Von Jens Glüsing, Rio de Janeiro
Brasilien ist nichts für Anfänger, hat der große Musiker Antonio Carlos Jobim einst über seine Heimat gesagt. Daran gemessen schlug sich der außenpolitische Debütant Guido Westerwelle eigentlich ganz anständig auf brasilianischem Boden. Nur hat es kaum einer bemerkt.
Die brasilianische Presse hat Westerwelles Besuch weitgehend ignoriert. Und die deutschen Journalisten interessierten sich vorwiegend für eine Frage: Was macht Michael Mronz? In Rio musste das Generalkonsulat noch rasch einen Termin bei einem Kinderdorf in einem Vorort einschieben, damit bloß niemand auf die Idee kam, dass der Lebensgefährte des Außenministers womöglich geschäftlich unterwegs sei.
Am Nachmittag wollte Mronz sich eigentlich zusammen mit Westerwelle die Fußballerschule des einstigen Kickerstars Jorginho ansehen. Aber der Außenminister machte den Termin lieber allein. Er verschenkte Fußbälle und Trikots, schoss einen Elfmeter und erklärte strahlend, dass dieses der schönste Moment seiner äußerst erfolgreichen Reise sei. Dann kämpfte sich seine Kolonne mit Blaulicht und einer sechsköpfigen Motorradeskorte durch den Feierabendverkehr zum Flughafen. Bye-bye, Brazil!
Was bleibt von der ersten großen Reise des neuen deutschen Außenministers, außer dem Skandal um die Zusammensetzung seiner Delegation? Brasilien und Lateinamerika sollten der Schwerpunkt seiner Außenpolitik werden, hatte Westerwelle vor der Reise getönt. Die Brasilianer waren geschmeichelt. Sogar das ersehnte Treffen mit Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, das Westerwelles Presseleute schon abgeschrieben hatten, kam zustande. Westerwelles Signal ist offenbar angekommen.
"Wo sind die Deutschen?", hatte Lula während eines Treffens mit deutschen Wirtschaftsvertretern bei seinem Staatsbesuch in Berlin und Hamburg im vergangenen Dezember gefragt. "Hier, hier, hier!" rief Westerwelle jetzt in fast schon penetranter Manier.
Selten sah man einen deutschen Außenminister mit so viel Inbrunst offene Türen einrennen. Argentinien, Brasilien, selbst das kleine Uruguay erklärte Westerwelle zu "strategischen" Partnern. So inflationär gebrauchte der Minister diesen Begriff, dass bald niemand mehr wusste, was sich hinter dem Wortgeklingel eigentlich verbirgt.
Westerwelle preist die "Wertegemeinschaft" zwischen Brasilien und Deutschland. Da hätte man gern mal gewusst, ob die auch gilt, wenn es um Kuba geht, wo sich gerade wieder ein Dissident zu Tode hungert. Lula zeigt keinerlei Verständnis für die Regimekritiker, er ist mit Fidel Castro befreundet. Von Angela Merkel weiß man, dass sie in dieser Frage sehr empfindlich ist.
Es ist nicht der einzige Dissens zwischen Berlin und Brasília. Genaugenommen gibt es derzeit kaum politische Gemeinsamkeiten: Lula ist gegen Sanktionen gegen Iran, Berlin hat die Hoffnung auf ein Einlenken Teherans aufgegeben.
Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung hat den Putsch in Honduras unterstützt. Lula hat dem gestürzten Staatschef Manuel Zelaya dagegen monatelang in der brasilianischen Botschaft Unterschlupf gewährt, dem neuen Präsidenten verweigert er die Anerkennung.
Partnerschaft wegen wirtschaftlicher Interessen
Westerwelle preist den freien Markt, Lula will einen starken Staat. Er drängt auf die Öffnung des europäischen Marktes für brasilianische Agrarprodukte. Doch Berlin mauert, Merkel will die Franzosen nicht vergrätzen.
Auch Westerwelles und Lulas gemeinsames Plädoyer für eine Reform des Uno-Sicherheitsrats ist in Wirklichkeit eine olle Kamelle: Schon die Regierung Schröder hatte sich dafür eingesetzt, doch ohne die Kooperation der Atommächte geht gar nichts.
So reduziert sich die "strategische Partnerschaft" zwischen Brasília und Berlin vor allem auf wirtschaftliche Interessen. Das ist Westerwelle ganz recht: Er versteht sich vor allem als Außenwirtschaftsminister, die heiklen politischen Themen spart er aus.
"Wer Märkte verschläft, den bestraft das Leben", tönte er in einer Ansprache vor der deutsch-brasilianischen Handelskammer in São Paulo, die er als außenpolitische "Grundsatzrede" bezeichnete. Berlin werde der deutschen Wirtschaft bei der Erschließung des brasilianischen Marktes beistehen.
Die anwesenden Manager klatschten artig. Bundeskanzlerin Merkel hatte vor zwei Jahren an gleicher Stelle ähnliches verkündet. Damals gab es auch Applaus, doch viel geändert hat sich seither nicht. In Wirtschaftskreisen klagt man über mangelnde Hilfestellung aus Berlin. ThyssenKrupp hat einen lukrativen Auftrag für die Erweiterung der brasilianischen U-Boot-Flotte an Frankreich verloren, weil Paris die gewiefteren Lobbyisten hatte. Jetzt will Brasília seine Marineflotte erneuern, bei dem Milliardengeschäft würden die Deutschen ebenfalls gern mitmischen. In Wirtschaftskreisen vermisst man die Flankierung aus Berlin.
Ohne Lobbyisten geht in Brasilia gar nichts
Westerwelle will sich vor allem für den deutschen Mittelstand einsetzen, doch der findet meist auch ohne staatliche Hilfestellung den Weg nach Brasilien. Politische Hilfestellung ist vor allem bei staatlichen Großprojekten gefragt. Ohne gewandte Lobbyisten geht in Brasília gar nichts, da sind Franzosen, Italiener und Spanier oft geschickter als die Deutschen.
Die wollen jetzt vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 verlorenen Boden gutmachen. Brasilien müsse hundert Milliarden Dollar jährlich investieren, um seine marode Infrastruktur zu modernisieren, sagte der brasilianische Siemens-Chef Adilson Primo auf einem Symposion in Rio: "Wir Brasilianer müssen lernen zu planen." Die Deutschen seien dabei der wichtigste Partner, versprach Sportminister Orlando Silva.
Westerwelle strahlte, das hörte er gern. Doch die Vorbereitung der beiden Mammut-Sportereignisse so kurz nacheinander könnte sich selbst für die WM-erfahrenen Deutschen als Alptraum erweisen. Der Zeitplan für die überfällige Renovierung vieler Stadien ist in Verzug, viele Großprojekte stehen bislang nur auf dem Papier. Der geplante Schnellzug zwischen Rio und São Paulo, der eigentlich zur WM 2014 fertig sein sollte, wird frühestens zu den Olympischen Spielen 2016 fahren.
Allerdings können die Deutschen in Brasilien diesmal auf einen wichtigen Fürsprecher zählen: Fifa-Ehrenpräsident Joao Havelange, 94. Der umstrittene Pate des Weltfußballs, der kaum noch in der Öffentlichkeit erscheint, kam persönlich zu dem Symposion mit Westerwelle und erging sich in einer Lobeshymne auf die Deutschen. Er habe deren Organisationstalent schon vor über 70 Jahren schätzen gelernt, verkündete er in sehr brasilianischer Unbekümmertheit: Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin.
Auf anderen Social Networks posten:
Simmt, die Netzwerke von Daimler scheinen in den USA nicht so richtig hingehauen zu haben. Wenn Sie diese Art von Netzwerken als Vorbild meinen, dann tun Sie mir leid. Will Daimler in Berlin nicht aus Kostengründen ( weil [...] mehr...
Hab Wasserwaage drangehalten, Blase mittig. Was Sie ansprechen ist, nach welch hanebüchenen Methoden unkalkulierbare Risiken versichert wurden. Das aber ist das Problem des Versicherungsträgers, hier AIG und nicht desjenigen, [...] mehr...
Landegaard, Ihr Bild hängt schief. Die Feuerversicherungen wurden nämlich auf die Nachbarhäuser abgeschlossen, den Besitzern wurde Brandbeschleuniger als Feuerdämmung verhökert und "irgendwer" konnte die Finger nicht [...] mehr...
Na dann. Bitte sehr ... http://www.youtube.com/watch?v=B0SfXmuyt3s&feature=related ... gern geschehen ! mehr...
Ich mag Norbert Lammert - ein CDU-Politiker den man wählen kann. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Guido Westerwelle | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH