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10.06.2010
 

Opel-Krise

Merkels gelbe Geisterfahrt

Von Severin Weiland

Merkel bei Opel (2009): Bei den Beschäftigten Hoffnungen geweckt Zur Großansicht
ddp

Merkel bei Opel (2009): Bei den Beschäftigten Hoffnungen geweckt

Die Kanzlerin will Opel helfen - doch gegen das Votum von Wirtschaftsminister Brüderle kann Angela Merkel keine Staatsgelder bereitstellen. Der CDU-Chefin droht nun eine peinliche Schlappe, und die Liberalen feiern nach zahlreichen Demütigungen wieder einen politischen Erfolg.

Berlin - Der Termin steht: Am 28. Juni wird Kanzlerin Angela Merkel in Rüsselsheim Opel-Chef Nick Reilly treffen, trotz der jüngsten Turbulenzen. Der Ort könnte symbolischer nicht sein - das Oldtimer-Museum des Konzerns. Denn darum geht es in diesen Tagen auch: Wird Opel in Deutschland überleben? Oder wird man die letzten Modelle aus Rüsselsheim irgendwann nur noch in Ausstellungsräumen bestaunen?

Opel schien der geeignete Ort, um gute Nachrichten zu verkünden. Merkels Stippvisite Ende Juni dient einem Parteitreffen - die Vorsitzenden aller Unionsfraktionen kommen an diesem Tag in Rüsselsheim zusammen. Doch dass die Kanzlerin dann in Sachen Opel eine Erfolgsmeldung präsentiert, wird immer unwahrscheinlicher.

Denn in diesen Tagen, mitten in den schwarz-gelben Dauerturbulenzen, ist nichts mehr sicher. Die Entscheidung des liberalen Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle vom Mittwoch, dem Konzern keine Milliardenbürgschaft aus dem Deutschlandfonds zu geben, setzt Merkel unter Druck. Schon vor Monaten hat sie Opel zu ihrer Angelegenheit gemacht. Für ihren Einsatz ließ sie sich im vergangenen Jahr von den Opel-Arbeitern feiern. Geht der Autobauer nun pleite, wäre das für sie eine peinliche Niederlage.

Zwar verkündete Merkel am Mittwoch, in Sachen Opel sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Doch den ganz großen Konflikt mit Brüderle will sie offenbar nicht riskieren - zumindest vorerst schwenkt sie auf seine Linie ein. Am Donnerstag hat sich Merkel mit den Ministerpräsidenten der vier Länder mit Opel-Standorten getroffen. Nun sollen die Landeschefs helfen.

Brüderles Linie war hinlänglich bekannt

Alternativen werden gesucht - etwa ein Kredit der Europäischen Investitionsbank. Das Problem: Auch dafür müsste der Staat bürgen, am Ende wäre Brüderle wieder mit dabei - seine Zustimmung gilt als unwahrscheinlich. "An Brüderle kommt die Kanzlerin nicht vorbei", heißt es in Unionskreisen. Rheinland-Pfalzs Regierungschef Kurt Beck (SPD) sagt nach dem Treffen, Merkel habe keinen neuen Weg zur Unterstützung von Opel aufgezeigt: "Wir sind alle bitter enttäuscht."

Die Kanzlerin hat nicht viel anzubieten. Opel werde keine Bundeshilfen aus dem Deutschlandfonds erhalten, das Unternehmen könne jedoch wie alle anderen Autokonzerne auf Forschungsmittel des Bundes zurückgreifen, sagt sie nach dem Treffen mit den Ministerpräsidenten. Dies gelte etwa für die Entwicklung neuer Antriebstechnologien. "Weitergehende Zusagen konnte der Bund heute nicht machen", sagt Merkel.

Ihr Pech: Die FDP verfolgt in Sachen Opel von Anbeginn eine andere Linie, schon zu Oppositionszeiten. Brüderles Haltung war bekannt - hinlänglich. Bereits vor einer Woche, bei einem Treffen im Kanzleramt, hatte er seine Skepsis deutlich gemacht. Die Entscheidung des Lenkungsausschusses wurde vertagt, die Sparklausur sollte nicht überschattet werden. Nun zog Brüderle die praktische Konsequenz und präsentierte sich als Ordnungspolitiker. "Nach den Konjunkturprogrammen, von denen Opel doppelt profitiert hat, muss das Pendel wieder Richtung Markt schwingen", sagt er.

FDP-Politiker droht mit Nicht-Wahl von Wulff

Dafür wird Brüderle, der selbst in der FDP in letzter Zeit kaum Ansehen genossen hat, nun bei den Liberalen umso mehr gefeiert. "Die Entscheidung des Ministers ist eindeutig. Er ist auch zuständig, sie zählt. Und ich unterstütze sie auch mit großem Nachdruck", sagt Vizekanzler und FDP-Chef Guido Westerwelle.

Noch weiter geht Hans-Ulrich Rülke, der Fraktionschef der baden-württembergischen Liberalen. Er warnte die Union davor, die FDP im Streit um Opel weiter zu beschädigen. Der "Stuttgarter Zeitung" sagte Rülke, in einigen Landesverbänden habe sich viel Unmut aufgestaut. Dieser könnte sich bei der Bundespräsidentenwahl ein Ventil suchen. Mit anderen Worten: Sollte Merkel doch noch Hilfen für Opel locker machen, könnten manche Liberale gegen den Präsidentschaftskandidaten Christian Wulff (CDU) stimmen.

Es sei unerfreulich, dass die Union immer wieder Dinge, die gemeinsam vereinbart worden seien, infrage stelle, sagte Rülke. Unter Umständen sei es dann eine Kleinigkeit, die das Fass zum Überlaufen bringe. Es wäre gut möglich, dass Opel diese Kleinigkeit sei, warnte er.

Die Schuld an der Misere wird der Kanzlerin zugeschoben. "Angela Merkels Bekenntnis zum Sparpaket einerseits und ihre Zusage an General Motors andererseits - das passt schlecht", sagt FDP-Generalsekretär Christian Lindner zu SPIEGEL ONLINE. "Sie muss sehen, wie sie das nun zusammenbringt", sagt er. "Ein US-Konzern mit Milliardenreserven braucht keine Stütze vom deutschen Steuerzahler. Natürlich weiß das auch die Bundeskanzlerin", so der Liberale.

Verheerendes Signal an die Öffentlichkeit

In der Öffentlichkeit wirkt der Streit verheerend. Merkels Auftritt am Mittwochabend, die Tonlage, mit der sie da Brüderles Diktum salopp wegwischte - das letzte Wort sei "natürlich" noch nicht gesprochen, all das wird in der FDP wütend beobachtet. "So, wie sie es gemacht hat, war es eindeutig ein Affront", heißt es in Berlin. Sie hätte auch andere Worte finden können - kurzum diplomatischere.

Bei den Liberalen zeigt man sich überrascht, dass Merkel die Opel-Sache überhaupt so vehement an sich gezogen hat, obwohl sie doch auch wissen müsste, dass es rechtlich kaum Auswege gebe. "Möglicherweise handelt sie in der Hoffnung, dass sie zwar in eine Sackgasse geht, aber vielleicht ist da am Ende doch noch ein Ausweg", sagt ein Liberaler.

Schon in ruhigeren Zeiten wäre der Dissens ungewöhnlich gewesen, in diesen Tagen aber wird er zum Symptom der schwarz-gelben Beziehungskrise schlechthin. Der öffentliche Eindruck des Missklangs ist verheerend, das wissen die Beteiligten. Und doch können sie nicht anders. Denn es geht um viel mehr als um eine Sachentscheidung. Es geht um die Selbstachtung der Liberalen. Die haben seit Wochen miterleben müssen, wie ein Thema nach dem anderen abgeräumt wurde. Erst die Steuersenkung, dann die Gesundheitsprämie. Es steht 2:0 für die Union - Opel ist so etwas wie ein Konter der Liberalen. Sie haben den Anschlusstreffer erzielt. Mit Ankündigung, Brüderle hatte das Kanzleramt über seine Haltung informiert.

Bei der FDP hat man das Kapitel Opel abgeschlossen

Am Donnerstagmorgen können die FDPler im Thomas-Dehler-Haus in Berlin nachlesen, dass die Entscheidung des Ministers in den Medien Applaus findet. Sie sei nicht gut oder schlecht, sondern "einfach richtig", so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Und selbst die "Süddeutsche Zeitung" attestiert Brüderle: "Er war stets gegen staatliche Bürgschaften für den Autobauer - zu Recht: Opel hatte lange vor der Krise Probleme."

Bei den Liberalen scheint man das Kapitel Opel nun abgeschlossen zu haben. Zwar steht das Bundeswirtschaftsministerium für die Länder weiter als Ansprechpartner zur Verfügung, auch soll Brüderle das Gespräch mit Opel nochmals suchen. Große Hoffnungen mache man sich aber nicht, heißt es aus einem der Länder. Und FDP-Chef und Vizekanzler Guido Westerwelle sagt: "Wenn die Bundesländer anders entscheiden, ist es nicht eine Angelegenheit der Bundesregierung."

Mit Material von dpa

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Dann wäre es wohl besser, Aufgrund der Gleichberechtigung, geschlechtsneutrale Autos zu bauen? Ist wie früher. Bürger war früher jeder, egal ob männlich oder weiblich, also eine geschelchtsneutrale Bezeichnung. Irgendwann [...] mehr...

05.10.2010 von Ursuseli: Opel winke winke

Einerseits schade das Opel kaputt geht. Es werde einige Arbeitsplätze im ach so schönen Thüringen verloren gehen. Aber wer mag schon die Thüringer?? Wir Sachsen jedenfalls nicht. Ich fahre sowieso Mercedes und würde einen [...] mehr...

25.06.2010 von notty:

Nein, von Merkel.... mehr...

23.06.2010 von FoxhoundBM:

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23.06.2010 von rafkuß: Ah, ein Superhirn!

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