SPIEGEL ONLINE: Hat sich Ihre Einschätzung, ob Sie Präsident werden können, seit der Nominierung und dem anhaltenden Trubel geändert?
Gauck: Ein wenig schon. Und dennoch werde ich nicht abheben - das an all meine alten Bekannten.
Gauck: Rot-Rot-Grün wünsche ich mir nicht und kann es mir auch überhaupt nicht vorstellen. Die SPD ist nicht so verfasst, in der schwierigen, aktuellen Situation so etwas zu versuchen. Darauf würde ich eine Menge wetten. Ein Bündnis mit der Linken scheint mir im Moment in der SPD auch gar nicht durchsetzbar zu sein. Der Linkspartei fehlt die programmatische Verlässlichkeit.
SPIEGEL ONLINE: Die Linkspartei will Sie aus mehreren Gründen nicht wählen. Beispielsweise wirft Ihnen die Linken-nahe Schriftstellerin Daniela Dahn vor, Sie würden die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze verweigern. Trifft das zu?
Gauck: Ich habe in einem Nachwort zum "Schwarzbuch des Kommunismus" die Akzeptanzprobleme der kommunistischen Herrschaft nach 1945 im Osten Deutschlands besprochen und in diesem Zusammenhang auch die Proteste und das Unverständnis der Menschen gegen die neue Grenze erwähnt. Bis weit in die SED hinein gingen damals die Proteste. Und noch 1961 hatte die SPD im Wahlkampf im Westen formuliert "Dreigeteilt - niemals". Aus einem Bericht über Lebensgefühle der Damaligen leitet Frau Dahn die Auffassung des heutigen Joachim Gauck ab. Ich empfinde das als infam. Wenn das von eingefleischten Parteikadern käme - ich könnte damit leben. Aber die als Intellektuelle geltende Dahn erwähnt Zitate von mir, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen sind. Das ist nicht zu akzeptieren, weder menschlich noch intellektuell.
SPIEGEL ONLINE: Ihnen wird auch Antikommunismus vorgeworfen.
Gauck: Ich habe kommunistische Bewegungen, wenn sie beispielsweise in Südamerika gegen Unterdrückung gekämpft haben, immer als Verbündete gesehen. Ich habe dort Kommunisten getroffen, die für freie Gewerkschaften gekämpft haben, für Menschenrechte. Aber überall dort, wo Kommunisten herrschten und herrschen, gab und gibt es keine freien Gewerkschaften und auch keine freie Presse und keine freie Meinung. Mit dieser Art Kommunisten habe ich nichts gemeinsam.
SPIEGEL ONLINE: Ihr Verhältnis zur Linken ist vor allem wegen Ihres schwierigen Verhältnisses zu Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi zerrüttet.
Gauck: Mit Herrn Gysi verbindet mich persönlich eher wenig - um nicht zu sagen, nichts. Aber es gibt in dieser Partei durchaus Leute, mit denen ich mich verstehen könnte. Wobei der eine oder andere von denen inzwischen auch nicht mehr Mitglied ist. Und gerade bei den Jungen in der Linkspartei gibt es viele, die nicht vom alten Kommunismus träumen, sondern eine gerechtere Gesellschaft wollen. Da habe ich durchaus Sympathie, weil diese Leute mit der DDR nichts mehr zu tun haben.
SPIEGEL ONLINE: Angenommen, Sie würden am 30. Juni tatsächlich gewählt - worin sähe der Bundespräsident Gauck seine zentrale Aufgabe?
Gauck: Eines hätte ich jedenfalls vor: Darauf hinzuwirken, dass die Regierung ihre Politik besser erklärt. Beispiel Afghanistan: Warum sagen wir nicht in klaren Worten, was los ist? Dass unsere Soldaten dort im Auftrag der Vereinten Nationen Terrorismus bekämpfen und daneben noch eine Menge Gutes für die Menschen in Afghanistan tun. Oder das Sparpaket: Natürlich muss gespart werden - aber das muss der Bevölkerung vermittelbar sein.
SPIEGEL ONLINE: Sie finden das Sparpaket also richtig?
Gauck: Ich finde es richtig, zu sparen. Aber ich kann es nicht fair finden, dass diejenigen, die beim Sparen kaum etwas merken würden, rücksichtsvoller behandelt werden als die anderen, die es empfindlich trifft.
SPIEGEL ONLINE: Sollte es mit der Wahl zum Bundespräsidenten nicht klappen - was ist dann ihr Plan für den 1. Juli?
Gauck: Erstmal würde dann mein Urlaub in Wustrow an der Ostsee feststehen. Ich könnte da ungefragt an jede Stelle des Strands gehen, müsste keine Kleidungsfragen erörtern. Und auf jeden Fall werde ich am 2. Juli auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten erscheinen. Ich habe schon eine Einladung.
Interview: Florian Gathmann
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Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie die Kandidatur von Joachim Gauck in unserem neuen Forum 'Joachim Gauck - soll er Präsident werden?' unter der URL http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=17339. Danke sysop mehr...
Das ist u.a. der Stil in der deutschen Presse, der Horst Köhler zum Rücktritt veranlaßt hat. Respektlosigkeit ist Trumpf, die beginnt bei den Kindern gegenüber den Eltern, den Schüler gegenüber den Lehrern, den Azubis [...] mehr...
Man kann halt nur hoffen, dass sich dieses Schweigen im Falle von Mitgliedern der Bundesversammlung in der ein oder anderen Enthaltung entlädt. Das der Gabriel den Gauck gut findet, okay. Er kann halt nicht anders. Jetzt [...] mehr...
Täusche ich mich, oder weichen die Pro-Gauck-Testimonials aus dem rot-grünen Lager mehr und mehr betretenem Schweigen? Man ahnt wohl, was für ein Kuckucksei man da ausbrütet. Soll wirklich Gauck Präsident werden, nur weil Wulff [...] mehr...
Diese Zeitung lese ich nicht. Ihnen zuliebe kopiere ich aus www.bild.de: "Mitten im Wahlkampf dieser schreckliche Unfall! Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck (70) geschockt!" Zufrieden? mehr...
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