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20.03.2010
 

Bundespräsident

Köhler bringt Steuererhöhungen ins Spiel

Bundespräsident Köhler: "Wir müssen weg von schuldengetriebenem Konsum"Zur Großansicht
AP

Bundespräsident Köhler: "Wir müssen weg von schuldengetriebenem Konsum"

Überraschender Vorstoß des Bundespräsidenten: In einem Interview erklärt Horst Köhler die von der Regierung geplanten Steuersenkungen zum "Vabanque-Spiel" und bringt stattdessen Steuererhöhungen ins Spiel: "Wir brauchen auch Geld, um neue, dynamische Kräfte zu wecken."

Berlin - Tagelang wurde er für sein Schweigen kritisiert - jetzt hat er sich doch geäußert. Und überrascht gleich mal mit einem unkonventionellen Vorschlag: "Wir brauchen auch Geld, um neue, dynamische Kräfte zu wecken", sagte Bundespräsident Horst Köhler dem "Focus" zur aktuell schwierigen Finanzlage. "Deshalb kann ich nicht ausschließen - und ich sage das ganz bewusst -, dass auch Steuererhöhungen nötig sein können."

Damit setzt sich Köhler deutlich vom Kurs der Bundesregierung ab. Union und FDP haben in ihrer Koalitionsvereinbarung eine milliardenschwere Steuersenkung festgeschrieben, die sie möglichst rasch umsetzen wollen. Dafür sehe er keinen Spielraum, sagte das Staatsoberhaupt in dem Interview. "Das wäre ein Vabanque-Spiel", so Köhler. Besonders kritisch sieht der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds das Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Schon der Begriff habe ihn nachdenklich gemacht: "Als sei es der Staat, der für immer mehr, immer schnelleres Wachstum sorgen könne."

Auch ansonsten stellte Köhler der Regierung ein schlechtes Zeugnis aus. Er sei mit der bisherigen Arbeit unzufrieden. Das Volk habe nach der Bundestagswahl "tatkräftiges Regieren" erwartet. "Daran gemessen waren die ersten Monate enttäuschend", so Köhler. Zumindest seien sich Beteiligten darüber aber "selbst klar".

Eindringlich forderte Köhler eine Lösung für das "Megaproblem Schulden". "Wir müssen weg von schuldengetriebenem Konsum. Davon wieder runterzukommen, ist schwer wie ein Drogenentzug, aber unumgänglich für nachhaltiges Wachstum, das allen Menschen dient."

Zudem verlangte er mehr Mut zu Reformen in Deutschland. "Es geht um einen neuen Aufbruch zu Reformpolitik", erklärte Köhler. "Wir brauchen Langfristigkeit in der politischen Gestaltung und müssen Abstand nehmen von kurzlebigen Programmen."

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle will die Aufforderung des Bundespräsidenten zu mehr Reformpolitik in Regierungshandeln umsetzen. "Wir begrüßen die Mahnungen des Bundespräsidenten zu mehr Reformmut und zur Entlastung der Mittelschicht. Wir nehmen diese Mahnungen für unsere Regierungsarbeit sehr ernst", sagte der Außenminister und Vizekanzler der "Welt am Sonntag".

vme/AFP/apn

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insgesamt 35 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.03.2010 von saul7: ++

Köhlers neuester Vorschlag, die Mineralölsteuer zu erhöhen, ist nun wirklich eine Unverschämtheit. Mehr Zurückhaltung, Herr Präsident... mehr...

24.03.2010 von Liberty Valence: Ist es nicht

Ist es nicht verboten, dass Schlossgespenst schon im März zu wecken? Da isser ja noch voll im Winterschlaf! Da kann man keine kluge Wortmeldung erwarten. mehr...

24.03.2010 von lmike: Was uns heute SPON mitteilt (24.03.):

"Bundespräsident Köhler: Immer schön vorsichtig - nach Paragraf 90 des deutschen Strafgesetzbuches wird eine Verunglimpfung des Bundespräsidenten noch immer wie eine Majestätsbeleidigung gehandhabt und kann mit bis zu fünf [...] mehr...

23.03.2010 von albert schulz: Zweites Nachdenken.

Beim Sinnen fällt einem doch was auf. Daß Köhler der erste Bundespräsident ist, der sich dezidiert in die Innenpolitik mischt, gefällt mir außerordentlich. Seine Vorgänger waren an dieser Stelle extrem zurückhaltend. Ein [...] mehr...

22.03.2010 von mischamai: keine neuen Steuern

grundsätzlich halte ich Herrn Köhler für einen klugen Kopf,aber egal wie auch immer,eine weitere Steuererhöhung ist absolut der falsche Weg.Die Bürger sind es leid bis in den Juli hinein für Steuer und Sozialabgaben zu zahlen.Es [...] mehr...

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