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29.05.2010
 

Zoff bei der Linkspartei

"Es ist ein geiles Gefühl, dich am Boden zu sehen"

Neue Linke-Chefs Lötzsch, Ernst: Vernichtendes Urteil über internen Zwist in ihrer ParteiZur Großansicht
DPA

Neue Linke-Chefs Lötzsch, Ernst: Vernichtendes Urteil über internen Zwist in ihrer Partei

Berichte über interne Querelen tut die Linkspartei gern als Erfindungen ab. Umso vernichtender ist nun die Bilanz ihrer eigenen Bundesschiedskommission: Das höchste Parteigericht musste nach SPIEGEL-Informationen mehr als 257 Verfahren bewältigen - sie offenbaren Intrigen und Denunziationen.

Hamburg/Berlin - Beim Vertuschen innerparteilicher Konflikte ist die Linke nicht zimperlich. Gegen Berichte über Machtkämpfe bringt die Partei ihre Anwälte in Stellung, gern wird interner Streit als Erfindung der "bösen bürgerlichen Presse" oder eines "Gehässigkeitsmagazins" ( Oskar Lafontaine) abgetan. Doch nun liegt eine schriftliche Bilanz der Bundesschiedskommission vor. Es ist das höchste Parteigericht der Linken, und es stellt ein vernichtendes Zeugnis aus: Die Kommission musste in den vergangenen zwei Jahren 257 Verfahren bewältigen, die einen Einblick geben in die tiefen Gräben der Linken zwischen Ost und West, Fundis und Realos. Immer wieder wird dabei ihr Hang zur Intrige und zur Denunziation offenbar.

Die Arbeit, so bilanzieren die Autoren, habe "die Grenze des Zumutbaren erreicht, wenn nicht schon überschritten". In den Landesschiedskommissionen, schreiben die Parteirichter besorgt, seien die Westverbände besonders auffällig, namentlich Rheinland- Pfalz, das Saarland und Nordrhein-Westfalen.

Ein anschauliches Beispiel, wie es unter Linken zuweilen zugeht, ist aus dem westfälischen Rheine überliefert, wo sich der Sprecher des Ortsverbandes, Heinrich Annas, mit der Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler verkrachte. "Jetzt bin ich es, der über dich lacht. Es ist ein geiles Gefühl, dich am Boden zu sehen. Der Tag X wird bald kommen, und ich werde dich beim Absturz begleiten", beschimpfte der Mann die Abgeordnete laut Schiedsgericht (Aktenzeichen 108/2009).

"Absurde und geschmacklose Verhaltensweisen"

Prompt strengte der übergeordnete Kreisverband ein Parteiausschlussverfahren an. Der pöbelnde Lokalpolitiker habe sich "grob unsolidarisch" verhalten. Dass Annas nebenbei auch noch private Versammlungen für DKP-Mitglieder organisierte, war für das Gericht dagegen kein Problem: "Auch wenn die DKP und viele ihrer Mitglieder von gestern sind, ist es nicht vorwerfbar, sie für die Unterstützung der Linken zu gewinnen." Der Genosse kam mit einem Rüffel davon. Andernorts geht es mal um angeblich undemokratische oder gefälschte Wahlergebnisse, mal um vermeintlich manipulierte Mitgliederlisten oder um die Frage, ob ein Düsseldorfer Linker Gregor Gysi nun einen "Judenbengel" genannt hat oder nicht.

Wie aber lässt sich der Dauerzwist erklären? Liegt es immer noch am Ost-West-Konflikt der erst 2007 aus PDS und WASG fusionierten Partei? Die Kommission sieht zwar wegen der unterschiedlichen Herkunft der Genossen "Tendenzen zur Lagerbildung und gegenseitigem Misstrauen", doch genauso sei ein "Streben nach Macht und Posten" erkennbar, bei dem "die Akteure teilweise absurde und geschmacklose Verhaltensweisen an den Tag legen". Besonders verbreitet sei die linke Unkultur, "persönliche Herabsetzungen zu betreiben".

"Müller gehört in den Müll!"

Gemeint sind damit Fälle wie der des Genossen Ingo Engbert aus Ahlen, der unter anderem über seine Parteifreundin Ute Müller öffentlich verbreitete: "Was anderes als infiltrieren, beschmieren, intrigieren oder auch denunzieren hat diese Person denn aufzuweisen?" Engbert war der Meinung: "Müller gehört in den Müll!" Vor dem Parteigericht verteidigte Engbert seine Schmähkritik als Kunst - ausgeschlossen wurde er aber dennoch.

Beim Beschreiben der Folgen solcher Kämpfe für die Linke ist der Bericht deutlich: Konflikte würden die Partei "vielerorts so stark belasten, dass sich Mitglieder nicht mehr für die politische Arbeit aktivieren lassen".

Als Konsequenz aus zwei Jahren Erfahrung empfiehlt die Kommission deshalb eine härtere Gangart gegenüber dem eigenen Personal: Es liege "im Interesse der Partei, Mitglieder, die das Mindestmaß an politischer Geschlossenheit und Solidarität in Frage stellen und aus welchen Gründen auch immer der Partei eher schaden als nutzen wollen, auszuschließen".

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insgesamt 107 Beiträge zum Forum...
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03.06.2010 von Humboldt: Endlich...

Na, da bin ich aber froh, dass hier endlich mal jemand eine total glaubwürdige und neutrale Geschichtsdeutung liefert... Mensch, hätten wir doch auf Väterchen Stalin gehört. Der war ja soooo nett! Bah, die bösen Amerikaner... mehr...

03.06.2010 von Mesumersiggi: Herr Heinrich Annas ist nie Sprecher des Ortsverband Rheine gewesen.

Wenn Spiegel Online oder Herr Heinrich Annas selbst Behauptet Sprecher des Ortsverband Rheine zu sein, dann ist das die Unwahrheit. Mit Solidarischen Grüßen Siegfried Wessel Mitglied des Ortsverband Rheine mehr...

31.05.2010 von Gruber: Nur weil die US-Diener in Deutschland die Propagandahoheit haben,...

...werden geschichtliche Verdrehungen auch nicht wahrer. Man darf daran erinnern, dass die UdSSR eine Vereinigung der getrennten deutschen Länder für den Fall angeboten hat, dass sich das wieder vereinigte Deutschland denselben [...] mehr...

30.05.2010 von Parisien: Die Braunen und die Roten

Rein formal besteht auch die "Linke" darauf, als Nachfolgepartei der SED eingestuft zu werden, was möglicherweise etwas mit dem SED-Vermögen zu tun hat ? Aber das sei nur am Rande erwähnt. Interessant ist aber, [...] mehr...

30.05.2010 von ein schelm ...:

Nein, einen Millionenfachen Mörder zu feiern hat mit "Geschmacklosigkeit" so gar nichts zu tun, das sind ganz andere Kategorien! Aber das scheint ja nicht nur Ihnen völig egal zu sein, wahrscheinlich sind Sie schlicht [...] mehr...

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