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30.03.2010
 

Internetsperren

Bundesregierung will EU-Pläne stoppen

Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger: "Die Bundesregierung lehnt Internetsperren ab"Zur Großansicht
dpa

Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger: "Die Bundesregierung lehnt Internetsperren ab"

Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger geht auf Konfrontationskurs zur EU-Kommission: Die FDP-Frau will die Brüsseler Pläne zu Internetsperren für kinderpornografische Web-Seiten verhindern - denn Netzblockaden seien nicht wirksam. Unterstützung bekommt sie von SPD und Grünen.

Hamburg/Berlin - Im Kampf gegen Kinderpornografie im Web will Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) die von der EU-Kommission anvisierten Internetsperren verhindern. Stattdessen solle eine europäische Regelung wie künftig in Deutschland auf das Löschen von Seiten mit kinderpornografischen Inhalten setzen, sagte die Ministerin dem "Hamburger Abendblatt". "Ich erwarte in den anstehenden Beratungen eine breit gefächerte Debatte, in der ich den Grundsatz 'Löschen statt sperren' vertreten und für eine möglichst breite Unterstützung im Rat und im Europäischen Parlament werben werde."

Die EU-Kommission will die Mitgliedstaaten verpflichten, mit Internetsperren das Anschauen von Kinderpornografie im Netz unmöglich zu machen. Innenkommissarin Cecilia Malmström stellte den Entwurf für eine entsprechende Richtlinie am Montag in Brüssel vor. In Deutschland setzte Bundespräsident Horst Köhler bereits Mitte Februar ein Gesetz in Kraft, das die Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie ermöglicht. Allerdings hat sich die schwarz-gelbe Regierung darauf verständigt, die noch von der Großen Koalition verabschiedete Regelung nicht anzuwenden. Stattdessen soll ein neues Gesetz zur Löschung von Kinderporno-Seiten auf den Weg gebracht werden.

Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte das Vorhaben der EU-Kommission. "Die Bundesregierung lehnt Internetsperren ab. Sie stellen kein wirksames Mittel im Kampf gegen Kinderpornografie dar, führen aber gleichzeitig zu einem großen Vertrauensschaden bei den Internetnutzern", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". Die FDP-Politikerin betonte, sie habe gegenüber EU-Kommissarin Malmström bereits die Haltung der Bundesregierung deutlich gemacht.

Breiter Widerstand gegen Brüsseler Vorhaben

Die angekündigten Überlegungen auf europäischer Ebene seien aber "nicht überraschend" gewesen, sondern bereits vor Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags Gegenstand eines Rahmenbeschlussentwurfs gewesen, sagte die Justizministerin.

Widerstand gegen die Brüsseler Pläne kommt auch von Grünen und SPD. Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Ich sehe nicht, dass wir einen Schritt weiter wären, wenn wir im Internet Stoppschilder aufgehängt hätten." Er betonte: "Die Stoppschilder zu umgehen ist kinderleicht. Wir brauchen überhaupt kein neues Gesetz, denn das Löschen von strafrechtlich relevanten Seiten ist rechtlich längst möglich."

Der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Olaf Scholz urteilte: "Internetsperren sind technisch wirkungsfrei und funktionieren nicht." Das habe sich bereits in Deutschland gezeigt. Er sei überzeugt, dass sich die Erkenntnis auch auf EU-Ebene durchsetzen werde, so Scholz ebenfall in der "Frankfurter Rundschau".

Bereits am Montag hatten EU-Parlamentarier das Vorhaben von Kommissarin Malmström auf SPIEGEL ONLINE kritisiert. "Netzsperren sind nicht der richtige Weg", sagte der SPD-Abgeordnete Matthias Groote. Gegen die Darstellung von Missbrauch an Kindern "müssen effektive Maßnahmen her, mehr Polizei im Netz, löschen statt sperren".

Kinderhilfe fordert neues Sperrgesetz

Unterstützung für die Pläne der EU-Kommission zu Internetsperren kommt dagegen aus der Union sowie von Kinderschutzverbänden. Durch den Vorschlag der EU-Kommissarin Malmström werde ein einheitlicher Standard geschaffen, um gegen das grenzüberschreitende Problem vorzugehen, sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), der "Frankfurter Rundschau". Die Sperren könnten Nutzer warnen, dass sie sich beim nächsten Klick strafbar machen. Die Gefahr der Zensur sehe er nicht. "Was offline verboten ist, muss auch online untersagt sein", sagte Bosbach.

Unions-Bundestagsfraktionsvize Günter Krings (CDU) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wir müssen aufpassen, dass wir im Kampf gegen Kinderpornografie international nicht ins Abseits geraten." Gefragt sei eine vernünftige Abwägung der Internetfreiheit gegen den Schutz von Kindern vor Missbrauch.

Unterdessen forderte die Deutsche Kinderhilfe von der Bundesregierung ein neues Sperrgesetz gegen Internetseiten mit Kinderpornografie. Der Kinderhilfe-Vorsitzende Georg Ehrmann sagte, technisch moderne Netzblockaden seien ein wichtiges Mittel gegen Kinderpornografie. Für das ausgesetzte deutsche Sperrgesetz gelte das leider nicht. Die Kinderhilfe beklagte eine dramatische Unterbesetzung bei Polizei und Staatsanwaltschaften im Kampf gegen Kinderpornografie. Bundesweit fehlten Tausende Ermittler, weshalb Verfahren immer öfter liegen blieben. Hier müsse personell stark aufgerüstet werden. Außerdem arbeiteten die Behörden oft mit veralteter Technik, so Ehrmann in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

anr/dpa/AFP/ddp

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01.04.2010 von takeo_ischi: .

Ebend. Was nicht passieren darf ist, dass in Netz nur noch unwidersprochene Beiträge von Zensurbefürwortern stehen. Dass die sich nicht irgendwie beeinflussen lassen muss man leider zur Kenntnis nehmen. Mir geht es deshalb [...] mehr...

01.04.2010 von castanho: Stimmt schon ...

... don't feed the troll! Es gibt eben Leute, die haben bereits eine feste Meinung und wollen sich nicht durch Tatsachen verwirren lassen. Letzten Endes geht es auch nicht darum, diese Leute zu überzeugen, sondern die, die [...] mehr...

31.03.2010 von Dion: Hier zu diskutieren bringt nichts

Sich hier mit Leuten wie *ACroonen, arinari, Cross, der andere* oder *fritzschultz7ink* zu streiten, bringt nichts, denn deren Meinung steht so fest, wie die einiger CDU/CSU Politiker, die sich vor Masse der gelegentlichen [...] mehr...

31.03.2010 von Clemens_Adolphs: Wo gibt's diese Seiten...?

Wie stellen sich die Zensur-Leute das eigentlich vor? Dass da der gemeine Pädophile vor dem PC sitzt und bei der Google-Bildersuche nach nackten Jungs und Mädels sucht? Wie bei Heise zu lesen läuft in diesem Milieu sehr viel [...] mehr...

31.03.2010 von Christoph: Propaganda

Propaganda betreiben wohl eher Sie, wenn Sie da einen künstlichen Widerspruch konstruieren wollen. Verbreiten Sie bitte nicht solchen Mist. mehr...

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Zensur-Technik: Aufwendigere Filter-Methoden

Sperre auf IP-Ebene

Prinzip: Der Provider kann auch direkt die jeweils gültige IP-Adresse hinter der zu blockierenden URL sperren.
Problem: Hinter einer IP-Adresse können mehrere Tausend URLs liegen. In solchen Fällen führt die IP-Adresse zu dem Server eines großen Anbieters von Web-Speicherplatz. Der Anbieter verteilt den gesamten Verkehr selbst auf die Angebote, die er bereithält. Wenn der Provider solch eine Massen-IP-Adresse sperrt, ist der Kollateralschaden unter Umständen enorm. "Neben dem eigentlichen Ziel könnten viele völlig harmlose Angebote gesperrt sein", erklärt der Dresdner Informatiker Stefan Köpsell. Außerdem lässt sich auch diese Sperre auf Transportebene umgehen: Das ermöglichen offene Proxys, über die man Datenverkehr leiten kann, oder auch Anonymisierungs-Dienste wie TOR oder JAP.

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