Ein Kommentar von Stefan Berg
Vermeldet wurde die Personalie wie viele andere: Das Land Niedersachsen bekommt eine neue Wissenschaftsministerin. Johanna Wanka, CDU-Politikerin aus Brandenburg. Aber es ist keine gewöhnliche Personalie. Es ist eine kleine Sensation - eine Frau aus dem Osten wird Ministerin im Westen. So hat es Christian Wulff, der CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen, entschieden.
Das gab es noch nicht. Marianne Birthler, heute Stasi-Beauftragte, früher Bildungsministerin in Brandenburg, hat auf die Frage, wann die innere Einheit vollendet sei, einmal geantwortet: Wenn ein Ostdeutscher im Westen so selbstverständlich Minister wird, wie ein Wessi im Osten. Nun ist es so weit.
Die deutsche Einheit war in Personalfragen bislang eine Einbahnstraße. Wurden im Osten Kabinettsposten vergeben, wurde meist auf West-Importe gesetzt. Es gab Zeiten, in denen nicht ein ostdeutscher Finanzminister ostdeutscher Herkunft war. Die Mehrheit aller Staatssekretäre-Ost stammt bis heute aus den alten Bundesländern. Gibt es in Karlsruhe einen Verfassungsrichter aus dem Osten? Oder einen Ost-General bei der Bundeswehr? Im Osten hat diese Personalpolitik das Gefühl der Zurücksetzung verstärkt. Nicht immer kamen die Besten aus dem Westen. Manche Westler nervten mit ihren ewigen Belehrungen. Manche entpuppten sich als Raffkes.
Dann wurde die Ostdeutsche Angela Merkel Bundeskanzlerin. Aber sie scheut sich, über ihre Ost-Herkunft zu reden. Vielleicht ist das ja so bei denen, die vorangehen. Sie sind nicht ganz frei, sie stehen unter Beobachtung.
Johanna Wanka ist eine gute Bekannte von Merkel. Ihr Lebensweg ist ähnlich. Sie ist Naturwissenschaftlerin, Professorin, sie kam 1989 in die Politik. Aber sie ist auch Mutter. In Brandenburg hat sie als Kultusministerin gute Arbeit geleistet. Sie ist eine selbstbewusste Ost-Frau. Sie kann austeilen.
Bislang wurden West-Erfahrungen gen Osten transferiert. Das war nötig und auch gut so. Mal sehen, wie es wird, wenn eine Frau aus dem Osten nun Westlern sagt, wo es lang geht.
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