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15.04.2010
 

Grünes Manifest

Abschied vom Macho-Mann

Von Florian Gathmann

Grüne NRW-Spitzenfrauen mit Parteichefin Roth in der Mitte: Wo bleiben die Männer?Zur Großansicht
DPA

Grüne NRW-Spitzenfrauen mit Parteichefin Roth in der Mitte: Wo bleiben die Männer?

Sie wollen nicht länger Machos sein - sondern endlich Menschen: Eine Gruppe männlicher Grüner fordert mehr feministisches Engagement ihrer Geschlechtsgenossen. Das Manifest sorgt für ordentlich Häme in der Männerwelt. Aber auch nicht alle grünen Frauen sind überzeugt.

Berlin - Sie waren immer Vorreiter beim Thema Frauenrechte: Als erste Partei führten die Grünen eine Quotierung für Listenplätze ein - stets beginnend mit einer Frau auf Position eins. Auch die gelosten Redebeiträge bei Grünen-Parteitagen werden seit jeher streng quotiert, es sprechen immer Frauen und Männer abwechselnd. Keine andere deutsche Partei nimmt das Thema Gleichberechtigung ernst - am Wochenende findet in Bonn wieder einmal eine zweitägige Bundesfrauenkonferenz statt.

Manches männliche Parteimitglied findet, man übertreibe es mitunter ein bisschen bei diesem Thema. Aber öffentlich sagt das natürlich keiner - stattdessen äußert sich nun eine Gruppe junger Grüner, denen das noch viel zu wenig ist: "Nicht länger Machos sein müssen!" ist das grüne Männer-Manifest für "Gleichberechtigung und männlichen Feminismus" überschrieben. Zu den Unterzeichnern gehören zahlreiche Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordnete.

"Wir wollen nicht länger Machos sein müssen, wir wollen Menschen sein!", heißt es in dem Aufruf. "Man wird nicht als Mann geboren, man wird dazu gemacht."

Das Manifest stellt zweierlei fest: Einmal müssten Männer endlich von ihren tradierten Rollenmustern wegkommen. "Wir brauchen ein neues Bewusstsein für eine neue Männlichkeit", schreiben die Autoren Sven Lehmann und Jan Philipp Albrecht. Zum anderen sollten ihre Mit-Männer endlich einsehen, dass wirkliche Gleichberechtigung nicht ohne sie zu erreichen sei.

Das sei keineswegs zum Nachteil ihrer Geschlechtsgenossen, glauben Lehmann - Mitglied des grünen Landesvorstands in Nordrhein-Westfalen - und der Europa-Parlamentarier Albrecht. "Wir wollen anders leben!", lautet ihr Appell: Entschleunigung, weniger Profitdenken, mehr Gesundheitsbewusstsein. Sie wollen "Boy's Days und ein geschlechtersensibles Bildungs- und Berufsberatungsangebot".

Denn, behaupten die Autoren: "Das Interesse am Maschinenbau ist nicht angeboren."

Natürlich gibt es für das Manifest, seit kurzem im Internet zu lesen, ordentlich Dresche aus der Männer-Welt. Mit Kommentaren à la "Scheiß Schwuppen" hätten sie natürlich gerechnet, sagt Mit-Verfasser Albrecht. Interessant seien allerdings auch solche mit dem Hinweis: "Was kümmert ihr euch überhaupt um das Thema?" Denn genau darum ginge es doch, glaubt er: "Die Frauen haben vorgelegt - nun müssen wir Männer nachziehen." Co-Autor Lehmann drückt das so aus: "Wo bleiben eigentlich die Männer in der Debatte über die gleichen Rechte?"

Parteichef Özdemir begrüßt das Manifest

Unterzeichnet ist das Manifest von Realos wie Parteilinken, hetero- wie homosexuellen Grünen-Politikern. Und so wundert es nicht, dass selbst Parteichef Cem Özdemir die Initiative begrüßt. "Geschlechtergerechtigkeit ist für uns Grüne schon seit Gründungstagen ein zentrales Anliegen", sagt er. "Folgerichtig ist das auch ein Thema für Männer." Die Problematik beschreibt der geschmeidige Özdemir - ganz im Ton der feministischen Debatte - folgendermaßen: "Eine gesellschaftliche Diskussion von Männern über Männer liegt in der Luft, auch wenn mancher von ihnen sich bei der Dekonstruktion seiner Männerrolle erst mal etwas unbehaglich fühlt."

Auch der Grünen-Chef hat zuletzt Erfahrungen in der Männer-Experimentierwerkstatt gesammelt: Weil er nach der Geburt seines zweiten Kindes eine mehrwöchige Auszeit vom Parteivorsitz nahm, war Özdemir der Wickel-Politiker der Stunde. Aber auch das ist den Anti-Macho-Manifestlern aus seiner Partei zu wenig: Würden Männer damit wirklich zu "neuen Vätern?", fragen sie. "Oder handelt es sich nicht in Wirklichkeit um eine 'Vater morgana', die Vätern lediglich eine verlängerte Auszeit vom Job ermöglicht ...?"

Das könne man schon als kleine Spitze gegen die Wickel-Inszenierung des eigenen Vorsitzenden verstehen, sagt ein Unterzeichner. Andererseits sei den meisten durchaus klar, dass ein Parteichef eben nicht gleich für ein halbes Jahr in Väterzeit gehen könne.

Grüne Frauen wollen mehr

Und was sagen die grünen Frauen? Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin der Partei, freut sich über das Männer-Manifest. "Die Grünen waren ja schon immer eine progressive Partei", sagt sie. Es sei tatsächlich an der Zeit, "dass sich auch Männer für das Thema Gleichberechtigung zuständig fühlen". Allerdings dürften sich ihre Parteifreunde nicht mit dem Manifest zufriedengeben, fordert das Bundesvorstandsmitglied. Die Frage sei nun: "Wie kann man das umsetzen?"

Auch Franza Drechsel, frauen- und genderpolitische Sprecherin der Grünen Jugend, lobt das Papier grundsätzlich. "Es ist gut, dass sich Männer überhaupt an der Debatte beteiligen", sagt sie. Aber: "Das geht alles nicht weit genug." Im Grunde genommen "verharrten die Autoren immer noch in der Zweigeschlechtlichkeit", bemängelt das Vorstandsmitglied der Grünen Jugend. Vor allem sei plötzlich nur noch von den Männern die Rede: "Langfristig geht das nur gemeinsam", sagt Drechsel. Nur: Die Grünen Frauen agieren auch nicht eben kooperativ. Am Wochenende ist man fast komplett unter sich, die Referenten beim Bundesfrauenkongress in Bonn sind ausschließlich weiblich.

Die Frage ist: Wann blasen die grünen Anti-Machos zum ersten Bundesmännerkongress?

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02.06.2010 von Tschoeni:

Da schmeiß ich mich weg. Die Grünen sind nicht nur ein Wohlstandsphänomen. Vielmehr sind sie auch eine "Wohlfühlpartei". Sie haben es geschafft ihre Partei mit einem positiven Image zu verknüpfen. Das führt dazu, dass [...] mehr...

01.06.2010 von chirin: Wo stehen die Grünen heute?

Was für ein gutes Programm und bis Ende 60ziger haben wir - die im Krieg geborenen - das auch erlebt. Ab 69 ging es bergab! Hinsichtlich der Bildung von Löhnen hat aber die Öffnung der Grenzen das Niveau versaut - zu viele [...] mehr...

01.06.2010 von harrybr: zum Glück

können Sie mir die Welt erklären; ich verstand es nicht mehr. mehr...

31.05.2010 von DiKi: Wo stehen die Grünen heute?

Wenn die Grünen nur ein Wohlstandsphänomen wären,ja dann würde ich mich auch fragen,warum sie derzeit so erfolgreich sind und bei Wahlen immer öfter zweistellige Prozentsätze erzielen!Die Grünen sind aber vielmehr eine [...] mehr...

20.05.2010 von gsm900: Siehe Animal Farm

den Effekt hat George Orwell schon in den Dreissigern beschrieben: Am ende waren die Revoluzzer ( die Schweine) nicht mehr von den Menschen zu unterscheiden. mehr...

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Die Geschichte der Grünen

7. Oktober 1979 - Einzug in die Bremer Bürgerschaft

Ende der siebziger Jahre schließen sich Bürgerinitiativen wie die Anti-Atomkraft-Bewegung und Splitterparteien wie "Grüne Liste Umweltschutz", "Grüne Aktion Zukunft" und die "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher" zusammen. Bei der Europawahl 1979 tritt das Sammelsurium als "Sonstige politische Vereinigung Die Grünen" erstmals zur Wahl an - und holt mit ihren Spitzenkandidaten Petra Kelly und Herbert Gruhl immerhin 3,2 Prozent der Stimmen. Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gelingt der Formation am 7. Oktober 1979 mit 5,1 Prozent der Einzug in das erste Länderparlament.

13. Januar 1980 - Gründung der Bundespartei

6. März 1983 - Erfolg bei der Bundestagswahl

16. Oktober 1985 - Rot-grüne Premiere in Hessen

25. Januar 1987 - Zwischenhoch der "Fundis"

2. Dezember 1990 - Rückschlag für die West-Grünen

14. Mai 1993 - Fusion von Grünen und Bündnis 90

27. September 1998 - Rot-Grün regiert Deutschland

22. September 2002 - Wiederwahl mit neuem Programm

18. September 2005 - Ende des rot-grünen Projekts

15. September 2007 - Ende des grünen Pragmatismus

17. April 2008 - In Hamburg regiert Schwarz-Grün

5. November 2009 - Grüne legen ersten Koalitionsvertrag als Jamaika-Partner im Saarland vor

28. November 2010 - Grüne verlassen Koalition in Hamburg

12. Mai 2011 - Kretschmann erster grüner Ministerpräsident

25. Juni 2011 - Grüne stimmen schwarz-gelber Atomwende zu






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