• Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.05.2010
 

Kassensturz nach Steuerschätzung

Schäuble drückt sich vor Streichliste

Von Severin Weiland

Finanzminister Schäuble: "Ich habe einen einfachen Satz - Zahlen lügen nicht"
ddp

Finanzminister Schäuble: "Ich habe einen einfachen Satz - Zahlen lügen nicht"

Schreckensbotschaft Steuerschätzung: Die Staatseinnahmen werden in den kommenden Jahren sinken. Finanzminister Schäuble muss Milliarden sparen oder zusätzlich kassieren - aber schmerzhafte Wahrheiten gibt es erst nach der Wahl in NRW. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Kürzungen diskutiert werden.

Berlin - Jürgen Rüttgers zeigte sich ganz sicher. "Die Steuerschätzung kommt doch schon in der ersten Maiwoche, vor der Landtagswahl am 9. Mai. Die Bürger werden also Klarheit haben", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident.

Das war Anfang Februar.

Fast drei Monate später liegt das Zahlenwerk der Experten vor. Sie prognostizieren Mindereinnahmen in Milliardenhöhe in den kommenden Jahren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble stellt die Daten in seinem Ministerium vor - da wird er nach dem Satz des CDU-Ministerpräsidenten gefragt.

Schäuble weicht aus: "Am Sonntag finden Wahlen in NRW statt", sagt er. Und fügt knapp hinzu, es bleibe die Regierungsbildung abzuwarten.

Im Klartext: Von ihm gibt es nichts Konkretes bis Sonntag.

Statt der Klarheit, von der Rüttgers gesprochen hat, gibt es wieder nur Ausflüchte. Wie Schwarz-Gelb es schaffen will, die Schuldenbremse ab 2011 einzuhalten und weitere Steuerentlastungen ab spätestens 2012 umzusetzen - unklar.

Auch bei der FDP ist nichts zu erfahren. Sie will grundsätzlich an ihrem Konzept nicht rütteln lassen. Fraktionschefin Birgit Homburger verweist auf den Koalitionsvertrag: Da sei eine Steuerreform mit Vereinfachungen und Entlastungen für untere und mittlere Einkommen festgelegt worden. "Wir halten an dieser Steuerreform fest." Deutschland habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Die FDP sei bereit, im Haushalt zu sparen.

Doch wo? Auch bei den Liberalen gibt es dazu kein Wort. Nicht jetzt.

Schäuble hat erst jüngst angedeutet, dass er in dieser Wahlperiode bis Ende 2013 keine volle Umsetzung der Steuersenkungsversprechen mehr erwartet. Unabhängig vom Ausgang der Landtagswahl am Sonntag sehe er im Bundesrat keine Mehrheit für Gesetze, die zu weiteren Steuerausfällen führen. Dazu komme die Schuldenbremse, sagte er kürzlich in Berlin - wissend, dass das Senkungskonzept in der Union ohnehin schlecht gelitten ist.

Vier Jahre lang deutliche Mindereinnahmen

An diesem Donnerstag lässt sich Schäuble auf Details gar nicht erst ein, so oft er danach auch gefragt wird. Die Zahlen beendeten die Spekulationen, sagt er. Man bleibe beim Koalitionsvertrag und werde schrittweise vorgehen. Alle Ausgabenbereiche müsste kritisch hinterfragt werden, in kommenden Woche werde die Arbeit "dezidiert aufgenommen". So kann jeder aus Schäubles Worten seine Wahrheit herauslesen. "Der Koalitionsvertrag gilt", sagt er und vergisst dabei nicht zu erwähnen: in "allen Teilen".

Womit sowohl die Steuersenkung gemeint ist, wie sie vor allem die FDP will, als auch die Regel, der zufolge alles unter Finanzierungsvorbehalt steht. Was letzteres angeht, haben die Experten der Koalition an diesem Donnerstag allerdings einige harte Fakten vorgelegt:

  • Für 2010 werden Mindereinnahmen von 1,2 Milliarden Euro prognostiziert.
  • In naher Zukunft sieht es noch düsterer aus - 2011 wird ein Minus in Höhe von 11,7 Milliarden Euro erwartet,
  • 2012 sogar 12,3 Milliarden Euro,
  • 2013 noch einmal mehr - 13,7 Milliarden Euro.

"Ich habe einen einfachen Satz: Zahlen lügen nicht", sagt Schäuble. "Auf diesen Zusammenhang werde ich bestehen, das ist meine Aufgabe als Bundesfinanzminister." Er müsse aufs Ganze achten. Jetzt sei es an der Koalition insgesamt, "den Spielraum für ihre Entscheidung zu suchen".

Aber wo könnte überhaupt Spielraum sein? SPIEGEL ONLINE zeigt, über welche Posten die Regierung nach der NRW-Wahl diskutieren dürfte:

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 77 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.05.2010 von Laotse: Quellen...

Auf 1700 Milliarden Schulden kommen bei durchschnittlich 3,2% Zins 54,4 Milliarden Zinsen im Jahr, macht rund 149 Millionen am Tag oder 6,2 Milllionen Zinsen in der Stunde...Bei der "6" lag Koch-Mehrin richtig, bei den [...] mehr...

10.05.2010 von Laotse: Moderate Erhöhungen sind das....

Villa für eine Dreiviertelmillion, Zinsen in Istanbul, Goldehering, 2,0l BMW, Honda Enduro 500er und auch noch ein motorisierter Sportbootflitzer auf dem Rhein, aber keine Steuererhöhungen zahlen wollen?! - so sehen Sie bzw. [...] mehr...

10.05.2010 von Laotse: Bei den Einnahmen auch.

Seit die Spekulationssteuer auf langfristige investierte Gelder 2009 erweitert wurde, legt kein Mensch mehr langfristig an. Die gleichzeitig erfolgte Dividendensteuersatzverdoppelung tut ein Übriges. Meine [...] mehr...

10.05.2010 von Laotse: Mit Ihren

Forderungen rennen Sie bei der Politik offene Türen ein. Zurück zum Nötigsten....soweit es die fleißigen, gehorsamen Deutschen betrifft. Für alle anderen in der EU gilt: Vorwärts mit der deutschen Kohle, zockt den Loosern ab was [...] mehr...

08.05.2010 von Lunabyte: ...

Ich glaube, dass die derzeit damit beschäftigt sind, den Apple-Hype zu thematisieren. Die Aufgaben der Presse? Ich würd mich tot lachen, wenn ich nicht gerade eine Packung Tempo kaufen müsste... MfG mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Merkels schwarz-gelbe Regierung

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP



TOP