Berlin - Die SPD profitiert vom Koalitionsstreit, in Umfragen punktet sie, in Nordrhein-Westfalen könnte sie bald mitregieren. Dennoch beurteilt die Basis die Arbeit ihrer Partei sehr kritisch. Sieben Monate nach der Bundestagswahl arbeiten die Ortsvereine die verheerende Wahlschlappe auf.
In der Hartz-IV-Reform und der Rente mit 67 sieht die SPD-Basis nach SPIEGEL-Informationen die Hauptgründe für die katastrophale Niederlage bei der Wahl. Bei einer Befragung aller Ortsvereine wurden neben dem "Verhältnis zur Linken" außerdem häufig "fehlende Glaubwürdigkeit der SPD", "Profil- und Farblosigkeit" sowie "Entfremdung der Partei von Mitgliedern und Bevölkerung" als Ursachen für den Absturz auf 23 Prozent im vergangenen September genannt.
Die SPD hatte Ende März Fragebögen an etwa zehntausend Ortsvereine verschickt und bis Mitte Mai mehr als 4200 zurückerhalten. Jeder Ortsverein sollte die Fragen beantworten und konnte dabei entscheidende Antworten ohne Vorgaben formulieren.
Im Wahlkampf gab es nichts Positives
Auf die Frage, was im Wahlkampf besonders positiv gewesen sei, verzeichneten die Auswerter als häufigste Antwort "nichts", Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier wurde nur "gelegentlich" genannt. Als besonders negativ wurden die "fehlende Mobilisierung" und der "Zustand der Bundes-SPD" empfunden.
Für die Zukunft wünschen sich die Genossen vor allem Mitgliederbefragungen: 54 Prozent der Ortsvereine meinen, dieses Instrument solle "auf jeden Fall" eingesetzt werden, 37 Prozent entschieden sich bei dieser Frage für "eher ja". Auch Mitgliederentscheide werden gewünscht, lediglich ein Fünftel ist skeptisch oder lehnt sie ab.
Auf deutlich stärkere Ablehnung stößt ein weiteres Vorhaben von Parteichef Sigmar Gabriel: Er will auch Nichtmitglieder künftig über Kandidaten für öffentliche Ämter mitentscheiden lassen. Das aber lehnen zwei Drittel der befragten Ortsvereine ab. Ein Drittel der Basisgliederungen ist zudem "weniger zufrieden" oder "unzufrieden" mit der Arbeit der Parteizentrale.
Erst vor wenigen Tagen hatte die Parteilinke davor gewarnt, sich auf dem kleinen Aufschwung der SPD auszuruhen. Der von Gabriel angekündigte Neuaufbau der Partei dürfe nicht vernachlässigt werden, mahnte Sprecher Björn Böhning.
Mit der Arbeit der schwarz-gelben Bundesregierung waren nur noch 20 Prozent der Deutschen laut ARD-Deutschlandtrend zufrieden. 58 Prozent gaben sogar an, dass ein Bündnis aus CDU und SPD besser regieren würde.
Auf anderen Social Networks posten:
Sie skizzieren hier ganz hervorragend das Grundproblem der SPD: Die Unterwanderung durch ein paar link(ische)e Claqueure, die unter dem diffusen Arbeitstitel "Gegen Neoliberalismus, für soziale Gerechtigkeit" die [...] mehr...
Ich würde sagen: 100%-er Treffer! mehr...
...ist nicht mehr Vögeln und Besoffen sein. Ein Häuschen im Grünen und einen Mercedes -wenn auch nur ein kleiner- vor dem Haus. Solange es solche Leute gibt, hat die CDU Perspektiven. mehr...
Au contraire. Die Entfernung von der Basis hat bisher immer dazugeführt, dass dieselbe verloren geht. Lieber Knut, warum steht die SPD wohl bei 20 % - ich meine, die waren mal eine über 40 % Volkspartei. Also spar Dir das mit [...] mehr...
Als einfacher Angestellter eines großen DAX-Unternehmens, der einmal im Jahr mit der ganzen Familie in den Urlaub fahren möchte, ein kleines, noch nicht ganz abbezahltes Häuschen im Grünen besitzt und auch in Zukunft einen Passat [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema SPD | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH