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29.04.2010
 

Euro in Gefahr

Wie Horst dem Köhler widerspricht

Von Sebastian Fischer

Bundespräsident Köhler: Athen soll geholfen werdenZur Großansicht
ddp

Bundespräsident Köhler: Athen soll geholfen werden

Was geht mich mein Gerede von gestern an? Bundespräsident Köhler fordert zügige Milliardenhilfe für Griechenland. Pikant: Vor knapp 20 Jahren schloss er als Mitschöpfer des Euro ein solches Szenario noch strikt aus.

Berlin - Der erste Mann im Staat will Taten sehen. Griechenland erwarte jetzt verständlicherweise Hilfe zur Selbsthilfe, mahnt Horst Köhler an diesem Donnerstag auf einer Münchner Wirtschaftstagung. Deutschland sollte auch aus eigenem Interesse seinen Beitrag zur Stabilisierung leisten, so der Bundespräsident. Damit stärkt er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Rücken, die die deutschen Hellas-Hilfen in der kommenden Woche durch den Bundestag bringen will.

Das Staatsoberhaupt mischt sich ein. Doch pikant ist: Köhler widerspricht sich selbst. Denn vor 18 Jahren klang Horst Köhler noch ganz anders.

In einem Interview mit dem SPIEGEL sagte er damals klipp und klar:

"Wenn sich ein Land durch eigenes Verhalten hohe Defizite zulegt, dann ist weder die Gemeinschaft noch ein Mitgliedstaat verpflichtet, diesem Land zu helfen."

Das war 1992, gerade hatte Horst Köhler als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium den Vertrag von Maastricht maßgeblich mitgeprägt - und die darin niedergelegten Stabilitätskriterien für die geplante gemeinsame Währung.

Und er setzte noch eins drauf:

"Es wird nicht so sein, dass der Süden bei den sogenannten reichen Ländern abkassiert. Dann nämlich würde Europa auseinanderfallen."

Starke Worte.

Nun ist das Horrorszenario von einst tatsächlich eingetreten. Köhler aber will von der sogenannten "no bail out rule" aus dem Maastrichter Vertrag heute offenbar nichts mehr wissen. Athen soll geholfen werden, findet der Präsident jetzt. Auch mit deutschen Euro-Milliarden.


Immer wieder sprachen ihn die Interviewer des SPIEGEL - darunter auch Magazingründer Rudolf Augstein - sogar explizit auf den Problemfall Griechenland an. Köhler:

"Wir würden eine historische Chance vertun, wenn wir die vor den Kopf stoßen würden, die sich deutsche Stabilitätsvorstellungen zu eigen machen."

Wie ein bitterer Scherz klingt das knapp zwei Jahrzehnte später. Denn statt deutsche Vorstellungen von Stabilität zu übernehmen, hat sich Griechenland mit falschen Zahlen in die Währungsunion hineingemogelt. Genau das glaubte Köhler 1992 ausschließen zu können:

"Da müssen wir ganz sauber und präzise sein."

Jetzt werden die Europäer mit möglicherweise bis zu 150 Milliarden Euro über die nächsten Jahre zur Kasse gebeten, um die Hellas-Pleite zu verhindern. Auf Deutschland werden davon wohl insgesamt bis zu 24 Milliarden Euro entfallen.

Für den Köhler der Version 1992 war das noch schier undenkbar:

"Wenn man den Vorgang Währungsunion so interpretiert, als ob wir jetzt zur Kasse gebeten werden, ist das aus meiner Sicht eine erschreckende Diagnose."

Nein, die Wirtschafts- und Währungsunion werde "kein Riesenumverteilungsrad, das da gedreht wird", war sich Köhler sicher. Und setzte hinzu: Da werde

"in der innenpolitischen Diskussion in Deutschland - in zum Teil sträflicher Art und Weise - Angstmache betrieben".

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Die neuesten Beiträge:
24.04.2010 von sysop:

Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie die Griechenland-Hilfe in unserem neuen Heft-Forum 'Europa - können Deutschlands Steuerzahler die Griechen retten?' unter der URL http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=14879 [...] mehr...

24.04.2010 von threadneedle: Griechenland?

Man nehme an das die aktuelle Krise in Griechenland erledigt sei. Wie fing es an? Damit, das man merkte das die Zahlen im griechischen Haushalt seit Jahren geschönt und frisiert waren. Mir graut davor was in der nahen Zukunft [...] mehr...

24.04.2010 von pragmat: Hier liegt aber einer ganz falsch!

Die Griechen sind die Flaschen, die Deutschen die Grossverdiener. Die deutsche KfW leiht den Griechen jetzt Geld, das sie sich billig besorgt, und verdient an den Zinsen. Die Griechen zahlen der KfW ein wenig weniger Zinsen, als [...] mehr...

24.04.2010 von donnerbalken: der Weltfriede sollte uns doch etwas Wert sein...

Ja, aber ich kann mich noch an die Währungsschwankungen erinnern. Und die haben den Export, auf den Deutschland dringend angewiesen ist, sehr gestört. Nun haben wir keine Währungsschwankungen, und alles läuft wie am [...] mehr...

24.04.2010 von c++: Das Argentinien Europas

Die Schulden wären sie nicht los, sondern würden ihre Unfähigkeit bestätigen, sie zurückzuzahlen. Wieso sie dann wieder kreditwürdig wären, ist nicht nachvollziehbar, ganz im Gegenteil. Entschuldung wäre nur möglich über [...] mehr...

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EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Hilfe

Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.

Das Geld

Die Kosten

Die Sanktionen


Die Konditionen im Detail

Volumen

Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.

Zinshöhe

Hilfsanfrage

Auflagen






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