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14.06.2010
 

Chiffren und Decknamen

Die geheimen Codes der RAF-Terroristen

Von Michael Sontheimer

RAF: Fahndungsplakat aus dem Jahr 1980Zur Großansicht
Getty Images

RAF: Fahndungsplakat aus dem Jahr 1980

Christian Klar trat als "Ede" auf, Gudrun Ensslin als "Grete", und Ulrike Meinhof war "Anna" - die Terroristen der RAF arbeiteten mit Decknamen und Codeworten. Wenn es den Fahndern gelungen wäre, den Code zu entschlüsseln, hätten sie wohl einige tödliche Aktionen verhindern können.

Berlin - Es war Peter-Jürgen Boock, der den Bundesanwälten schließlich auf die Sprünge half. Der Aussteiger der Roten Armee Fraktion (RAF) gab preis, welche seiner einstigen RAF-Genossen im Herbst 1976 welchen Decknamen trugen. Bei einer Vernehmung im Mai 2007 hatte Boock sich bereits an die Tarnnamen aus seiner Zeit als Terrorist zu erinnern versucht. "Paula" sagte er, das könne wohl Verena Becker gewesen sein. Bei einer erneuten Vernehmung bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe im November 2009 war der RAF-Aussteiger sich dann sicher, dass die inzwischen wegen des Mordes an Siegfried Buback angeklagte Becker diesen Decknamen getragen habe.

Bis dahin waren die Bundesanwälte in puncto RAF-Code weitgehend im Dunkeln getappt, und zwar seit dem 30. November 1976. An diesem Tag konnten Polizisten bei Butzbach auf der Autobahn zwei RAF-Kader festnehmen:

  • Siegfried Haag, Rechtsanwalt aus Heidelberg, der den 1974 in einem Hungerstreik gestorbenen RAF-Mann Holger Meins vertreten hatte;
  • und Roland Mayer, der einige Monate zuvor mit Karlsruher Freunden wie Christian Klar und Günter Sonnenberg in den Untergrund gegangen war.

Das Duo hatte insgesamt drei Taschen mit brisanten Dokumenten dabei, mit Strategiepapieren und Arbeitsplänen der RAF. Den Ermittlern von Bundesanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt bot sich eine rare Chance, endlich Erkenntnisse über die Gruppe zu gewinnen.

Fatale Fehler der Fahnder

Heute ist klar: Hätten Fahnder damals die Dokumente entschlüsseln können, dann hätten sie die "Offensive 77" der RAF oder zumindest einen Teil der in ihrem Rahmen geplanten Aktionen verhindern können: das Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback etwa, die versuchte Entführung des Bankiers Jürgen Ponto, bei der dieser erschossen wurde; die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer.

Unter den beschlagnahmten Papieren befand sich ein Arbeitsplan, den die Gruppe bei einer Vollversammlung bei Goslar im Harz erstellt hatte. Zwölf Decknamen waren auf dem Diagramm verzeichnet, doch die Ermittler konnten nur drei entschlüsseln.

Bei weiteren Zuordnungen machten sie fatale Fehler. So identifizierten sie Johannes Thimme, einen ehemaligen Schulkameraden und Freund Christian Klars, als "Tim". Thimme, der zwar die RAF unterstützte, aber ihr nie angehörte, saß dann unter anderem wegen "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" 22 Monate in strikter Einzelhaft. Später war er wegen des Verteilens eines Flugblatts, das zur "Solidarität mit der RAF" aufrief und als Werbung für eine terroristische Vereinigung gewertet wurde, zu anderthalb Jahren Haft verurteilt worden. Im Januar 1985 kam er in Stuttgart bei dem Versuch, eine selbstgebaute Bombe zu legen, zu Tode.

In Wahrheit stand "Tim" nicht für Thimme, sondern für Peter-Jürgen Boock. Die übrigen Mitglieder der Gruppe trugen nach Angaben ehemaliger RAF-Leute und von Boock folgende Decknamen:

Verena Becker: Paula
Waltraud Boock: Inge
Siegfried Haag: Egon
Rolf Heißler: Karl
Sieglinde Hofmann: Olga
Christian Klar: Ede
Friederike Krabbe: Käthe
Roland Mayer: Michael
Günter Sonnenberg: Bodo
Rolf Klemens Wagner: Anton
Stefan Wisniewski: Hans

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Zum Thema Vietnamkrieg: Der Grund war in erster Linie der Ost-west-Konflikt. Die USA stellten sich, "in Vertretung " Frankreichs auf die Seite Südvietnams. Da mussten die Ostblockstaaten und China sich natürlich [...] mehr...

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14.06.2010 von Koda: Merkel als Kindergärtnerin agiert, ist schlimm?

Viel schlimmer ist doch, dass sie es tatsächlich tun muss, da die anderen Herren und Frauen Politiker sich als eben das aufführen. mehr...

14.06.2010 von coriolanus: Maos Fische im Wasser

Triebkräfte der RAF waren Hass und Verblendung. Hass auf das "Schweinesystem" und paranoider "Antiimperialismus". Das Umfeld an Sympatisanten war - auch heute noch überraschend - gross. Oft trennte nur das [...] mehr...

14.06.2010 von PeteLustig: ..

Ich denke, die sympathisierende Minderheit konstruiert sich mit diesem regelmäßig vorgebrachten Mythos seit Jahren selbst den letzten und einzigen Triumph gegenüber den Behörden. Googlen hilft. Der angeblich unbekannte Kreis [...] mehr...

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AP
Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader galten als führende Köpfe der Roten Armee Fraktion (RAF).

Baader und Ensslin legten 1968 Brände in zwei Kaufhäusern in Frankfurt am Main, mit dieser Aktion begann der RAF-Terror in Deutschland.

Nach Mord- und Bombenanschlägen wurden Baader, Ensslin, Raspe und zwei weitere RAF-Mitglieder im Juni 1972 gefasst. Ihre Gesinnungsgenossen machten weiter und ließen sich von palästinensischen Freischärlern ausbilden.

1977 erreichte die Terrorwelle ihren Höhepunkt: Palästinensische Terroristen kaperten die Lufthansa-Maschine "Landshut" und wollten die Freilassung inhaftierter RAF-Leute erpressen. Eine Sondereinheit der GSG 9 stürmte das Flugzeug. Alle Geiseln überlebten, drei der vier Entführer wurden erschossen.

Wenige Stunden nach Bekanntwerden der Befreiungsaktion begingen Baader, Ensslin und Raspe im Hochsicherheitsgefängnis von Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Einen Tag nach der Obduktion begann Bildhauer Georg Halbritter seine Arbeit an den Leichen und fertigte Totenmasken an.

Sie sind auf der Flucht

BKA
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Till Meyer: Er gehörte zu den Entführern des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz, später war er als Inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig. Heute arbeitet Meyer als Journalist. mehr...




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