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10.03.2010
 

Islamkonferenz

Islamische Verbände drohen mit Boykott

Zentralratsvorsitzender Köhler: "Verbände fühlen sich unterrepräsentiert"Zur Großansicht
AFP

Zentralratsvorsitzender Köhler: "Verbände fühlen sich unterrepräsentiert"

Innenminister de Maizière hat die Teilnehmer der Islamkonferenz weitgehend ausgetauscht - die noch eingeladenen islamischen Verbände üben nun heftige Kritik an der neuen Zusammensetzung des Plenums sowie den Themen des Innenministers und erwägen den Boykott der Konferenz.

Frankfurt/Main - Es soll künftig anders zugehen auf der Islamkonferenz (DIK) - Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat deshalb die Teilnehmerlisten seines Vorgängers Wolfgang Schäuble zu der Veranstaltung radikal verändert. Prominente Vertreter wie die streitbare Autorin Necla Kelek, die Juristin Seyran Ates und der Schriftsteller Navid Kermani werden fortan nicht mehr im Plenum der Veranstaltung sitzen. Keine Einladung bekam auch der Islamrat. De Mazière schloss den großen islamischen Verband aus, weil die Staatsanwaltschaft gegen führende Mitglieder des Vereins ermittelt.

Gegen diesen Ausschluss gibt es heftigen Protest seitens der islamischen Verbände, die noch zur DIK eingeladen wurden. Nach Vorgesprächen im Bundesinnenministerium sei "völlig offen, ob und in welcher Form die islamischen Dachorganisationen teilnehmen", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler, der "Frankfurter Rundschau". Der Zentralrat stehe sowohl den von Innenminister de Maizière angekündigten Themen und Zielen als auch der Zusammensetzung des Plenums skeptisch gegenüber. Die religiösen Vereine fühlten sich "gegenüber zehn allein durch das Innenministerium legitimierten Einzelpersonen eindeutig unterrepräsentiert", sagte Köhler. Zudem fehlen auf der Tagesordnung der zweiten Runde der DIK Themen wie Islamophobie und Diskriminierung, wozu auch deutsche Kopftuchverbote zählten, sagte Köhler.

Der Zentralrat hatte 2007 mit den anderen Verbandsteilnehmern der DIK - der Türkisch-Islamischen Union, dem Verband Islamischer Kulturzentren, der Alevitischen Gemeinde sowie dem Islamrat für Deutschland - den "Koordinierungsrat der Muslime" gebildet. Nachdem de Maizière den Islamrat wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen viele Mitglieder ausschloss, müsse sich der gesamte Koordinierungsrat fragen, "ob wir in der Islamkonferenz fehl am Platz sind", sagte Köhler. Eine Entscheidung solle am Freitag fallen.

Das Innenministerium habe gelassen reagiert. "Die eingeladenen Verbände haben die Neuausrichtung der Islamkonferenz mit Zustimmung aufgenommen", sagte eine Sprecherin. "Darin sehen wir eine gute Grundlage für die Fortsetzung."

anr/ddp/AFP

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