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18.04.2010
 

Ende einer Odyssee

Wie die Kanzlerin doch noch nach Berlin kam

Fotostrecke: Merkels Abenteuerreise
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dpa

Angela Merkel ist wieder in der Hauptstadt - zwei Tage später als geplant. Die Vulkanasche aus Island hat die Rückkehr der Bundeskanzlerin aus den USA in eine Chaos-Reise verwandelt. Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kämpfte sich quer durch Europa: mit Minibus und Propellerflugzeug.

Bozen/Berlin - Der Kanzlerin hat es zwar in Bozen gut gefallen. Als sie dann aber mit zwei Tagen Verspätung endlich doch gen Berlin aufbrechen konnte, war sie froh. "Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt", sagte Angela Merkel (CDU) vor der Abfahrt am Sonntagmorgen. "Jetzt freuen wir uns auf die Heimreise."

Nach tagelanger Odyssee durch Südeuropa traf Merkel am Sonntagnachmittag wieder in Berlin ein. Ursprünglich wollte sie am Freitag von ihrer viertägigen USA-Reise zurück sein. Aber nur in Etappen konnte sich die Kanzlerin mitsamt ihrer Delegation Deutschland nähern.

"Letzte Zuflucht Bozen" - die Zeitung "Z am Sonntag" feierte den Südtiroler Urlaubsort als Rettung der deutschen Kanzlerin auf ihrer Irrfahrt durch Europa. Samstagnacht legte Merkel dort den letzten Zwischenstopp auf ihrem von Pech und Asche geprägten Rückweg ein.

Als Merkel am 12. April in Berlin gestartet war, konnte sie nicht ahnen, dass sich ihrer USA-Reise ein Europa-Trip anschließen würde: "So etwas ist mir noch nie passiert."

Und dann so etwas

Normalerweise ist bei einer Auslandsreise des deutschen Regierungsoberhaupts nichts dem Zufall überlassen. Jeder Schritt wird vorher abgegangen, die Termine sind Schlag auf Schlag getaktet. Keine Minute, die das dafür zuständige Protokoll des Auswärtigen Amtes nicht vorher durchdacht hätte. Und dann so etwas.

Der Luftraum über Deutschland wurde gesperrt. Durch die Aschewolke, die sich nach dem Vulkanausbruch auf Island über Europa ausgebreitet hat, kam auch keine Kanzlerin. Sie musste ihren Rückflug von San Francisco nach Lissabon umleiten, dann nach Rom weiterfliegen und von dort aus mit dem Auto rund 1700 Kilometer nach Hause fahren.

Bei den deutschen Botschaften in Portugal und Italien brach Hektik aus wegen des Spontanbesuches. Merkel hatte eine 60-köpfige Delegation dabei. Gebraucht wurden Busse und für die "Reiseleiterin" Merkel eine gesicherte Limousine. Polizeiwagen mit Blaulicht mussten die Kolonne begleiten. Auf der Fahrt von Rom nach Bozen platzte dann auch noch ein Reifen des Busses der Delegation. Improvisation ist für das Protokoll gleichermaßen Pflicht und Horror. Ist das eine Reise im Ausnahmezustand? Der stellvertretende Protokollchef, Karl Wokalek, nahm es mit Humor. "Das Protokoll ist der Ausnahmezustand."

Regieren kann Merkel aber auch per Handy und vom Ausland aus. Für sie war wichtig, überhaupt erst einmal von San Francisco nach Europa zu gelangen, weil gleiche Zeitzonen das Telefonieren vereinfachen. An der Westküste Amerikas gehen die Uhren neun Stunden nach.

Guttenberg "schlägt sich irgendwie durch"

Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte unter den Folgen der Aschewolke zu leiden. Er wollte eigentlich mit den beim jüngsten Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan verletzten fünf Soldaten nach Deutschland zurückfliegen, kam aber nur bis Istanbul. Von da aus reiste er per Minibus nach Ungarn und dann mit einer Propellermaschine nach Berlin - eine rund 2200 Kilometer lange Tour. "Er schlägt sich irgendwie durch", hieß es.

Jenen Männern in der Merkel-Delegation, die ob der Odyssee am Sonntag die Konfirmation oder Kommunion ihrer Kinder verpassten, gab die Kanzlerin persönlich signierte Autogrammkarten mit - quasi als höchstregierungsamtliches Entschuldigungsschreiben für ihre Väter. Merkel selbst musste die Trauerfeier für den vor einer Woche über Russland mit dem Flugzeug abgestürzten polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski absagen.

Mehrfach wurde die Frage gestellt, ob es wirklich keine Chance gab, pünktlich nach Berlin zurückzukommen. Wie es hieß, spielte aber nicht nur die Aschewolke eine Rolle bei der Entscheidung für den großen Umweg. Vielleicht hätte diese eine Landung bereits am Freitag sogar noch stattfinden können. Doch die Piloten der Regierungsmaschine hätten dann wohl ihre zulässige Höchstflugzeit überschritten. Das hätte Merkel nicht unterstützt. Erst recht nach der polnischen Flugzeugkatastrophe wollte sie wohl jeden Eindruck vermeiden, sie würde die Piloten unter Druck setzen.

Dass sie selbst als Kanzlerin nur mit Hindernissen an ihren Amtssitz zurückkam, nahm Merkel gelassen. Ihr war wichtig, dass sie zu Beginn der Arbeitswoche wieder in Berlin ist: "Dann ist doch alles gut."

wit/dpa

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