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31.03.2010
 

Rüttgers im NRW-Wahlkampf

Jürgens Musikantenstadl

Von Veit Medick

Pauken und Trompeten: Musikalische Politiker
Fotos
DDP

Die Landes-CDU schwächelt, er muss um seine Macht kämpfen - und umgarnt nun die Konservativen: NRW-Ministerpräsident Rüttgers will deutsches Liedgut fördern und so den "kulturellen Reichtum" retten. Auch andere Politiker hielten die Musik einst hoch. Einer von ihnen fiel böse auf die Nase.

Berlin - Es läuft nicht rund für Jürgen Rüttgers. Gut fünf Wochen ist die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen noch entfernt, und es sieht nicht so aus, als könne der Ministerpräsident mal eben durchsegeln. Seit die Landes-CDU ihn teuer an Sponsoren vermietete, kehrt ihm ausgerechnet der kleine Mann an Rhein und Ruhr den Rücken. Seine CDU dümpelt in Umfragen in den Mittdreißigern, die SPD hat aufgeschlossen. Rüttgers fehlt das zündende Thema.

Jetzt hat er sich was einfallen lassen: Rüttgers will das deutsche Liedgut retten. Statt HipHop sollen seine Landsleute wieder heimische Gassenhauer schmettern. Marianne und Michael wird's freuen.

"Wir wollen mit dem Landesmusikrat und dem Chorverband NRW ein umfassendes Programm zur Förderung des deutschen Volksliedes entwickeln", kündigte der Ministerpräsident in den "Ruhr Nachrichten" an. "Wir müssen auch unseren kulturellen Reichtum bewahren. Denn wer nicht weiß, woher er kommt, der weiß auch nicht, wohin er geht." Deshalb will Rüttgers die Lehrerschaft künftig dazu anhalten, im Unterricht wieder mehr Volkslieder zu singen. Zudem soll die Zusammenarbeit mit Verlagen gefördert werden, um "deutsches Liedgut gezielt zu verbreiten" - in Büchern, CDs oder PC-Spielen.

Ministerpräsident Albrecht trällerte mit seiner Familie

"Rettet die Volkslieder" soll das Programm heißen, aber Rüttgers dürfte auch die Rettung an anderer Stelle im Sinn haben: Die der stramm konservativen Wähler in seinem Land. Um die bei der Stange zu halten, legt er sich seit Jahren mächtig ins Zeug. Ein bisschen zu mächtig, wie seine Kritiker finden. Im Landtagswahlkampf 2000 entdeckte er die Ausländerpolitik für sich und holzte unter dem Mantra "Kinder statt Inder" gegen die Green-Card-Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Im vergangenen Bundestagswahlkampf langte er abermals zu und zog gegen rumänische Arbeiter und chinesische Investoren vom Leder.

Jetzt soll also das Deutsche auf musikalische Weise gestärkt werden. Jürgens Musikantenstadl.

Eine ganz neue Idee ist das nicht. Die deutsche Volksmusik wird - meist von christdemokratischen Politikern - immer mal wieder hochgehalten. Ernst Albrecht, einst niedersächsischer Ministerpräsident, nahm mit seiner Familie 1978 eine Platte mit allerlei Volksliedern auf. Helmut Kohl zeigte sich gerne an der Seite von deutschen Schlagersängern. Unvergessen ist auch Walter Scheels Auftritt mit dem Düsseldorfer Männergesangsverein 1973: Mit dem Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen" stürmte der FDP-Vizekanzler die deutschen Charts.

Ein Parteifreund von Jürgen Rüttgers ist dabei aber schon einmal böse auf die Nase gefallen. Günther Oettinger, damals Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ließ 2009 das Liederbuch seiner Landespartei neu auflegen. Doch neben alten Gassenhauern wie "Lebt denn der alte Holzmichel noch" und neueren Hits wie "Anton aus Tirol" fand sich im Liederbuch auch das sogenannte "Panzerlied" - ein bekanntes Wehrmachtslied. Und so flog Oettinger das Büchlein um die Ohren. Er musste es einstampfen lassen.

"Es fehlt den Deutschen die Kenntnis der vierten und fünften Liedstrophe"

Es ist also Vorsicht geboten beim deutschen Liedgut. Ob auch Rüttgers ein eigenes Liederbuch plant, war von der Landesregierung nicht in Erfahrung zu bringen. Wie auch immer - eine wichtige Unterstützerin dürfte der Ministerpräsident für sein Projekt haben: Kanzlerin Angela Merkel, deren Bundesregierung das deutsche Brauchtum ja neuerdings eine Herzensangelegenheit ist.

Aber auch was das Singen angeht, ist Merkel mit Rüttgers auf einer Linie. 2005 forderte sie in der "FAZ", das heimische Liedgut wieder verstärkt zu pflegen, und beklagte sich über die mangelnden Kenntnisse von Volksliedern hierzulande. "Es fehlt den Deutschen die Kenntnis der vierten und fünften Liedstrophe", rügte die damalige Kanzlerkandidatin.

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10.05.2010 von sysop:

Liebe Forums-Teilnehmer, dieses Forum wird nun geschlossen. Diskutieren Sie den Ausgang der Wahl und die Konsequenzen daraus in unserem neuen Forum 'Wahl in NRW - welche Optionen gibt es?' unter der URL [...] mehr...

10.05.2010 von sitiwati: da wedelt

der Schwanz mit dem Hund ! Scheinbar haben Sie Frau W Knecht nicht gehört, die will auh ein paar Pöstchen, da kann sich Fr Kraft warm anziehen, tolerieren tun dei Linken NIX !! die NRW Wähler tum mir leid, ok, SPD wählen, [...] mehr...

10.05.2010 von Krassopateras:

Wenn Sie sich da mal nicht täuschen. Das Linkslager hat 52,2 % der Stimmen bekommen, also dicke die absolute Mehrheit und das "bürgerliche Lager" gerade mal 41,3 %. Daran sieht man, wo es jetzt in Deutschland [...] mehr...

10.05.2010 von Spessartplato:

Ich wette mit Ihnen 1000 ND(Neue DM)-einzulösen ab Ende 2012. Vorher werden aber erst noch 100 Milliarden Euro "Stützungsgeld" verbraten. mehr...

10.05.2010 von sichersurfen:

Ja, es ist ein Traumergebnis. Schöner hätte es nicht kommen können. CDU stärkste Partei, also würde die CDU bei einer GroKo den MP stellen, Frau Kraft kann es nur werden mit RotRotGrün. Der Wahlabend in NRW ist fast so [...] mehr...

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