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01.05.2010
 

Kreuzberg

Linke und Polizei liefern sich Ritual-Randale

Foto: dpa

Steine und Flaschen fliegen, Tausende Polizisten stehen Hunderten Vermummten gegenüber - der 1. Mai in Berlin endet wieder mit Gewalt. Randalierer haben Polizisten attackiert, mehrere Demonstranten und Beamte wurden verletzt. Auch in Hamburg kam es zu Krawallen.

Berlin/Hamburg - Es kam wie befürchtet: Im Anschluss an eine Mai-Demonstration von linken und autonomen Gruppen hat es am Samstagabend in Berlin-Kreuberg Ausschreitungen gegeben. Augenzeugen zufolge flogen aus dem sogenannten Schwarzen Block der Autonomen zahlreiche Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten. Rund 600 größtenteils Vermummte lieferten sich Auseinandersetzungen mit den Beamten, auch Polizeiwagen wurden demoliert. Einem Polizeisprecher zufolge wurden außerdem Feuerwerkskörper gezündet.

Die Polizisten gingen mit Schlagstöcken gegen die Randalierer vor. Bei Räumungsversuchen wurden mehrere Demonstranten verletzt, auch Polizisten trugen zum Teil schwere Verletzungen davon. Ein Beamter wurde durch einen stumpfen Gegenstand am Rücken schwer verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Berichte, wonach er einen Messerstich erlitten habe, wies ein Polizeisprecher zurück. Zahlreiche Personen wurden festgenommen, über die genaue Zahl lagen zunächst keine Angaben vor. Die Polizei sprach von "einzelnen Provokateuren", die versuchten, die Lage aufzuheizen. Die Ausschreitungen seien "nicht so dramatisch" wie um diese Tageszeit im Vorjahr. Es müsse nun abgewartet werden, wie sich die Lage in der Nacht weiter entwickelt.

Im Vorjahr war es am Abend des 1. Mai in Kreuzberg zu massiven Gewaltausbrüchen gekommen. Die Polizisten hatten sich damals zunächst zurückgehalten - fast 500 waren verletzt worden. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte angekündigt, Gewalt in diesem Jahr sofort im Keim zu ersticken.


Die Polizei war den ganzen Tag über mit rund 7000 Männern und Frauen im Einsatz, Unterstützung kam aus zehn Bundesländern und von der Bundespolizei. Der Großeinsatz war auch wegen einer Neonazi-Kundgebung im Prenzlauer Berg notwendig. Dort hatten den ganzen Tag über Tausende Menschen gegen den Aufmarsch von rund 700 Rechtsextremisten protestiert. Deren Zug wurde vorzeitig beendet, weil zu viele Menschen die Straßen blockierten, darunter prominente Politiker wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD).

In Kreuzberg hatten am Samstag vor der Eskalation Tausende Menschen gegen Kapitalismus und soziale Verdrängung demonstriert. Der Protestzug setzte sich erst mit rund einstündiger Verspätung gegen 19 Uhr in Bewegung, weil die Veranstalter auf Teilnehmer der Proteste gegen den Neonazi-Aufzug im Prenzlauer Berg warteten. Insgesamt sollen bis zu 15.000 Demonstranten marschiert sein.

Wasserwerfer in Hamburg

Auch in Hamburg ist es am 1. Mai erneut zu Randale gekommen. Polizisten setzten Wasserwerfer gegen Demonstranten ein, die mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern nach ihnen geworfen hatten. Zwei Polizistinnen erlitten Verletzungen, elf Personen wurden festgenommen.

Eine Gruppe Vermummter versuchte, eine Sparkassenfiliale im Schanzenviertel zu stürmen und zerschlug dort die Fensterscheiben. In einer Filiale der Deutschen Bank versuchten sie, Feuer zu legen. Eine Drogerie wurde geplündert, Geschäfte verwüstet, Scheiben eingeschlagen. Autos wurden demoliert oder umgeworfen. Die Polizei riegelte am späten Abend das gesamte Schanzeniertel ab. In Nebenstraßen kam es immer wieder zu Scharmützeln zwischen Vermummten und Polizisten.

can/ddp/apn/dpa/AFP/Reuters

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