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21.06.2010
 

NRW

Grüne drohen mit Verfassungsklage gegen längere Laufzeiten

Grünen-Politikerin Löhrmann: "Die Belange der Länder sind unmittelbar berührt"Zur Großansicht
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Grünen-Politikerin Löhrmann: "Die Belange der Länder sind unmittelbar berührt"

Die rot-grüne Minderheitsregierung in NRW will notfalls auf juristischem Weg gegen die Verlängerung der AKW-Laufzeiten kämpfen. Grünen-Fraktionschefin Löhrmann drohte mit einer Verfassungsbeschwerde, falls die Bundesregierung den Bundesrat bei der Entscheidung übergehe.

Düsseldorf - Die schwarz-gelbe Bundesregierung prüft derzeit, ob sie den Bundesrat in die Entscheidung über die Verlängerung der Laufzeiten einbeziehen muss - die Grünen in NRW bereiten schon eine Reaktion auf den Beschluss vor. Sollte die Koalition in Berlin den Bundesrat bei der Entscheidung außen vor lassen, werde man Verfassungsklage einreichen, sagte die Grünen-Fraktionschefin in NRW, Sylvia Löhrmann, im WDR-Fernsehen.

Löhrmann begründete das Vorhaben mit den Folgen einer Laufzeitverlängerung für die Bundesländer. "Die Verlängerung der Laufzeiten bedeutet, dass wir mehr Atomtransporte haben. Und die finden durch die Länder statt, und deshalb haben nach unserer Rechtsauffassung die Länder ein Mitwirkungsrecht, weil ihre Belange unmittelbar berührt sind", sagte Löhrmann. Sie verwies darauf, dass sich durch mehr Atomtransporte für die Länder die Kosten für die Polizei und die Sicherung der Strecken erhöhten.

SPD und Grüne in NRW beginnen am Dienstag in Düsseldorf mit Koalitionsverhandlungen für die geplante rot-grüne Minderheitsregierung. Führende Vertreter beider Parteien verteidigten am Montag ihr Vorhaben.

NRW-SPD-General will mit Grünen "Koalition der Einladung" bilden

SPD-Chef Sigmar Gabriel gab sich zuversichtlich, dass die Minderheitsregierung bei der Suche nach parlamentarischen Mehrheiten im Landtag nicht allein auf die Linkspartei angewiesen sein wird. Die nordrhein-westfälische SPD-Chefin Hannelore Kraft werde das Angebot machen, im Parlament über Einzelabstimmungen sachlich zu diskutieren, sagte Gabriel. Er glaube nicht, dass CDU, FDP und Linke diese dann gemeinsam blockieren werden. "Ich bin ziemlich sicher, dass CDU und FDP keine Blockademehrheit zusammen mit alten DKP-Leuten werden machen wollen", so der SPD-Bundeschef im ZDF.

Die Minderheitsregierung sei "natürlich ein Risiko. Aber es nicht zu machen, wäre das größere Risiko gewesen", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir der "Saarbrücker Zeitung". Auf die Frage nach dem Druck der Bundesparteien auf die beiden Spitzenfrauen Kraft und Löhrmann antwortete Özdemir: "Es ist eine sehr machogeleitete Auffassung zu glauben, die Frauen in NRW müssten immer zu irgendetwas bewegt werden."

Nach den Worten von NRW-SPD-Generalsekretär Michael Groschek will seine Partei gemeinsam mit den Grünen eine "Koalition der Einladung" bilden. Im Parlament gebe es mehr Schnittmengen, als es die Fraktionsdisziplin erkennen lasse, sagte Groschek im Deutschlandfunk. "Ich bin sicher, bei den wichtigen inhaltlichen Abstimmungen wird es mindestens einen Abgeordneten geben, der sagt, das ist ein guter, ein kluger Lösungsansatz, dem stimme ich zu." Auch bei CDU und FDP sehe er etwa in der Frage nach der Abschaffung von Studiengebühren kein "geschlossenes Bollwerk".

Dobrindt: "Kraft ist von Machtgier getrieben"

Die NRW-CDU will nach den Worten ihres Generalsekretärs Andreas Krautscheid erst einmal in der Rolle der Opposition ankommen. "Und wenn wir schon keine sehr stabile Landesregierung bekommen, wollen wir wenigstens eine stabile Opposition sein", sagte Krautscheid dem WDR. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt warf der SPD-Politikerin Kraft "Demokratie-Demenz" vor. Kraft habe der Linkspartei zunächst bescheinigt, den Demokratietest nicht bestanden zu haben. Dennoch wolle sie nun mit dieser Partei zusammenarbeiten. Damit zeige Kraft, dass sie rein "von Machtgier getrieben" sei.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte am Wochenende angekündigt, bei der am 13. oder 14. Juli anstehenden Neuwahl des Regierungschefs nicht gegen die SPD-Politikerin Kraft antreten zu wollen. Bei der Landtagswahl am 9. Mai war Schwarz-Gelb in NRW abgewählt worden. Die CDU verlor mehr als zehn Prozentpunkte. SPD und Grünen fehlt im Landtag ein Mandat für eine absolute Mehrheit.

Nach wochenlangen erfolglosen Sondierungen mit anderen Parteien hatten SPD und Grüne am vergangenen Donnerstag die Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung angekündigt. Beim Auftakt der Koalitionsverhandlungen am Dienstag sollen nach Angaben von SPD-Sprecher Dirk Borhart unter anderem organisatorische Fragen auf der Tagesordnung stehen.

anr/ddp/apn

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insgesamt 4615 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.10.2010 von Palmstroem: Griechische Verhältnisse

Rot/Grün machen fast *10 Milliarden neue Schulden* in NRW - trotz komender Schuldenbremse. Politiker lieben Schulden. Damit können sie Wahlversprechen bezahlen, ohne sofort anderswo zu sparen. Und da die meisten Staatsschulden [...] mehr...

16.10.2010 von mbraun09:

Wenn ich sowas lese, wird mir schlecht. mehr...

16.10.2010 von astrid1814: Das Problemchen....

ist, dass die Partei mit 46% eben keine Mehrheit hat, weil die anderen zusammen 54% haben. Ist doch nicht so schwer, oder? Sie wären mit Ihrem Demokratieverständnis ein passender Royal. mehr...

16.10.2010 von mbraun09:

So wird die Partei und der Wäheranteil, der die Mehrheit der STimmen hat gepflegt ignoriert. Wenn das ihre Vorstellung von Demokratie ist, wären wir wohl mit einem König besser bedient. mehr...

05.10.2010 von syramon:

Aber das sind doch Todesurteile auch.Hier kommt es doch eher auf die Qualität an, z.B. wie und unter welchen Umständen ist eine Abstimmungzustande gekommen.Auch, und gerade in sogn. Demokratien sind faule Kompromisse bei [...] mehr...

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Minderheitsregierungen in Deutschland

Nordrhein-Westfalen

DPA

Nordrhein-Westfalen hat bislang drei Minderheitsregierungen erlebt, die letzte 1995 unter Ministerpräsident Johannes Rau (SPD). Kaum eine hielt länger als zwei Monate:

5. Juli-15. September 1950 (Karl Arnold, CDU)
Arnold bildet nach der Landtagswahl vom 18. Juni 1950 eine CDU-Minderheitsregierung. Die CDU hat 93 Mandate, die Opposition 122 (SPD 68, FDP 26, Zentrum 16, KPD 12). Am 15. September koaliert die CDU mit dem Zentrum.

1.-8. Dezember 1966 (Franz Meyers, CDU)
Meyers führt bis zu seinem Sturz durch ein konstruktives Misstrauensvotum eine Woche lang eine CDU-Minderheitsregierung, nachdem die beiden FDP-Minister angesichts von FDP-Koalitionsverhandlungen mit der SPD zurücktraten. Die CDU hat 86 Mandate, die Opposition 114 (SPD 99, FDP 15). Am 8. Dezember 1966 wird eine SPD/FDP-Koalition gebildet.

1. Juni-6. Juli 1995 (Johannes Rau, SPD)
Mit der Konstituierung des 13. Landtags ist die Regierung Rau nur noch geschäftsführend im Amt. Die SPD hat 108 Sitze, die Opposition 113 (CDU 89, Grüne 24). Bei der Wahl im Mai 1995 hatte die SPD ihre absolute Mehrheit verloren. Am 6. Juli bildet Rau eine Koalitionsregierung von SPD und Grünen.


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