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31.03.2010
 

Helmut Kohl wird 80

Der Machtmenschler

Eine Analyse von Franz Walter

Altkanzler Helmut Kohl: "Es kommt nicht so schlimm, wie man anfangs denkt"Zur Großansicht
Getty Images

Altkanzler Helmut Kohl: "Es kommt nicht so schlimm, wie man anfangs denkt"

Sein Weltbild war schlicht, seine Rhetorik oft kitschig, andere waren klüger. Aber Helmut Kohl überdauerte als Kanzler fast jede Krise. Die Beziehungen zu loyalen Mitstreitern pflegte er, seine Gegner bekämpfte er mit großer Entschlossenheit. Er liebte die Macht - und nutzte sie.

Die Quelle seiner Macht war die christdemokratische Partei. Mit ihr war Helmut Kohl groß geworden. Hier hatte er seine wichtigsten Freunde gefunden. Die Partei war sein Leben, weit stärker als das bei Konrad Adenauer oder auch bei Kurt Georg Kiesinger, erst recht bei Ludwig Erhard, den früheren Kanzlern der CDU also, der Fall war.

Kohl lebte in Symbiose mit seiner Partei, wie er sich später mit der Mehrheit der Deutschen symbiotisch verbunden fühlte. Kohl - und das machte ebenfalls seine innere Stärke und psychische Stabilität aus - glaubte an sich, plagte sich nicht mit nagenden inneren Zweifeln, war nicht gepeinigt durch Zwiespalt oder Zerrissenheit wie andere, ihm intellektuell oft weit überragende, aber politisch deutlich unterlegene Politiker.

Kohl war keine ambivalente Figur, kein Mensch voller Widersprüche, weder schweifend noch ruhelos suchend. Sein Weltbild war schlicht, dabei prägnant; und es war zeitig gezimmert, seitdem stabil. Und früh schon stand für ihn ebenfalls fest, dass er politisch hoch hinaus wollte, unbeirrt und mit großer Freude daran. Auch das hielt sich so im Fortgang seiner Biografie: Kohl stöhnte nicht unter der Last der politischen Verantwortung, er litt nicht an der Bürde der Kanzlerschaft - er liebte die Macht.

In seinem Verhältnis zur eigenen Partei war er nahezu "sozialdemokratisch". Und damit eröffnete er eine neue Ära bürgerlicher Politik. Bis dahin war den bürgerlichen Honoratioren die Partei eher ein lästiges Übel, nicht aber Heimat, nicht der Primus unter allen Organisationen der eigenen Lebenswelt, wie das bei den Sozialisten der Fall war. Doch war Kohls Präferenz für die Partei nicht im Kern sentimental bedingt. Als er 1973 Bundesvorsitzender der CDU wurde, brauchte er sie als Rückhalt und Machtstütze, da er, damals Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, der Bundestagsfraktion nicht angehörte.


Loyal ergebene Parteifunktionäre

Doch entbürgerlichte Kohl dann in seiner Amtszeit die CDU in einem Maße, wie das unter dem ersten deutschen Bundeskanzler noch ganz unvorstellbar gewesen wäre. Dabei halfen ihm seine späteren Hauptrivalen, Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler, auch einige kluge und unkonventionelle Köpfe aus der Jungen Union beziehungsweise dem RCDS, tüchtig mit. Denn sie verwandelten die CDU von einer Sammlung bürgerlicher Honoratiorenwelten zu einer Mitglieder-, Apparat- und Funktionärspartei. Eben die neue Schicht der Parteibürokratie wurde zum Fundament der innerparteilichen Herrschaft Helmut Kohls.

Eine großartige bürgerliche Karriere jenseits der Parteistrukturen hatten die meisten aus dieser Gruppe nicht zu erwarten. Gerade das machte sie - wenngleich natürlich nicht alle - abhängig von der Gunst des Vorsitzenden, deshalb waren sie ihm loyal ergeben, versorgten ihn mit Informationen über Freund und Feind, sammelten für ihn Stimmen und Truppen, setzten seine Order an der Basis um. In der Organisationspolitik war Kohl dem Sozialdemokraten Herbert Wehner näher als seinem viel reklamierten Vorbild Konrad Adenauer.

Doch Ende der 1970er Jahre schien es zunächst so, als wäre Kohls Karriere bereits am Ende, als wäre auch er, wie sein Vorgänger Rainer Barzel, an der Destruktionskraft von Franz Josef Strauß gescheitert. Als Kanzlerkandidat im Bundestagswahlkampf 1980 jedenfalls kam Kohl, immerhin noch Chef der christdemokratische Partei und Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, nicht mehr in Frage. Das Rennen innerhalb der Union machte der ambitionierte Leitwolf der CSU, der mittlerweile als Ministerpräsident in München residierte - aber auf seine Chance im Bund unruhig lauerte.

Indes: Franz Josef Strauß führte die Unionsparteien nicht zu neuen Höhen. Im Gegenteil, CDU/CSU verloren gut vier Prozent der Wähleranteile, während Sozialdemokraten und Freidemokraten zulegten. Als Strauß derart stolperte, lag der Ball - was 1978/79 kaum jemand ernsthaft für möglich gehalten hätte - wieder bei Helmut Kohl.

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01.04.2010 von ach: ->quadrat10

Kann schon sein, daß er dafür auch in 100 Jahren gerühmt wird. Auch in 100 Jahren können ja Menschen leben, denen Fragen der Wirtschaft völlig egal sind. Oder die sich nicht für demokratische Spielregeln interessieren. Die [...] mehr...

31.03.2010 von onkel hape: Die treffende Analyse...

.... beschreibt Kohls Stärken und Schwächen umfassend und zutreffend. Auch wenn sein Name nicht erwähnt worden wäre, hätte man diesen Politik-Elefanten anhand der klaren Schilderung seiner Persönlichkeit und seiner [...] mehr...

31.03.2010 von Nikos34: schade...

JOLIP: Helmut Kohl hat aus dem Herzen Europas den Allerwertesten der Welt gemacht. ...dass Sie das so sehen. Ungeachtet der Probleme die jedes Land, egal ob arm oder reich immer haben wird ist Deutschland bis 1989 zwar das [...] mehr...

31.03.2010 von jolip: Das herz Europas

Helmut Kohl hat aus dem Herzen Europas den Allerwertesten der Welt gemacht. mehr...

31.03.2010 von Quadrat10: Licht und Schatten

*_Licht:_* - den Auftrag den Grundgesetzes wahrgenommen und die einmalige Gunst der Stunde (Zerfall der Sowjetunion) genutzt um die *Wiedervereinigung Deutschlands* herbeizuführen. *Dafür wird er noch in 100 Jahren gerühmt [...] mehr...

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1. Bundeskanzler vom 15. September 1949 bis zum 16. Oktober 1963. Mehr zu Konrad Adenauer auf der Themenseite...

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