ThemaDie Spar-DebatteRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.06.2010
 

Sparzwang

Bund will 15.000 Stellen streichen

Kanzlerin Merkel: Millionen hier, Milliarden dort Zur Großansicht
dpa

Kanzlerin Merkel: Millionen hier, Milliarden dort

Woher sollen die Milliarden kommen, die im Bundeshaushalt fehlen? Bei der jetzt beginnenden Klausur wird heftig um Einzelposten gefeilscht werden. Doch auf eine Reihe von Sparmaßnahmen hat sich die Regierung nach SPIEGEL-Informationen vorab verständigt.

Hamburg - Eine Einsparung ist bereits bekannt: Kanzlerin Angela Merkel und der Tross der Minister verzichten auf die Fahrt nach Meseberg. Die Sparklausur findet im Berliner Kanzleramt statt und nicht in dem feudalen Schloss in Brandenburg, dem Gästehaus der Bundesregierung, das rund 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt liegt.

Am Sonntag und Montag stehen die Eckpunkte für den Haushalt 2011 und den Finanzplan bis 2014 zur Debatte, und es werden tiefe Einschnitte erwartet. Bilder von barocker Idylle würden wohl kaum zu den Härten passen, die die Regierung beschließen wird.

Denn es gilt die Vorgabe: Bis 2016 muss das Defizit im Bundesetat jedes Jahr um rund zehn Milliarden Euro sinken, um nicht die neue Schuldenbremse im Grundgesetz zu verletzen. Wo also sparen? Welche Steuern erhöhen, welche Abgaben einführen?

Bereits vor Beginn der Klausur im Kanzleramt hat sich die Regierung nach SPIEGEL-Informationen auf eine Reihe von Maßnahmen zum Sparen und zur Einnahmenverbesserung verständigt, die stattliche Summen erbringen:

  • Mehr als 400 Millionen Euro sollen eingespart werden, die der Bund für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zuschießen sollte. Das Projekt könne erst realisiert werden, wenn die Bundesfinanzen saniert sind, heißt es in der Regierung.
  • 800 Millionen Euro sollen von nächsten Jahr an bei den Verwaltungsausgaben des Bundes gekürzt werden. Erreicht werden soll dies durch den Abbau von 15.000 Stellen in der Bundesverwaltung bis 2014.
  • 500 Millionen Euro soll Familienministerin Kristina Schröder (CDU) beim Elterngeld einsparen. Einschnitte bei Sozialleistungen sind also nicht mehr tabu.
  • Zwei Milliarden Euro sollen allein dadurch gespart werden, dass die Bundesagentur für Arbeit Leistungen an Arbeitslose künftig vermehrt nach eigenem Ermessen verteilen kann und nicht mehr durch gesetzliche Vorgaben gebunden sein wird. Im Jahr 2014 könnte diese Maßnahme dann schon sechs Milliarden Euro oder mehr bringen.
  • Die für kommende Jahr geplante Besoldungserhöhung für Bundesbeamte soll ausfallen.
  • Unternehmen, die zurzeit bei der Ökosteuer begünstigt sind, sollen in Zukunft mehr zahlen. Verschont bleiben dabei Firmen, die im internationalen Wettbewerb stehen.
  • Die Bahn soll einen Beitrag zur Gesundung der Staatsfinanzen leisten. Sie soll künftig jährlich eine Dividende von 500 Millionen Euro an den Bund abliefern.
  • Als Gegenleistung für die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken sollen deren Betreiber künftig eine Brennelementesteuer entrichten. Sie wird ein Aufkommen von 2,5 Milliarden Euro im Jahr haben.

Die Kanzlerin hatte bereits am Samstag deutlich gemacht, wie das Schuldenproblem angegangen werden soll: Der Rotstift soll bei den Sozialausgaben angesetzt werden. Das Verhältnis von Zukunftsinvestitionen und Sozialausgaben müsse neu austariert werden. "Das kann nicht einfach dadurch geschehen, dass man immer die Einnahmenseite erhöht, sondern das muss dadurch geschehen, dass man dann auch Strukturen der sozialen Sicherheit effizienter macht."

Merkel wies indirekt auch den CSU-Vorstoß nach einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes zurück. "Wir müssen einen Kurs fahren, bei dem klar wird, wir geben nur das aus, was wir eingenommen haben." Doch eine Anhebung von Steuern schloss sie dem Vernehmen nach auch nicht gänzlich aus.

jul/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 3312 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.01.2011 von DiKi: Wie kann die Politik sparen,ohne die Konjunktur abzuwürgen?

Lieber Münchener,wenn Sie einen Vergleich zwischen Schröder und Merkel anstellen,dann sollten Sie aber nicht nur das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vergleichen! Wie sieht es denn z.B.mit den Arbeitslosenzahlen in der Ära [...] mehr...

14.01.2011 von Knippi2006:

Nun, China hat sein 500 Mrd. Konjunkturprogramm leider erst nach der OECD-Prognose aufgelegt. Das zumindest fehlte der OECD. Im übrigen sind Prognosen hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklung über längere Zeiträume ohnehin [...] mehr...

14.01.2011 von syramon:

Hier sollte man sich keine Illusionen machen, Politiker sparen nicht, sie geben aus. Da D. keine Direktdemokratie ist, wo der Bürger der Politik Fesseln anlegen kann, z.B. mittels eines Schuldenstopps festgeschrieben in der [...] mehr...

14.01.2011 von Palmstroem: Merkels Wirtschaftswunder

Wenn man die OECD-Prognose für 2010 betrachtet, war die Tigerente doch wirklich Klasse! *OECD erwartet für Deutschland 700.000 mehr Arbeitslose* Der von der Finanzkrise verursachte Konjunktureinbruch wird nach Meinung der [...] mehr...

14.01.2011 von Knippi2006:

Na Palmstroem, wieder zu viel Prozac geschluckt und vergessen die rosarote Brille abzunehmen? Wirtschaftswachstum von 3,6 % in 2010 ein Rekordwachstum? Ja, nachdem das BIP in 2009 um – 4,7 % geschrumpft ist, ist das [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Die Spar-Debatte

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Leseraufruf

DPA
Ganz Deutschland spricht vom Sparen. Städte und Gemeinden setzen überall den Rotstift an, um die Löcher in den Haushalten zu stopfen. Aber wird auch sinnvoll gestrichen? Oder eher sinnlos gekürzt? Schicken Sie Ihre skurrilsten Erfahrungen an sparen@spiegel.de. Betreff: Rotstift.

Mit der Einsendung bestätigen Sie, dass Sie einer honorarfreien Veröffentlichung zustimmen.

Hintergrund: Die neue Föderalismusreform

Neue Schuldengrenzen

Bund und Länder wollen im Grundgesetz Obergrenzen für Neuschulden festsetzen. Grundsätzlich steht für beide das Ziel im Vordergrund, von 2020 an keine neuen Kredite mehr aufzunehmen. Für die Länder gilt ab diesem Zeitpunkt ein striktes Neuverschuldungsverbot. Für den Bund soll zwar von 2011 an eine Obergrenze der Neuverschuldung von 0,35 Prozent festgesetzt werden, er räumt sich aber dafür bis 2016 eine Übergangsfrist ein. In Konjunkturkrisen und Notsituationen wie Naturkatastrophen sind unter strengen Bedingungen, die noch nicht abschließend geklärt sind, Ausnahmen möglich. In wirtschaftlich guten Jahren müssen Rücklagen gebildet oder Schulden getilgt werden.

Hilfe für ärmere Länder

Frühwarnsystem

Verwaltungs- und Steuerreformen

Offene Streitfragen






TOP



TOP