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24.03.2010
 

Leeres Gezwitscher

NRW-Wahlkämpfer patzen im Internet

Von Julia Troesser

Ministerpräsident Rüttgers: Wahlkampf übers Web 2.0Zur Großansicht
DDP

Ministerpräsident Rüttgers: Wahlkampf übers Web 2.0

Tote Twitter-Accounts, veraltete Videos, noch ältere Botschaften: Mehr haben einige NRW-Parteien im Internet nicht zu bieten. Wahlkampfaktionen im Web sollen die Beliebtheit steigern, doch wer die digitalen Spielregeln nicht beherrscht, sammelt schnell Minuspunkte.

Hamburg - Hannelore hat 198 Freunde. Sie ist auf zehn Fotos verlinkt und guckt gerne "Star Wars". Hannelore heißt mit Nachnamen Kraft und tritt am 9. Mai als SPD-Spitzenkandidatin bei der NRW-Landtagswahl an. Sie betreibt über ihr Profil bei meinVZ digitalen Wahlkampf.

Web 2.0-Portale wie YouTube, Twitter, Flickr und soziale Netzwerke werden vor der Landtagswahl so selbstverständlich zu PR-Zwecken eingesetzt wie Plakate und Broschüren: "Das Internet gehört heute einfach zur politischen Arbeit dazu", meint Matthias Heidmeier, Pressesprecher der nordrhein-westfälischen CDU. Auch die Partei von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bedient im Internet viele Kanäle - schließlich geht es im Mai um den Machterhalt an Rhein und Ruhr.

Nach Einschätzung von Politikwissenschaftler Timo Grunden wird die Bedeutung des Internets dabei aber schnell überschätzt - vor allem wenn die digitalen Werkzeuge nicht glaubwürdig eingesetzt werden: "Die meisten Politiker wollen im Internet in erster Linie demonstrieren, dass sie offen für neue Möglichkeiten sind. Wer heute kein Facebook-Profil besitzt, gilt als altmodisch, und das kann sich keine Partei erlauben." Laut Grunden geht es den Politikern stärker um den Aufbau eines "Modernisierungsmythos" als um den realen Nutzen des Internets.

Auf die richtige Anwendung kommt es an

Die Pressesprecherin der Grünen, Andrea Rupprath, widerspricht dieser Ansicht - zumindest in Bezug auf ihre Partei. Die Grünen seien der Konkurrenz im Internet "eine Nasenlänge voraus" und hätten "besonders internetaffine Wählerinnen und Wähler". Rupprath glaubt, dass Politiker bei den Wählern Minuspunkte sammeln könnten, wenn sie online nicht gut vertreten seien.

Im Internet präsent sind die großen NRW-Parteien - doch nicht alle wenden die digitalen Werkzeuge richtig an:

• CDU: Die Landes-Union ist im Internet eigentlich überall aktiv: Mit Partei- und Politikerprofilen in sozialen Netzwerken, mit Bildern bei Flickr und Videos bei YouTube. Besonders internetgerecht erscheint auf den ersten Blick die Kategorie "Jürgen Rüttgers im Bürgergespräch": Der Ministerpräsident beantwortet per Video Fragen, die Wähler auf der Straße stellen. Die Ernüchterung kommt beim Blick auf das Datum: Der aktuellste Beitrag ist vom 18.12.2009, im Hintergrund ist ein Weihnachtsmarkt zu sehen. Viele andere YouTube-Videos sind aktuell, allerdings wird dort beispielsweise verbreitet, dass es "bei der CDU in Nordrhein-Westfalen nie bezahlte Termine gegeben hat". Diese Aussage haben die meisten Wähler vermutlich schon offline gehört.

• SPD: Auch die Genossen um Hannelore Kraft haben Profile in sozialen Netzwerken oder laden Filme im eigenen YouTube-Kanal hoch. Neben klassischen Videostatements von Spitzenkandidatin Hannelore Kraft gibt es hier eine Besonderheit: das Web-Restaurant "Kraftvoll", das für die aktuelle Kampagne eröffnet wurde. Einen Tisch reservieren kann hier jeweils ein Landtagskandidat, der vor laufender Kamera Werbung für sein Programm und die SPD macht. Vermutlich meist mit bereits bekannten Inhalten - allerdings in kreativer Umgebung, mit begleitender Homepage und Twitter-Hinweisen auf die nächsten Gäste.

• FDP: Die Liberalen haben das Prinzip Twitter verstanden : Vom Landesparteitag in Siegen gingen so regelmäßige "Tweets" ins Netz, dass die gesamte Veranstaltung vor dem Rechner verfolgt werden konnte. Das Gezwitscher drehte sich unter anderem um Wahlergebnisse, Sätze aus Westerwelles Rede und das Wetter. Im eigenen YouTube-Kanal wird das Potential des interaktiven Mediums weniger engagiert genutzt: Dort läuft ein Video von einer Diskussionsrunde mit Spitzenkandidat Andreas Pinkwart. Die eigentliche Debatte findet - dem Dialogmedium Internet zum Trotz - offline statt und wird im Internet nur wiederholt. Sogar die Kommentarfunktion unter dem Video ist deaktiviert. Mitteilungsbedürftige Nutzer werden auf die allgemeine Homepage der Landespartei verwiesen.

• Die Grünen: "Die Kampagne ist sehr grün", verkündet Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann in einem Video, das auf dem parteieigenen Videokanal " GrünTube" zu sehen ist. Recht hat sie: Nicht nur der Name der Plattform wurde angepasst, auch die Logos von YouTube, Facebook und die Federn des sonst blauen Twitter-Vogels wurden der Partei entsprechend umgefärbt. In den Videos berichtet die Spitzenkandidatin von ihrer Woche oder erklärt den Standpunkt der Grünen zum Thema Frauen - der dürfte allerdings auch ohne Web 2.0 bekannt sein. Weniger prominente Details gibt es auf Sylvia Löhrmanns Facebook-Profil. Dort präsentiert sie - wie es viele Politiker inzwischen gerne tun - Beziehungsstatus, Lieblingsfernsehsendungen und religiöse Ansichten.

• Die Linke: Die Seite der nordrhein-westfälischen Linkspartei verweist ebenfalls auf YouTube, Twitter, Flickr und Facebook - allerdings gibt es dort meist nur einheitliche Auftritte der Bundespartei. Dafür ist auf der Homepage der NRW-Linken ein Video zur Wahl eingebunden, das für die entsprechende Stimmabgabe am 9. Mai wirbt. Unter dem Film sind aktuelle Meldungen aus dem Wahlkampf zu finden, sie tragen Titel wie: "Wer grün wählt, wird sich schwarz ärgern."

Nur anmelden reicht nicht

Auch wenn die Parteien sich auf einigen Kanälen die größte Mühe geben, glaubt Politikwissenschaftler Grunden nicht, dass die Aussagen im Netz effektiver platziert sind als in der Offline-Welt: "Klassische Wahlkampfmittel werden meist passiv aufgenommen, ihnen begegnet man im Alltag. Im Internet müssen die Angebote gezielt angesteuert werden." Die Botschaft einer Partei erreicht online also vorwiegend die Nutzer, die auch von ihr erreicht werden wollen.

Heidmeier von der CDU will vor der Landtagswahl deshalb auch nicht in "Web 2.0-Euphorie" verfallen oder eine große Internetrevolution ausrufen. Seine Partei bediene die vorhandenen Kanäle, "weil es heute dazu gehört. Und weil es von uns erwartet wird".

Ob aus Überzeugung oder Pflichtgefühl - um einen effektiven Online-Wahlkampf zu betreiben, reicht es nicht aus, die eigene Partei auf allen erdenklichen Kanälen anzumelden. Die Regeln des Internets müssen verinnerlicht werden. Und das bedeutet, einmal erstellte Accounts ständig zu pflegen und mit neuem Inhalt zu füllen - sonst geht die PR-Aktion schnell nach hinten los.

Ein Beispiel dafür ist ein Twitter-Account der Linkspartei, der im November 2009 eingerichtet wurde und laut Ankündigung über den aktuellen Wahlkampf der NRW-Linken informieren soll.

Genau diese Beschreibung ist dort zu lesen - sonst nichts.

67 Abonnenten warten nun seit vier Monaten auf Neuigkeiten aus der Partei. Bislang vergeblich.

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10.05.2010 von sysop:

Liebe Forums-Teilnehmer, dieses Forum wird nun geschlossen. Diskutieren Sie den Ausgang der Wahl und die Konsequenzen daraus in unserem neuen Forum 'Wahl in NRW - welche Optionen gibt es?' unter der URL [...] mehr...

10.05.2010 von sitiwati: da wedelt

der Schwanz mit dem Hund ! Scheinbar haben Sie Frau W Knecht nicht gehört, die will auh ein paar Pöstchen, da kann sich Fr Kraft warm anziehen, tolerieren tun dei Linken NIX !! die NRW Wähler tum mir leid, ok, SPD wählen, [...] mehr...

10.05.2010 von Krassopateras:

Wenn Sie sich da mal nicht täuschen. Das Linkslager hat 52,2 % der Stimmen bekommen, also dicke die absolute Mehrheit und das "bürgerliche Lager" gerade mal 41,3 %. Daran sieht man, wo es jetzt in Deutschland [...] mehr...

10.05.2010 von Spessartplato:

Ich wette mit Ihnen 1000 ND(Neue DM)-einzulösen ab Ende 2012. Vorher werden aber erst noch 100 Milliarden Euro "Stützungsgeld" verbraten. mehr...

10.05.2010 von sichersurfen:

Ja, es ist ein Traumergebnis. Schöner hätte es nicht kommen können. CDU stärkste Partei, also würde die CDU bei einer GroKo den MP stellen, Frau Kraft kann es nur werden mit RotRotGrün. Der Wahlabend in NRW ist fast so [...] mehr...

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