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17.05.2010
 

Atomstreit in der Union

Mappus legt Röttgen Rücktritt nahe

Christdemokrat Mappus: "Ich erwarte, dass Kollege Röttgen zurückgepfiffen wird"Zur Großansicht
ddp

Christdemokrat Mappus: "Ich erwarte, dass Kollege Röttgen zurückgepfiffen wird"

Der unionsinterne Streit um die Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke wird schärfer. Baden-Württembergs Ministerpräsident Mappus legt Umweltminister Röttgen nun sogar den Rücktritt nahe: Im "Mannschaftsspiel" Politik sei kein Platz für Individualisten. Röttgen reagiert gelassen.

Stuttgart - Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat im Streit um die Atompolitik Bundesumweltminister Norbert Röttgen den Rücktritt nahegelegt. "Ich bin nicht mehr bereit, die Eskapaden des Bundesumweltministers zu akzeptieren", sagte Mappus am Montag in Stuttgart in Richtung seines Parteikollegen. "Politik ist ein Mannschaftsspiel, und wer Individualsport bevorzugt, der muss sich ein anderes Tätigkeitsfeld suchen."

Zu der Frage, ob die Laufzeiten der Kernkraftwerke ohne den Bundesrat verlängert werden können, gebe es klare Vorgaben aus dem Kanzleramt. Wenn Röttgen hier einfach widerspreche, sei das nicht hinnehmbar. Mappus verlangte ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Ich erwarte vom heutigen Tag, dass der Kollege Röttgen zurückgepfiffen wird."

Mappus machte auch deutlich, dass er an Merkels Stelle Röttgen bereits aus dem Kabinett geworfen hätte. "In Baden-Württemberg wäre es schon so, wenn da ein Minister auf Dauer anderer Meinung ist als der Rest der Regierung, dann müsste er sich mit Blick auf die Individualsportart ein anderes Betätigungsfeld suchen."

Röttgen wies Mappus' Rücktrittsforderung als "unsachlich" zurück. Die gemeinsame Energiepolitik der Bundesregierung basiere auf dem Koalitionsvertrag von Union und FDP, sagte Röttgen. "Ich zweifle, ob Herr Mappus da nicht richtig aufgepasst hat, als der abgeschlossen wurde", sagte Röttgen. "Jedenfalls gilt der Koalitionsvertrag. Mein Eindruck ist, dass er (Mappus) mit dem nicht einverstanden ist."

Röttgen ergänzte: "Nebenbei gilt auch das Grundgesetz, das die Mitwirkung der Länder und des Bundesrates an der Gesetzgebung regelt. Und an beides werde ich mich halten." Röttgen stellte zugleich dem Vorrang des Ausbaus Erneuerbarer Energien und den vorübergehenden Charakter der Kernenergie heraus. Der Minister fügte hinzu: "Ich glaube, dass Herr Mappus weniger mit mir, sondern mit diesen klaren Festlegungen ein Problem hat."

Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) hatte am Wochenende angekündigt, für eine Verlängerung der Atommeiler-Laufzeiten nach dem Verlust der Mehrheit im Bundesrat "ein verfassungskonformes, zustimmungsfreies Gesetz" machen. Röttgen hält indes daran fest, dass eine Laufzeitverlängerung bei Atomkraftwerken "tendenziell der Zustimmung des Bundesrates bedarf". Eine zustimmungsfreie Lösung könne allenfalls bei einem "moderaten" Laufzeit-Plus in Betracht kommen, sagte Röttgen der "Frankfurter Rundschau".

Auch die Umweltministerinnen von Baden-Württemberg und Hessen, Tanja Gönner und Silke Lautenschläger (beide CDU) sowie ihr bayerischer Amtskollege Markus Söder (CSU) kritisierten Röttgen. Dieser habe Unrecht damit, dass eine Laufzeitverlängerung einer Zustimmung des Bundesrats bedürfe.

"Wir haben alle relevanten Fragen überprüft und sind weiterhin gemeinsam der Auffassung, dass ein zustimmungsfreies verfassungskonformes Gesetz zur Verlängerung von Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke möglich ist", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Durch eine bloße Verlängerung der Laufzeiten werde die Aufgabenteilung zwischen Bund und Ländern bei der Atomaufsicht nicht verändert. Deshalb sei auch keine Zustimmung der Länderkammer dafür notwendig. Ferner forderten die Länderminister die Bundesregierung auf, die "Vielstimmigkeit" in der Debatte um die Laufzeitverlängerung einzustellen und die für eine Änderung des Atomgesetzes notwendigen Vorarbeiten voranzutreiben.

ffr/dpa/ddp

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Die neuesten Beiträge:
09.07.2010 von grubers:

Trevis, wenn Sie schon wiki zitieren, dann sollten Sie auch Ihren Beitrag mit der Quelle abstimmen. Denn Sie schreiben: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Stromgestehungskosten) schreibt aber explizit für Ihre [...] mehr...

09.07.2010 von joe-joe:

Bis jetzt habe ich von Atomikern immer nur gelesen: In 50Jahren könnte Kernfusion unseren Strombedarf stillen. Oder von Anderen: Bis 2050 ist eine Energieversorgung aus EE _möglich_. Was halten Sie da für die realistischere [...] mehr...

09.07.2010 von grubers:

Nicht "auf", sondern "um" 20-50% der Nennleistung. http://www.ier.uni-stuttgart.de/img/pdf_link/Hundt_atw_2010-02.pdf mehr...

09.07.2010 von joe-joe:

Aber "Rezi"! Sie als Fachmann kennen doch die bestehenden Verbundnbetze und Pläne für deren Ausbau /Optimierung? Selbst wenn bei Ihnen im schweizerischen Bergdorf mal wochenlang kein Wind weht und sich Nebel [...] mehr...

09.07.2010 von gucky2009:

Es geht nicht um das herunterfahren auf 0% Leistung sondern auf die immer wieder als "mit Links" herunterfahrbarer Leistung auf 20-50% der Maximal-Leistung. Und hier sollen AKW's alle anderen Kraftwerke schlagen. mehr...

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"Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden kann. Andernfalls werden wir unsere Klimaziele erträgliche Energiepreise und weniger Abhängigkeit vom Ausland nicht erreichen. Dazu sind wir bereit, die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke unter Einhaltung der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards zu verlängern. Das Neubauverbot im Atomgesetz bleibt bestehen."

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