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03.03.2010
 

Berliner Umfragetief

Wowereit eröffnet den Kampf gegen sich selbst

Von Roland Nelles

Er war Deutschlands Party-Sozi - jetzt ist er Berlins Polit-Loser. Bürgermeister Klaus Wowereit muss plötzlich rackern: Seine Hauptstädter nehmen ihm übel, dass er sich zu wenig um ihre täglichen Nöte kümmert. Jetzt kämpft er gegen sein altes Image. Und wirkt ziemlich überengagiert.


Berlin - Für alle, die es noch nicht wissen: Die Hauptstadt hat einen neuen Bürgermeister. In diesen Tagen ist er in Berlin unterwegs, vor allem dort, wo es stinkt und raucht. Zum Beispiel morgens, ganz früh, bei den Malochern von der Berliner Stadtreinigung. Im blauen Pullover, mit ernstem Blick, lässt er sich die Sorgen und Nöte der Straßenkehrer erläutern: Was tun mit dem Streusplitt? Wohin mit der Hundekacke? Welcher Besen kehrt am besten?

Besonders praktisch an dem Neuen ist: Er heißt immer noch Klaus Wowereit. Der SPD-Mann hat sich einfach nur ein so komplett neues Erscheinungsbild zugelegt. Statt mit den Glanz- und Glitter-Größen der Stadt Party zu machen, gibt der neue Wowereit den demütigen Volksversteher.

Der plötzliche Wandel des Berliner Spitzengenossen hat einen einfachen Grund: Wowereit ist in den Umfragen dramatisch abgestürzt, laut Forsa rangiert er auf der Liste der beliebtesten Landespolitiker nur noch auf Platz 7. Sein Ruf als Sonnyboy der deutschen Politik ist reichlich lädiert.

Wowereit sei zu abgehoben, zu wenig volkstümlich, lautet die einhellige Analyse der Berliner Lokalzeitungen über den Senatschef: "Er regiert lustlos", titelte Springers Boulevardblatt "BZ". Die "Berliner Zeitung" bescheinigte ihm "souveräne Ignoranz" gegenüber den Problemen der Berliner.

Wowereit wäre nicht Wowereit, wenn er den Ernst der Lage nicht erkannt hätte. Nun stürzt er sich mit so viel Einsatz in die persönliche Imagepflege, dass es schon fast ein bisschen ulkig anmutet. Er überwindet seinen inneren Schweinehund, steht früh auf und geht auf Tuchfühlung mit dem einfachen Volk. Es wirkt fast so, als wolle er alle Probleme, die sich über die vergangenen Monate angehäuft haben, innerhalb von nur 48 Stunden lösen.

An den Schlaglöchern der Stadt

Täglich taucht der Regierende nun an einem anderen Brennpunkt der Stadt auf: Mal berät er mit den Bezirken der Hauptstadt über ein Sofortprogramm gegen die vielen Schlaglöcher in der Stadt. Mal trifft er sich mit den Experten von der Polizei zum Krisengespräch über die wachsende linke Gewalt. Dann wieder besucht er ein Jobcenter im Stadtteil Neukölln, um sich über die Arbeitslosigkeit zu informieren. "Ein Regierender Bürgermeister muss sich eben um alles kümmern", sagt er.

Besonders drollig wirkt Wowereits plötzliches Engagement für die Sauberkeit der Stadt. Um Berlins Straßen und Gehwege nach dem Schneewinter möglichst schnell von Granulat und Winterdreck zu befreien, hat er die Aktion "Frühjahrsputz" ausgerufen. Die Stadtreinigung wird gut tausend Hilfskräfte zusätzlich anheuern. Spätestens bis Ostern soll Berlin sauber sein. Wer's glaubt, wird selig.

Jeder weiß: Noch vor kurzem kümmerte sich der Regierende eher ungern um derart profane Kommunalbelange. Als Berlin wochenlang unter einer dicken Schneedecke lag, ignorierte er betont gelassen die Rufe der hyperventilierenden Opposition nach einem Notprogramm zur Straßen- und Gehwegräumung. "Wir sind nicht in Haiti, sondern wir sind in Berlin", sagte er lakonisch. Bürger, die sich über die glatten Wege beklagten, lud er vor laufenden Kameras dazu ein, mit ihm auf dem Kudamm "Holiday on Ice" zu spielen. Das war einigermaßen lustig, wirkte aber angesichts der steigenden Zahl von Glätteunfällen ziemlich Fehl am Platze.

Es gibt aber auch Hoffnung für Wowereit. Seine Berliner sind zwar ziemliche Experten im nöligen Herumkritteln. Zugleich haben sie aber auch große Herzen, können also verzeihen. Mit einer Mischung aus Schadenfreude und Neugier verfolgen die Hauptstädter, ob Wowereit es schafft, das Stimmungstief zu überwinden.

Ein bisschen Zeit für Besuche bei der Müllabfuhr und in Kindergärten bleibt ihm noch. Die nächste Abgeordnetenhauswahl ist erst im Herbst 2011.

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Bin im Wesentlichen bei Ihnen und habe auch für die Erhaltung von Tempelhof Airport votiert, zumal man erlebt, wie London seinen Stadtflugplatz groß aufbaut, aber die "Tempelhofgechichte" hat tatsächlich und [...] mehr...

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04.03.2010 von eikfier: Alternativlosigkeit

Auch meine Meinung! Die leider anhaltende Alternativlosigkeit ist immer noch Herrn Wowereits größte, wenn auch unverdiente Stärke (in Berlin!). Unter lauter Blinden, ist der Einäugige nun mal König! mehr...

04.03.2010 von Cortex cerebri: aha

Parolen und Behauptungen ohne selbst einen Hauch von Ahnung zu haben. Weiter so und schöne Grüße nach Hannover! mehr...

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