Seit Wochen weiß man, dass eine Rettung Griechenlands im Interesse Europas und im Interesse Deutschlands ist. Doch statt ihre Aufgabe als Chefin der Bundesregierung wahrzunehmen und das den Menschen zu erklären, lässt sich die Kanzlerin von der Boulevardpresse als Mischung aus Bismarck und Eiserner Lady feiern.
Mit Blick auf die Wahl in Nordrhein-Westfalen zögert und zaudert sie und lässt die Populisten und Nationalisten in den Koalitionsparteien ungehindert pöbeln. Vermutlich hat sie gehofft, ihre übliche Taktik würde aufgehen: Sie wartet ab, und was sich dann sowieso vollzieht, erklärt sie zu ihrer Entscheidung.
So gleicht sie dem König im Kleinen Prinzen, der den täglichen Sonnenaufgang zu seiner Tat erklärt.
In Sachen Griechenland geht dieses Politikverständnis nun gründlich in die Hose. Denn Zögern und Zaudern, öffentliches Austesten, ob ihr die Rolle der Madame Non oder der Mademoiselle Vielleicht besser steht, hat sich in der Griechenland-Krise als ein Turbo zur Krisenverschärfung erwiesen. Und noch nie war ihr Zögern so teuer, haben doch die Spekulanten als Reaktion darauf die Schulden der Griechen noch einmal kräftig nach oben getrieben.
Deutsche Arbeitsplätze durch griechischen Pump
Dabei hat Deutschland ein erstes Interesse an einer Rettung Griechenlands. Wer hat denn jahrelang von einer verantwortungslosen Überschuldungspolitik Griechenlands bestens gelebt? Nicht nur deutsche Rüstungsfirmen haben ihre Güter auf Pump nach Griechenland verkauft. Die auf Pump auch bei deutschen Banken finanzierte Nachfrage in Griechenland hat in Deutschland bei vielen Unternehmen Arbeitsplätze geschaffen und gesichert.
Doch nicht doppelte Moral und Heuchelei des Stammtisches stehen hier zur Debatte. Eine andere Frage muss im Mittelpunkt stehen: Was wäre das Ergebnis, wenn Griechenland die Währungsunion verlassen würde?
Die Menschen dort würden ihre Euro-Ersparnisse so schnell wie möglich von ihren Bankkonten abheben, um sie vor der erwarteten Abwertung zu schützen. Die Folge: ein Run auf die Banken, den - mindestens - das griechische Finanzsystem kaum überleben dürfte.
In vergleichbaren Fällen wie Argentinien 2001 und Russland 1998 mussten sie im Durchschnitt auf 73 Prozent beziehungsweise 82 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Allein deutsche Banken halten 43 Milliarden Euro Forderungen an den 240 Milliarden Euro Auslandsschulden Griechenlands.
Die Folgen dieses erneuten Schocks für das fragile Bankensystem und den Bankenrettungsfonds sind leicht vorstellbar. Und weil damit sofort die nächste Spekulationswelle gegen Portugal oder Spanien befördert würde, wäre die Stabilität der Währungsunion in der gegenwärtigen Form ernsthaft gefährdet.
Von Madame Non zu Erbtante Oui
Anders gesagt: Was uns der rechte Rand als Lösung vorschlägt - ein Verlassen der Währungsunion -, ist die gefährlichste Alternative. Es hieße aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen. Die Kosten wären gerade für Deutschland, das besonders von der Einführung des Euro profitiert hat, immens. Erst die gemeinsame Währung legte den Grundstein für einen Exportboom in die Länder der Euro-Zone. Die Vorschläge aus dem nationalistischen Lager sind nicht im Interesse der Exportnation Deutschland.
Mehr Helmut Kohl und weniger Stammtisch wären das Gebot der Stunde gewesen. Aus innenpolitischen Motiven zu warten, zu verzögern und zu blockieren, hat die Krise verschärft und die Spekulation gegen Griechenland angeheizt. Das Problem wurde größer, nicht kleiner.
Der wirtschaftliche und europapolitische Flurschaden ist umso ärgerlicher, als Merkels Position nicht nur falsch, sondern - absehbar - unhaltbar war. Vom Ende her gedacht war klar, dass aus Madame Non innerhalb weniger Tage Mademoiselle Vielleicht und am Ende die Erbtante Oui werden würde, die dann aber mehr zahlen muss und dies zu schlechteren Konditionen.
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Nein, nicht Verbot, sondern Besteuerung. Das käme zwar fast einem Verbot gleich, aber ich finde Verbote kontraproduktiv. Wer zocken will, soll dafür zahlen. Leider wird daraus nichts, denn nur die Zocker und deren Marionetten [...] mehr...
An der wachsweichen Argumentation Trittins gibt es m.E. nichts zu widerlegen. Da haben sie meine Absicht missverstanden. Mir ging es darum aufzuzeigen, dass die internationalen Zocker auch im Falle eines Staatsbankrotts nicht [...] mehr...
Ich lach mich schlapp, bei der gesetzlichen Freigabe und Regelung unseres Landes zur Plünderung durch die Organisierte Wirtschaftskriminalität hat 2001-2004 ein gewisser Minister Jürgen Trittin am Kabinettstisch gesessen und [...] mehr...
...bin ich ja mal gespannt: "Einnahmeverbesserungen durch Steuererhöhungen und konsequenten Steuervollzug auch bei der griechischen Oberschicht" Ich vermisse die Forderung nach "Einnahmeverbesserungen durch [...] mehr...
Wegen der vielen Möglichkeiten, die die Spekulanten haben. Die milliardenschwere Eurohilfe z.B. für Griechenland ist ja ihrerseits schuldenfinanziert, d.h. Deutschland muss sich selbst an den Kapitalmärkten verschulden, um [...] mehr...
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