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07.06.2010
 

Sparpaket

Die schwarz-gelbe Rotstift-Regierung

Von Sven Böll, Katharina Peters, Michael Kröger, Veit Medick, Severin Weiland und Philipp Wittrock

Angela Merkel, Guido Westerwelle: Gut gelaunt trotz SparpaketZur Großansicht
REUTERS

Angela Merkel, Guido Westerwelle: Gut gelaunt trotz Sparpaket

Tiefe Einschnitte im Sozialetat, Milliardenbeiträge aus der Wirtschaft: Am Sparpaket der Bundesregierung sollen die Finanzen der Republik in den kommenden Jahren gesunden. SPIEGEL ONLINE analysiert, wer unter den Plänen am meisten leidet - und wer vom Rotstift verschont bleibt.

Berlin - Das Ergebnis dieses "einmaligen Kraftakts", wie die Kanzlerin es ausdrückt, ist ein ziemlich nüchternes Papier. Knapp sieben Seiten, dazu eine Tabelle von noch einmal anderthalb Seiten mit reichlich Zahlen. So sieht es aus, das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik, das "die Grundpfeiler unserer Zukunft stärken" soll. Das zumindest verheißt die Überschrift.

Als Angela Merkel und Vizekanzler Guido Westerwelle am Montagnachmittag ihren historischen Finanzplan für die nächsten Jahre endlich vorstellen, liegt der aber erstmal nicht vor. Hilflose Blicke bei der Regierungschefin und ihrem Vize. Irgendjemand hätte den zahlreichen Journalisten in der Berliner Bundespressekonferenz das dünne Dokument doch verteilen sollen.

Hat aber keiner. So viel zur Kommunikation über die Weichenstellung "für die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in den nächsten Jahren", die Merkel angekündigt hat.

Zur offiziellen Präsentation gibt es somit erst einmal ein verbales Zahlengewitter. 11,2 Milliarden Euro will die schwarz-gelbe Bundesregierung 2011 sparen, bis 2014 sollen es insgesamt gar 80 Milliarden Euro sein, um die vom kommenden Jahr an geltende grundgesetzliche Schuldenbremse einzuhalten. Große Einschnitte bei den Leistungen für Arbeitslose und Familien stehen an, auch der Wirtschaft drohen Milliardenbelastungen.

Allein die Bereiche Bildung, Forschung und im Wesentlichen der Verkehrsetat bleiben nach der etwa 16-stündigen Klausurtagung der Regierung am Sonntag und Montag von der Aktion Rotstift ausgenommen. Um die Besitzstände wurde in allen Ressorts hart gerungen, ist aus Koalitionskreisen zu hören, von "anspruchsvollen Einzelgesprächen" ist die Rede.

Die FDP etwa hat in den Verhandlungen erfolgreich darauf gedrängt, dass unter keinen Umständen Steuererhöhungen im Paket enthalten sind. Also kommt es nun weder zu einem Aufschlag auf die Tabaksteuer, geschweige denn zu Erhöhungen bei der Einkommen- oder Mehrwertsteuer. Maßnahmen unter dem Etikett Steuererhöhungen, die mancher Unionspolitiker zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen erwog, hätte Westerwelle seiner Partei kaum vermitteln können, nachdem diese sich vor einigen Wochen endgültig von ihren Steuersenkungsträumen verabschieden musste.

Scharfe Kritik von der Opposition

Die Opposition hätte dagegen gern an der Steuerschraube gedreht - zumindest für Spitzenverdiener. Entsprechend scharf fällt die Kritik am Sparpaket aus. Sigmar Gabriel erkennt "ein Dokument des Versagens". Union und FDP schonten ihre Klientel, aber "schröpfen Arbeitslose und Familien", wettert der SPD-Chef. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth empört sich über ein "Programm der aktiven Reichtumspflege", Linke-Fraktionschef Gregor Gysi wittert "einen Anschlag auf den sozialen Frieden und die Demokratie im Land und ruft die Bevölkerung bereits zu "breitem öffentlichen Widerstand" auf.

Die Regierung weist den Vorwurf ungerechter Kürzungen zurück. Ausgewogen und gerecht sei das Sparpaket, heißt es am Montag, Vizekanzler Westerwelle mahnt aber auch: "80 Milliarden Euro sparen sich aber auch nicht mit der Nagelschere."

Bis Anfang Juli will die Regierung nun die Details des Konzepts ausarbeiten, Mitte August soll das Kabinett das Paket beschließen, dann geht es ins Parlament. Korrekturen am Sparpaket sind dabei nicht ausgeschlossen. Bis zum Sommer will Schwarz-Gelb auch die Eckpunkte der umstrittenen Gesundheitsreform vorlegen. Viel Arbeit also. "Das erfordert alles viel Geduld", sagt Westerwelle und fügt mit Blick auf den jüngsten Schlagabtausch zwischen FDP und CSU hinzu: "Und Liebe."

SPIEGEL ONLINE analysiert im Folgenden die Sparpläne der Regierung. Wer profitiert, wer verliert?

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26.06.2010 von 1810234:

Ich sehe das wie Sie. Und man schließt von sich auf andere. mehr...

26.06.2010 von klaus meucht: Menschenbild

Wer nicht gut zu anderen Menschen ist, ist deshalb sicherlich noch kein Faschist. Aber das mit dem Menschenverachter scheinen ja bei Ihren Postings zu stimmen: Sie haben generell ein schlechtes Menschenbild. Sie gehen [...] mehr...

26.06.2010 von SIBO:

Gut und folgerichtig gekontert. Schon irre, was man sich hier so alles anhören muss, aber da stehen wir drüber ;-) mehr...

26.06.2010 von SIBO:

Hätte ich auch kein Problem damit - kenne noch ein paar Mitstreiter, die da durchaus dabei wären ;-) mehr...

26.06.2010 von henningr:

Zur geistigen Eilte gehört er sicher nicht, was andere Eliten betrifft, passt er doch gut ins Bild? Hier das Neueste von der geistigen Elite - schade dass man die nur noch im kabaret finden kann: [...] mehr...

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Eckpunkte des schwarz-gelben Sparpakets

Die schwarz-gelbe Regierung hat das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik geschnürt. 80 Milliarden Euro will sie bis 2014 einsparen. Der Überblick zeigt, in welchen Bereichen gekürzt wird.

Sozialleistungen

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Bund und Beamte

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Hintergrund: Die neue Föderalismusreform

Neue Schuldengrenzen

Bund und Länder wollen im Grundgesetz Obergrenzen für Neuschulden festsetzen. Grundsätzlich steht für beide das Ziel im Vordergrund, von 2020 an keine neuen Kredite mehr aufzunehmen. Für die Länder gilt ab diesem Zeitpunkt ein striktes Neuverschuldungsverbot. Für den Bund soll zwar von 2011 an eine Obergrenze der Neuverschuldung von 0,35 Prozent festgesetzt werden, er räumt sich aber dafür bis 2016 eine Übergangsfrist ein. In Konjunkturkrisen und Notsituationen wie Naturkatastrophen sind unter strengen Bedingungen, die noch nicht abschließend geklärt sind, Ausnahmen möglich. In wirtschaftlich guten Jahren müssen Rücklagen gebildet oder Schulden getilgt werden.

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