Von Philipp Wittrock
Berlin - Mit einem Signal der Geschlossenheit wollte die Bundeskanzlerin die Krise um das höchste Amt im Staat schnell beenden. Wenige Tage nachdem Bundespräsident Horst Köhler ihre Welt mit seinem Abgang erschüttert hatte, wollte Angela Merkel ihren Vorschlag für die Nachfolge präsentieren. Auf Anhieb überzeugen sollte der Name - und vor allem sollte der Kandidat möglichst geräuschlos gefunden werden. Zumindest daraus wurde nichts.
Denn zwei Tage lang galt Ursula von der Leyen als Top-Favoritin, die Arbeitsministerin war bereit, und nach allem, was zu hören war, wollte die CDU-Chefin sie auch. Ob sie sie konkret gefragt hat, bleibt ungewiss, aber die Koalitionspartner signalisierten bereits: keine Einwände. Auch in den Medien wurde von der Leyen als Merkels Favoritin hoch gehandelt. Die Kanzlerin ließ es geschehen.
Dann kam Spätzünder Christian Wulff: Niedersachsens Ministerpräsident drängte mit Macht selbst an die Spitze des Staates - und hat es nun geschafft. Merkel hat sich für ihn entschieden haben, heißt es in Koalitionskreisen. Am Abend will die CDU-Chefin ihn gemeinsam mit dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle und Horst Seehofer offiziell vorstellen.
Wulff, so ist zu hören, soll sich selbst ins Spiel gebracht haben. Zwar gehörte der 50-Jährige von Anfang an zum Kreis der potentiellen Kandidaten für die Köhler-Nachfolge. Doch seine persönlichen Ambitionen hatten Unionskreise zunächst als wenig ausgeprägt eingeschätzt. Am Mittwochvormittag jedoch, als sich von der Leyen in Kreisen der Koalition bereits als Nummer eins unter den Anwärtern herauskristallisiert hatte, meldete Wulff Ansprüche gegenüber der Kanzlerin an. So berichten es Personen, die mit der Sache vertraut sind.
Von einem Machtkampf will man im Kanzleramt jedoch nichts wissen. Solche Gerüchte seien "grober Unfug", heißt es aus dem Umfeld der Bundeskanzlerin. Merkel sei nie auf von der Leyen festgelegt gewesen, Wulff habe immer zum engsten Favoritenkreis gezählt. So soll der Eindruck vermieden werden, die Kanzlerin sei nicht Herrin des Verfahrens gewesen.
Eine Kandidatur von der Leyens stieß in Teilen der CDU offenbar auf heftigen Widerstand. Zwei protestantische Frauen seien an der Spitze der Regierung und des Staates in den ohnehin enttäuschten konservativen Kreisen der Partei schwer vermittelbar, ist in Fraktionskreisen zu hören. Es gab aber auch Bedenken, ob sie in der derzeitigen Krisensituation die richtige Kandidatin sowie stark und eloquent genug als Bundespräsidentin sei. Auch dass sie als Familienministerin die Familienpolitik umgekrempelt hat, tragen die Traditionalisten von der Leyen noch immer nach.
Dazu kommt, dass ihre Wahl ins höchste Staatsamt eine große Lücke in das Bundeskabinett reißen würde. In der ansonsten wenig schillernden Ministerriege ist sie mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg das populärste Regierungsmitglied. "Sie ist eigentlich nicht verzichtbar", sagt ein Unionsmann.
"Vielleicht weiß ich heute Abend mehr"
Je größer die Vorbehalte wurden, umso mehr stiegen die Chancen Wulffs, in der Bundesversammlung am 30. Juni für das schwarz-gelbe Lager anzutreten. Niedersachsens Ministerpräsident wurde in der Vergangenheit bereits des Öfteren nachgesagt, er sehe die Rolle des Staatsoberhauptes als Krönung seiner Karriere. Nach dem angekündigten Rückzug von Hessens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Roland Koch galt der Merkel-Stellvertreter jedoch auch als der letzte starke Mann in der christdemokratischen Partei, der der Kanzlerin und Parteivorsitzenden mittelfristig noch ihr Amt streitig machen könnte.
Doch nun zieht er ins Schloss Bellevue. Seine Wahl in der Bundesversammlung gilt angesichts der satten schwarz-gelben Mehrheit als sicher. Die Koalitionspartner unterstützen die Kandidatur des Niedersachsen. CSU-Chef Seehofer ließ schon vor der endgültigen Entscheidung wissen: "Alle genannten Namen sind geeignet für diese hohe Amt." Er bezog sich damit auf die Merkel-Liste mit den vier Anwärtern: Neben Wulff und von der Leyen standen auch Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundestagspräsident Norbert Lammert darauf.
Auch die FDP stellt sich einer Nominierung Wulffs nicht in den Weg. "Er ist ein sehr guter Kandidat", hieß es in der FDP-Führung. Das Präsidium der Partei will noch am Donnerstagabend förmlich seine Zustimmung beschließen. Wulff und die CDU pflegten eine "exzellente Zusammenarbeit mit der FDP in Niedersachsen", wurde bei den Liberalen betont. "Dort können sich die Koalitionspartner fest aufeinander verlassen", hieß es.
Wulff selbst wich öffentlichen Fragen nach seinem neuen Amt noch am Mittag aus. "Ich fühle mich wohl als Ministerpräsident", rief er den Journalisten beim Seeschifffahrtstag in Cuxhaven zu. Und schob dann noch hinterher: "Vielleicht weiß ich ja heute Abend mehr."
Mitarbeit: Florian Gathmann, Sebastian Fischer, Severin Weiland
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Blamiert hat sich eigentlich Die Linke. Sie hat durch ihr unkluges Verhalten hinlänglich bewiesen, dass sie bundespolitisch ein absolut unsicherer Kantonist ist: 1. Durch Aufstellung und Wahl einer eigenen [...] mehr...
Warum? Der Pfarrer Gauck hat keine großen analytischen Fähigkeiten gezeigt, sonst hätte er von einer Nominierung Abstand genommen. Er wurde von der SPD in den uralten ideologischen Streit zwischen Sozialdemokratie und [...] mehr...
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...blamieren. Der richtige Mann wäre Gauck gewesen. Aber die Bürgervormünder hatten anders entschieden. Es ist schon eigenartig, Deutsche gehen wahnsinnig gerne zu ihrem eigenen Metzger. mehr...
Da wird der Wulff halt mit leben müssen. Schätze aber, das kriegt er hin. mehr...
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