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10.03.2010
 

Debatte um Hartz IV

FDP wirbt für Reform des Sozialstaats

FDP-Generalsekretär Christian Lindner: "Treffsicherheit und Effizienz" der SozialsystemeZur Großansicht
ddp

FDP-Generalsekretär Christian Lindner: "Treffsicherheit und Effizienz" der Sozialsysteme

Die hitzige Diskussion um Hartz IV hat den Liberalen in Umfragen geschadet. Nun bemüht sich die Partei um Nüchternheit statt Aufregung - und legt ein Konzept zur Sozialpolitik vor. Mit Sachleistungen für Kinder etwa will die FDP einen "fairen" Staat schaffen.

Berlin - FDP-Chef Guido Westerwelle hat mit seiner Polemik gegen Hartz-IV-Empfänger heftige Kritik provoziert. In Umfragen hat die schwarz-gelbe Regierung stetig verloren. Auch aus der eigenen Partei kamen kritische Worte. Nach der kontroversen Debatte geben sich die Liberalen nun sachlicher.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner warb am Mittwoch für mehr "Treffsicherheit und Effizienz" der Sozialsysteme. Bei einer Podiumsdiskussion stellte er das FDP-Thesenpapier "Aufstiegschancen schaffen - auf dem Weg zum fairen Sozialstaat" vor. Seine Partei wolle sich jetzt einsetzen "für einen fairen Interessenausgleich" zwischen Leistungsempfängern und Leistungsgebern.

Konkret schlug die FDP vor, dass Hartz-IV-Empfänger mehr hinzuverdienen dürfen als bisher und so einen größeren Anreiz zum Arbeiten erhalten. "Das bestehende System gewährt den Betroffenen gerade einmal ein Taschengeld und missachtet ihre Eigeninitiative, weil Arbeit sich für sie nicht lohnt", heißt es in dem Papier.

Zudem sollen einheitliche Beträge für die Unterkunftskosten eingeführt werden, die regionale Unterschiede bei den Miet- und Energiekosten berücksichtigen. Hartz-IV-Empfänger könnten dann eigenverantwortlich über Größe und Lage ihrer Wohnung entscheiden. Diese Regelung über Pauschalbeträge würde aus Sicht der FDP die Jobcenter-Verwaltung entlasten und die Klageflut vor den Sozialgerichten mindern.

Die FDP beabsichtigt auch, Kindern neben den bestehenden Geld- auch mehr Sachleistungen zu gewähren. Das könnten beispielsweise Gutscheine für kulturelle Angebote oder die kostenlose Verpflegung in der Schule sein. Auch die CDU unterstützt diese Idee. "Wir müssen mehr zu direkten Hilfen kommen", sagte Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) der "Financial Times Deutschland". "Wir brauchen Förderangebote wie zum Beispiel Nachhilfeunterricht oder Vereinsmitgliedschaften in Kultur- und Sportvereinen."

Die Sozialdemokraten kritisierten das Vorhaben als inkonsequent. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil nannte die Vorschläge der Freidemokraten widersprüchlich. "Das ist soziales Rouge auf den kalten wirtschaftsradikalen Wangen der FDP", sagte er in einer Mitteilung. Die Ausweitung der Zuverdienstmöglichkeiten führe zu Lohndumping. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns hingegen könne eine wirkungsvolle Alternative zu Hartz IV bieten.

SPD lehnt das Konzept als "soziales Rouge" ab

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte, die "'Partei der Besserverdienenden' will den Druck auf die Löhne weiter erhöhen - zu Lasten der Arbeitnehmer und zur puren Freude der Arbeitgeber".

Der ehemalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Ifo-Chef Hans-Werner Sinn betonten, dass stärker in die Bildung investiert werden müsse, um die Kosten im Sozialsystem langfristig zu senken. "Bildungspolitik ist heute nach wie vor die beste Sozialpolitik", sagte Clement. Sinn forderte die flächendeckende Einführung von Ein-Euro-Jobs als generelle Gegenleistung für Hartz-IV-Bezüge.

Der bundesweit bekanntgewordene Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), forderte bei der Podiumsdiskussion einen "Paradigmenwechsel" in der Sozialpolitik. "Deutschland gibt mit drei Prozent des Bruttosozialprodukts das meiste Geld aller OECD-Staaten für die Familienförderung aus, bei der Nachhaltigkeit belegen wir den drittletzten Platz", monierte Buschkowsky. Das Problem sei, dass der Hauptteil der Gelder in die monetäre Familienförderung fließe und nur 22 Prozent in die Infrastruktur. Buschkowsky schlug eine Halbierung des Kindergelds vor. Damit ließen sich 17 bis 18 Milliarden Euro pro Jahr einsparen, die in Bildung investiert werden könnten.

kgp/dpa/ddp/Reuters

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14.05.2010 von kdshp:

Hallo, stimmt so aber auch nicht ganz. Die CDU/CSU (union) war nur vorsichtiger als die FDP. Wohl zu recht man kannte die zahlen ja besser! *15.06.2009 * Spitzentreffen in Berlin Unionsparteien einigen sich auf [...] mehr...

14.05.2010 von kdshp:

Hallo, ich denke schon und das passiert ja auch schon. Wir erleben ja eine wirklichen linksrutsch der wenn er weiter geht/größer wäre auch was erreicht. So denke ich schon das die finanzbranche neu geregelt werden wird auch [...] mehr...

14.05.2010 von samsonax:

Aber es hat doch Steuerentlastungen gegeben? Für die Hoteliers. Hat sich für die FDP doch schon gelohnt. mehr...

14.05.2010 von bammy:

Na die CDU ist ohne Programm in die Wahl gegangen. Man hat sich in dem Koalitionsvertrag lediglich drarauf geeinigt, die FDP Vorschläge zu prüfen. Auf dem Parteitag der FDP vor der Wahl im letzten Jahr, hat man ja schon [...] mehr...

14.05.2010 von samsonax:

das dient allein dem Zweck, Ihre Klientel vor der Steuerfahndung zu schützen. mehr...

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Was ist Hartz IV?

Die Reform

Hartz IV ist die größte und umstrittenste Arbeitsmarktreform in der Geschichte der Bundesrepublik. Benannt ist sie nach dem damaligen Volkswagen-Personalchef Peter Hartz, der als Leiter einer Regierungskommission die Grundlagen der Reform vorgeschlagen hatte. Am 1. Januar 2005 trat das entsprechende Gesetz in Kraft.

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