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06.06.2010
 

Sparklausur

Geldregen für Bildungsministerin Schavan

Von Christian Schwägerl

Bundesforschungsministerin Schavan (CDU): "Quellen künftigen Wohlstands"Zur Großansicht
AP

Bundesforschungsministerin Schavan (CDU): "Quellen künftigen Wohlstands"

Alle Bundesminister müssen sparen, nur Forschungsministerin Schavan nicht. Die für ihren Etat geplanten Mehrausgaben von zwölf Milliarden Euro steigern das politische Gewicht der Ministerin - überholte Regelungen könnten jedoch verhindern, dass das Geld wirksam eingesetzt wird.

Berlin - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) zählte bisher zu den eher unscheinbaren Kabinettsmitgliedern. Ihr Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung ist mäßig. Ihre Sprecher dürfen sich bei der Bundespressekonferenz oft langweilen, weil niemand ihnen eine Frage stellt. Als "Orchideenministerium" wurde ihr Ressort in Berliner Zirkeln bisher gerne verspottet.

Doch nun ragt Schavan plötzlich unter allen Ministern heraus. Kaum etwas ist mehr tabu beim Sparen, die Wehrpflicht steht ebenso zur Disposition wie das Elterngeld. Doch für Bildung und Forschung fließt mehr. Ein Plus von zwölf Milliarden Euro über die gesamte Legislaturperiode hinweg hat Schavan durchgesetzt. Ausgerechnet die Ministerin, die sich nicht an den politischen Schaukämpfen beteiligt, läuft beim Ringen ums Geld nun auf der Gewinnerspur.

Auch das Wirtschaftsressort profitiert von den Zukunftsinvestitionen, doch den allergrößten Teil der Mehrausgaben spricht das Bundesfinanzministerium Schavans Ressort zu. Aus einer aktuellen Übersicht der Mittelverwendung geht hervor, dass Schavan mit mehr als zwei Dritteln des Geldes rechnen kann. Damit ist sie die Einzige, die in den kommenden Jahren in erheblichem Umfang mehr Geld ausgeben darf.

Was Politiker bisher als "Gestaltung" bezeichnet haben, nämlich frei verfügbares Geld auszugeben, findet eigentlich nur noch bei ihr statt. Schavans Bedeutung steigt dadurch ungemein.

Schavan hat Rückhalt bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Beide haben die Zukunftsinvestitionen des Bundes vor der Haushaltsklausur für unantastbar erklärt. Das hat triftige Gründe: Hier liegen "die Quellen künftigen Wohlstands", sagt Merkel. Schavan hat von ihrer China-Reise in der vergangenen Woche die Botschaft mitgebracht, dass die Investitionen wirklich alternativlos sind: Sonst würden bald die Chinesen die Deutschen wirtschaftlich abhängen, warnt sie.

Schavans große Pläne

Bereits in der vergangenen Legislaturperiode konnte die Innovationsministerin ein Plus von 33 Prozent verbuchen. Schäubles Finanzplanung zufolge setzt sich der Boom ungebremst fort. Dass es trotz Überschuldung und Sparzwang nun mit den Zukunftsinvestionen weitergeht, erzeugt am Kabinettstisch Bewunderung und auch Neid. Vor allem aber steigt die Aufmerksamkeit dafür, wie die Merkel-Vertraute und CDU-Vizevorsitzende das viele Geld ausgeben wird.

Schavan hat große Pläne. So will sie

  • vier zusätzliche Gesundheitsforschungszentren schaffen, um Herzkrankheiten, Krebs, Infektions- sowie Lungenkrankheiten besser zu bekämpfen.
  • Die Energieforschung, die immer noch weit unter früherem Niveau liegt, soll massiv ausgebaut,
  • die Ansiedlung von Firmen auf dem Universitätscampus gefördert werden.
  • In der Bildungspolitik will die Ministerin benachteiligten Schülern stärker unter die Arme greifen und Förderprogramme für den Berufsanschluss nach dem Schulabschluss schaffen.
  • Eine bessere Studienfinanzierung möchte sie ebenso ermöglichen
  • wie neue Stipendien für Hochbegabte.

Doch einer wirklich wirksamen Verwendung der Gelder stehen Hindernisse entgegen. Vor allem das verkorkste Verhältnis zwischen Bund und Ländern macht der CDU-Politikerin zu schaffen. Seit der Föderalismusreform gibt es ein Verbot für Bund und Länder, in der Bildungspolitik zu kooperieren, sofern nicht alle Länder zustimmen. Da einige Länder nun in extremer Finanznot sind, verhindert die Regelung eine sinnvolle Zusammenarbeit mit den anderen.

Schavan muss versuchen zu mogeln

Am kommenden Donnerstag wird das zu spüren sein, wenn Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten über die Bildungspolitik verhandelt. Klamme Länder, etwa Schleswig-Holstein und Hessen, wehren sich gegen höhere Investitionen. Das 2008 auf dem Dresdner Bildungsgipfel gefasste Ziel, möglichst bis 2015 zehn Prozent der Bruttosozialprodukts für Bildung und Forschung auszugeben, rückt ebenso in die Ferne wie eine bundesweite Bildungspolitik aus einem Guss.

Statt die besten Förderprogramme zu konzipieren, muss Schavan ihre Kreativität darauf verschwenden, sich um das Verbot herumzumogeln. Nur eine Grundgesetzänderung könnte diesen Missstand beseitigen.

Auch für eine effektive Forschungsförderung gibt es Hemmnisse. Dass 1001 Fördertöpfe existieren und kaum jemand mehr den Überblick hat, zählt dazu. Noch schwerer wiegt, dass Schavan bisher vergeblich dafür eingetreten ist, Wissenschaftler an staatlichen Instituten von hemmenden bürokratischen Auflagen und dem Joch des Beamtenrechts zu befreien.

Ihr geplantes Wissenschaftsfreiheitsgesetz konnte sie bis heute nicht durchsetzen. Und Innovationszentren von der Bedeutung des Silicon Valley sind in Deutschland bis heute auch deshalb nicht entstanden, weil die Regierung Steueranreize für Hotelübernachtungen und Agrardiesel statt für Firmenforschung setzt. Auch hier konnte sich Schavan bisher nicht behaupten.

Den Stellenwert von Bildung und Forschung hat Schavan gegen viele Widrigkeiten behauptet. Nun kann sie ihr neues Gewicht dafür einsetzen, dass sie das Geld nicht länger nach verkrusteten Regeln ausgeben muss.

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25.01.2011 von DiKi: Wie kann die Politik sparen,ohne die Konjunktur abzuwürgen?

Lieber Münchener,wenn Sie einen Vergleich zwischen Schröder und Merkel anstellen,dann sollten Sie aber nicht nur das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vergleichen! Wie sieht es denn z.B.mit den Arbeitslosenzahlen in der Ära [...] mehr...

14.01.2011 von Knippi2006:

Nun, China hat sein 500 Mrd. Konjunkturprogramm leider erst nach der OECD-Prognose aufgelegt. Das zumindest fehlte der OECD. Im übrigen sind Prognosen hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklung über längere Zeiträume ohnehin [...] mehr...

14.01.2011 von syramon:

Hier sollte man sich keine Illusionen machen, Politiker sparen nicht, sie geben aus. Da D. keine Direktdemokratie ist, wo der Bürger der Politik Fesseln anlegen kann, z.B. mittels eines Schuldenstopps festgeschrieben in der [...] mehr...

14.01.2011 von Palmstroem: Merkels Wirtschaftswunder

Wenn man die OECD-Prognose für 2010 betrachtet, war die Tigerente doch wirklich Klasse! *OECD erwartet für Deutschland 700.000 mehr Arbeitslose* Der von der Finanzkrise verursachte Konjunktureinbruch wird nach Meinung der [...] mehr...

14.01.2011 von Knippi2006:

Na Palmstroem, wieder zu viel Prozac geschluckt und vergessen die rosarote Brille abzunehmen? Wirtschaftswachstum von 3,6 % in 2010 ein Rekordwachstum? Ja, nachdem das BIP in 2009 um – 4,7 % geschrumpft ist, ist das [...] mehr...

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