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10.03.2010
 

Suizid in Hamburg

Toter Abschiebehäftling war offenbar volljährig

Hamburger Gefängnis (Symbolbild): "Alle Kinderschutzmechanismen haben versagt"Zur Großansicht
dapd

Hamburger Gefängnis (Symbolbild): "Alle Kinderschutzmechanismen haben versagt"

Vor seiner Abschiebung nach Polen beging ein Georgier in Hamburg Selbstmord. Nun stellt sich heraus: Er war offenbar nicht 17, sondern 25 Jahre alt. Der Tod des jungen Mannes hat heftige Kritik an der Ausländerpolitik der Stadt ausgelöst.

Hamburg - David M. sollte abgeschoben werden, er trat in einen Hungerstreik. Dann erhängte sich der Abschiebehäftling in einem Krankenhaus in Hamburg. Der Tod des Georgiers hat eine heftige Debatte um die Asylpolitik in der Hansestadt ausgelöst - und an dem Umgang mit Minderjährigen.

David M. selbst aber war offenbar schon volljährig. Er sei nicht 17, sondern 25 Jahre alt gewesen, sagte ein Mitarbeiter der georgischen Botschaft am Mittwoch in Berlin. Der junge Mann sei am 17. November 1984 geboren und habe auch einen falschen Familiennamen angegeben. Bei der deutschen Polizei habe der Asylbewerber "wahrscheinlich falsche Angaben gemacht", sagte der Leiter der Konsularabteilung. Er bestätigte damit einen Bericht der Berliner Tageszeitung "taz".

Eine Sprecherin der Hamburger Justizbehörde konnte dazu zunächst keine Angaben machen. Der Georgier habe keine Papiere bei sich gehabt und sein Alter mit 17 Jahren angegeben.

Die Staatsanwaltschaft hat die Gerichtsmedizin mit einer Altersbestimmung beauftragt. "Damit soll das tatsächliche Alter des Gestorbenen ermittelt werden", sagte Behördensprecher Wilhelm Möllers am Mittwoch. Bis wann ein Ergebnis vorliegt, konnte Möllers zunächst nicht sagen.

David M. hatte sich am Sonntag nach einem Hungerstreik im Haftkrankenhaus erhängt. Gegen ihn war zuvor Abschiebehaft angeordnet worden. Er sollte nach Polen abgeschoben werden, von wo er illegal eingereist war.

Nach dem Selbstmord hatten Verbände und Parteien die Ausländerpolitik des Hamburger Senats scharf kritisiert und auch die Praxis, Jugendliche zu inhaftieren und abzuschieben. Am Dienstagabend hatten etwa 450 Menschen in Hamburg gegen die Abschiebepraxis des Senats protestiert. Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) kündigte an, die Abschiebehaft für Minderjährige auszusetzen.

kgp/dpa/ddp

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