zu schrumpfen - mit seiner soooo überzeugenden Politik. Wenn er jetzt zu Haider Methoden [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Thilo Sarrazin

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



"Ich bringe nur Dinge gerne auf den Punkt"







TOP



TOP