ThemaAngela MerkelRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
26.06.2010
 

Wut im Kanzleramt

SMS-Affäre belastet Merkels Verhältnis zu Gabriel

Bundeskanzlerin Merkel, SPD-Chef Gabriel: SMS belastet das VerhältnisZur Großansicht
DDP

Bundeskanzlerin Merkel, SPD-Chef Gabriel: SMS belastet das Verhältnis

Der Vertrauensbruch wirkt nach: Nach der Veröffentlichung einer vertraulichen SMS hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Kontakt zum SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel nach SPIEGEL-Informationen eingestellt. Der Boykott könnte das Regieren in den kommenden Monaten zusätzlich erschweren.

Berlin - Eine öffentlich gewordene SMS von Bundeskanzlerin Angela Merkel an den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel sorgt nach SPIEGEL-Informationen für nachhaltige Verstimmung im Kanzleramt. Bis auf weiteres hat Merkel den Kontakt zu Gabriel eingestellt. Ob und wie er wiederaufgenommen wird, will sie später entscheiden. Die Veröffentlichung sei "ein einmaliger Vorgang, schlichtweg ungeheuerlich und durch nichts zu erklären oder zu entschuldigen", heißt es in Regierungskreisen gut drei Wochen nach dem Vorfall.

Gabriel hatte Merkel in einer SMS Joachim Gauck als überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen, Merkel hatte darauf geantwortet: "Danke für die info und herzliche grüße am". Anfrage und Antwort erschienen im SPIEGEL. Die Verstimmung bei der Kanzlerin ist so groß, dass sie einen Entschuldigungsversuch des SPD-Chefs, den dieser via SMS unternahm, unbeantwortet ließ.

Im Kanzleramt wird nun argumentiert, dass es bisher gängige Praxis im politischen Umgang von Opposition und Regierung gewesen sei, dass der Kanzler und der Oppositionsführer sich darauf verlassen könnten, dass Vier-Augen-Gespräche oder Telefonate diskret behandelt würden. Das hätten beispielsweise Bundeskanzler Gerhard Schröder und Oppositionschefin Merkel immer so gehalten. Auch zu den Parteichefs Matthias Platzeck, Kurt Beck und Franz Müntefering habe die Kanzlerin in Ausnahmesituationen stets vertraulichen Kontakt gepflegt, nie habe es da Probleme gegeben. Gabriels Vertrauensbruch hat nun jenseits der Funkstille operative Folgen.

Hoher Abstimmungsbedarf

In der Regierung wird damit gerechnet, dass in den kommenden Wochen durch die neuen Machtverhältnisse im Bundesrat der Abstimmungsbedarf mit der SPD-Spitze größer werden wird. Wenn SPD und Grüne Mitte Juli eine Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen bilden, fehlt der Berliner Regierungskoalition in der Länderkammer die absolute Mehrheit. Für viele ihrer Vorhaben muss Merkel daher um Zustimmung werben.

Auch die weitere Handhabung der Euro-Krise könnte einen Kontakt nötig machen. Ein Ausweichen auf den Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, den Merkel als seriösen Gegenpart schätzt, kommt aus protokollarischen Gründen nicht in Frage. Im Kanzleramt wird nun überlegt, in welcher Form künftig in solchen Fällen mit Gabriel kommuniziert werden könnte. Selbst ein Telefonat scheide nach dieser Erfahrung aus, heißt es.

mik

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 257 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.06.2010 von fx33: Titel verweigert

Die Merkel ist doch nur stinkig, weil ihre Lüge aufgedeckt wurde. Interessanterweise ist in den Medien aber viel mehr über den "Vertrauensbruch" als über Merkels Lüge zu lesen. Ein bisschen funktionieren die [...] mehr...

29.06.2010 von Baringo: drei...naja

Auch ich bemyhe mich um Gemytlichkeit in der Wahrnehmung der politischen Byhne. Da sind wir zusammen. Ich halte Herrn Gabriel allerdings fyr zu verwoben in dieses Backstage-Szenario, als dass die Indeskretion von ihm selbst [...] mehr...

28.06.2010 von mws: Gesellschaftsspalter

Da haben Sie sich wohl im Threat geirrt. Bei "Gesellschaftsspalter ohne Rückrat und Anstand" fallen mir sofort ganz andere Politclowns ein, wie etwa der Möwenpick-Guido: anderen spätrömische Dekadenz vorwerfen aber [...] mehr...

28.06.2010 von weltoffener_realist: Warum dann die Entschuldigung?

An dieser Stelle gibt es nichts zu verstehen, sondern eine Vielzahl zulässiger Meinungen. Ein Austausch darüber muss nicht zwangsläufig zu neuen Erkenntnissen führen. Wozu diente eigentlich der nachträgliche Versuch von Herrn [...] mehr...

28.06.2010 von coitusveritatis: --

Der Gabriel nd die merkel hatten/haben ein ,,vertrauliches Verältniss,, schau schau, wer hätte das gedacht ... Sehr unappetitliche Vorstellung wie ich finde. In jeder Hinsicht. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Angela Merkel

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Abgeordnetenwatch

Wie denkt mein Abgeordneter über das Thema? Auf abgeordnetenwatch. spiegel.de können Sie öffentlich mit Parlamentariern in Kontakt treten, Fragen stellen und Antworten bekommen. Geben Sie einfach Ihre Postleitzahl ein:

Streitpunkte von Schwarz-Gelb

Sparpaket

dpa
Bis 2014 wollen Union und FDP im Bundeshaushalt 81,6 Milliarden Euro einsparen, vor allem bei Arbeitslosen, Familien und im öffentlichen Dienst. Auch die Wirtschaft soll zur Kasse gebeten werden. Aus der Union gibt es aber Forderungen, Spitzenverdiener stärker zu belasten, weil das Paket zu unsozial sei.

Gesundheit

Opel-Hilfen

Bildung

Atomlaufzeiten

Wehrpflicht

Hartz IV

Vorratsdatenspeicherung

Sicherungsverwahrung

Jobcenter

Solarförderung


Wer gewinnt, wer verliert

Corbis; DDP
Tiefe Einschnitte im Sozialetat, Milliardenbeiträge aus der Wirtschaft: Am Sparpaket der Bundesregierung sollen die Finanzen der Republik in den kommenden Jahren gesunden. SPIEGEL ONLINE analysiert, wer unter den Plänen am meisten leidet - und wer vom Rotstift verschont bleibt...




TOP



TOP