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DGB-Chef Sommer "Angela Merkel muss kämpfen"

DGB-Chef Michael Sommer: "Intelligentes Sparen setzt Intelligenz voraus"Zur Großansicht
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DGB-Chef Michael Sommer: "Intelligentes Sparen setzt Intelligenz voraus"

Mit ihrer Forderung nach einer globalen Finanztransaktionssteuer ist Angela Merkel in Kanada gescheitert. Jetzt muss die Kanzlerin eine europäische Lösung erstreiten, fordert DGB-Chef Sommer im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Denn: "Wer nicht kämpft, der hat schon verloren."

SPIEGEL ONLINE: Rund eine Milliarde kanadische Dollar kostet der Doppelgipfel von Toronto und Huntsville. Stimmt das Kosten-Nutzen-Verhältnis?

Michael Sommer: Wenn die Staats- und Regierungschefs tatsächlich zu Ergebnissen kämen, würde es stimmen.

SPIEGEL ONLINE: Danach sieht es derzeit nicht aus.

Sommer: Das ist das Problem. In London 2009 war der Aufwand auch riesig, doch die Staaten wagten einen echten, gemeinsamen Aufbruch gegen die Krise. Auch in Pittsburgh hatte ich den Eindruck, dass die Teilnehmer wirklich etwas wollten. Jetzt hat die Bundesregierung schon vorher gesagt: In Toronto kommt nicht viel rum. Maßnahmen für bessere Kinder- und Müttergesundheit in Entwicklungsländern sind wichtig. Aber das reicht einfach nicht.

SPIEGEL ONLINE: Denken zu viele Regierungen, dass die Krise schon ausgestanden ist?

Sommer: Viele tun das sicher. Die Bundeskanzlerin tut das meines Erachtens nicht. Wir können jetzt eigentlich nur hoffen, dass der Rest der Welt den Europäern in Toronto zumindest keine Steine bei der Finanzmarktregulierung in den Weg legt.

SPIEGEL ONLINE: Eine globale Finanztransaktionssteuer, wie Angela Merkel sie sich wünscht, wird es schon mal nicht geben. Jetzt will die Kanzlerin für eine solche Steuer auf europäischer Ebene werben. Lohnt sich das?

Sommer: Die beste Lösung wäre natürlich eine weltweite Steuer. Das kriegen wir im Moment angesichts des internationalen Widerstandes aber nicht hin. Jetzt muss Angela Merkel die europäische Karte ziehen. Es geht darum, diejenigen zu erreichen, die die Krise verursacht haben. Und das sind eben nicht nur die Banken. Wir müssen mit der Finanztransaktionssteuer ein wirksames Mittel gegen Spekulanten installieren. Der Weltkongress der Gewerkschaften hat sich gerade in Vancouver noch einmal einmütig für eine solche Steuer ausgesprochen. Aber unsere Kollegen aus aller Welt erwarten auch, dass die deutsche Regierung jetzt endlich Ernst macht. Und wir werden den Druck aufrechterhalten.

SPIEGEL ONLINE: Klappt es auf EU-Ebene nicht, wäre die nächste Abstufung die Euro-Zone. Ist das noch sinnvoll?

Sommer: Ich bin überzeugt, die Steuer wäre selbst im deutschen Alleingang sinnvoll. Natürlich würden die Marktteilnehmer versuchen, sie zu umgehen. Es würde ihnen aber auch eine gewisse Mühe machen, und die deutschen Finanzakteure brauchen den heimischen Markt.

SPIEGEL ONLINE: Befürchten Sie nicht, dass die Transaktionssteuer mit Verweis auf diesen Gipfel bald ganz beerdigt wird?

Sommer: Ich glaube nicht, dass Angela Merkel das will. Aber wer immer in Deutschland das will, der muss wissen, dass er massiven Ärger mit uns bekommt. Diese Steuer ist für uns ein Ausdruck sozialer Gerechtigkeit in der Krise. Ich bin das Argument einfach leid: Wir würden ja gerne, aber die anderen wollen nicht. Das erste Land, das die Transaktionssteuer umsetzt, wird einen Maßstab setzen. Deutschland ist doch kein Entwicklungsland, sondern die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Dem ersten Land, das die Steuer einführt, werden schnell andere folgen. Zumal ich davon überzeugt bin, dass wir noch lange nicht am Ende der Krise sind.

SPIEGEL ONLINE: Auf dem Gipfel wird jedoch schon heftig über die Exit-Strategie debattiert. Den Amerikanern missfällt, dass die Bundesregierung lieber ans Sparen denkt, als die Konjunktur weiter anzukurbeln - auch zum Preis neuer Schulden. Teilen Sie die Sorge der USA, dass Deutschlands Sparkurs das zarte Wachstum wieder abwürgen könnte?

Sommer: In der Tat gefährdet das Sparpaket der Bundesregierung das Wachstum in Deutschland. Das Programm trifft vor allem Familien und die ganz Armen, dort wird der Konsum in weiten Teilen abgewürgt. Eigentlich wäre in dieser Situation das Gegenteil notwendig.

SPIEGEL ONLINE: Die Bundesregierung muss die Schuldenbremse einhalten.

Sommer: Diese Falle hat sie sich selbst gestellt. Nun ist sie darin gefangen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt? Das sieht in den USA viel dramatischer aus.

Sommer: Dass die Arbeitslosigkeit bei uns nicht so stark gestiegen ist, haben wir doch gerade den Konjunktur- und Kurzarbeitprogrammen zu verdanken, die wir tarifpolitisch entsprechend begleitet haben. Wenn man die Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik streicht, wenn man die Konjunkturprogramme auslaufen lässt, wenn man den Gewerkschaften sagt, seht zu, wie ihr glücklich werdet, dann ist das keine Anti-Krisen-Strategie.

SPIEGEL ONLINE: "Intelligentes Sparen und Wachstum schließen sich nicht aus" -sagt die Kanzlerin.

Sommer: Intelligentes Sparen setzt Intelligenz voraus. Und am deutschen Sparprogramm kann ich nichts Intelligentes erkennen - außer vielleicht, dass die Regierung an allen Widerstandspotenzialen vorbeispart. Wirklich intelligent wäre es, die Lasten der Krise gerecht zu verteilen. Wenn der Staat Finanzprobleme hat, dann sollte er schauen, wo er zusätzliche Mittel herholen kann - nämlich bei den Reichen und Vermögenden, die auch in der Krise ihren Beitrag leisten können.

SPIEGEL ONLINE: In der Union gibt es ja Stimmen, die die Reichen stärker belasten wollen. Kann Angela Merkel nicht anders, weil die FDP sie nicht lässt?

Sommer: Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass sie sich um soziale Balance bemüht. Die Frage ist aber tatsächlich, wie weit sie das in ihrer Regierung durchsetzen kann. Einer von Angela Merkels Vorgängern hat gesagt: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Und damit hat er Recht.

SPIEGEL ONLINE: Das gilt auch für Toronto. Ist Angela Merkel eine Verliererin des Gipfels?

Sommer: Da gilt der alte gewerkschaftliche Grundsatz: Wer nicht kämpft, der hat schon verloren. Ich kann ihr nur raten: Sie muss weiterkämpfen.

Das Interview führte Philipp Wittrock in Toronto

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insgesamt 378 Beiträge
zynik 21.06.2010
"Wo tritt die Übermacht der Bankenlobby besonders zutage? Giegold: Erst jüngst wieder bei der Richtlinie AIFM, mit der die Investment- und Hedgefonds reguliert werden sollen. Da gab es eine unglaubliche Lobby-Schlacht. [...]
"Wo tritt die Übermacht der Bankenlobby besonders zutage? Giegold: Erst jüngst wieder bei der Richtlinie AIFM, mit der die Investment- und Hedgefonds reguliert werden sollen. Da gab es eine unglaubliche Lobby-Schlacht. Alle Abgeordneten wurden massiv bedrängt, es gab insgesamt 1600 Änderungsanträge zum Vorschlag der EU-Kommission. Von denen hatte die Finanzindustrie rund 900 selbst verfasst. Ein entgegenstehendes progressives Lobbying gab es zu diesen Themen nicht." http://sueddeutsche.de/geld/interview-mit-sven-giegold-eine-unglaubliche-lobby-schlacht-1.962829 Und da glaubt noch jemand vom G-20-Gipfel wäre irgendetwas zu erwarten, ausser wortreiches Marionettentheater?
tschort 21.06.2010
Während der Wirtschaftkrise sind auch staatliche Banken Pleite gegangen, zum Beispiel die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Wenn die Politier der Meinung sind, dass sie die Banken besser als die Bankmanager regulieren können, wieso [...]
Während der Wirtschaftkrise sind auch staatliche Banken Pleite gegangen, zum Beispiel die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Wenn die Politier der Meinung sind, dass sie die Banken besser als die Bankmanager regulieren können, wieso waren sie nicht in der Lage, ihre eigenen Banken effizient to überwachen?
rolli 21.06.2010
Merkel ist ja bereits bei der G7 abgewatscht worden was die Bankenabgabe angeht. Es wurde dort beschlossen, dass die Bankenabgabe erforscht werden soll. Merkel rechnet aber in ihrem Sparpaket bereits mit einigen Milliarden aus [...]
Zitat von zynik"Wo tritt die Übermacht der Bankenlobby besonders zutage? Giegold: Erst jüngst wieder bei der Richtlinie AIFM, mit der die Investment- und Hedgefonds reguliert werden sollen. Da gab es eine unglaubliche Lobby-Schlacht. Alle Abgeordneten wurden massiv bedrängt, es gab insgesamt 1600 Änderungsanträge zum Vorschlag der EU-Kommission. Von denen hatte die Finanzindustrie rund 900 selbst verfasst. Ein entgegenstehendes progressives Lobbying gab es zu diesen Themen nicht." http://sueddeutsche.de/geld/interview-mit-sven-giegold-eine-unglaubliche-lobby-schlacht-1.962829 Und da glaubt noch jemand vom G-20-Gipfel wäre irgendetwas zu erwarten, ausser wortreiches Marionettentheater?
Merkel ist ja bereits bei der G7 abgewatscht worden was die Bankenabgabe angeht. Es wurde dort beschlossen, dass die Bankenabgabe erforscht werden soll. Merkel rechnet aber in ihrem Sparpaket bereits mit einigen Milliarden aus diesem Programm. Ich denke, dass das Ringen der Politik um das Primat zunichtegemacht wird, und dass der rasante Abstieg der Staaten in die Schuldenfalle erfolgen wird. Am Ende muss zwangsläufig eine Währungsreform und ein kommunistisches Regierungsprinzip herrschen. Kommunimsus für das Volk und Turbokapitalismus für die Wirtschaft. Der neoliberalismus ist genau darauf ausgelegt. rolli
Reiner Weint 21.06.2010
Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind für mich größtenteils sinnvoll. Die Trennung von Investment- und Retailbanken: gut! Mehr Eigenkaptial für Banken als Risikopuffer - volle Zustimmung. TÜV für Finanzprodukte? Auf jeden Fall! Viele [...]
Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind für mich größtenteils sinnvoll. Die Trennung von Investment- und Retailbanken: gut! Mehr Eigenkaptial für Banken als Risikopuffer - volle Zustimmung. TÜV für Finanzprodukte? Auf jeden Fall! Viele dieser Konstruktionen für einfache Endkunden sind schon in quasi betrügerischer Absicht konstruiert worden. Hedge Fonds regulieren? Wie will ein Staat etwas regulieren, von dem er nichts versteht? Hedge Fonds sollten ordentliche Bilanzen vorlegen, wie jede Bank und jedes andere Unternehmen. Diese Unterlagen sollten zumindest für die Investoren in einen HF verpflichtend einsehbar sein. Was heisst bewachen (in der Kopfzeile)? Wie soll das denn gehen? Staatliche Einmischung in die Geschäfte eines HF? Ich kann nicht mehr folgen. HF sind ja sowieso größtenteils in Steueroasen außerhalb der G20 Länder beheimatet. Rating Agenturen: Uneingeschränkte Zustimmung. Für den großen Einfluß der Agenturen sind sie bisher lausig reguliert und kontrolliert. Und es gibt keine wirkliche Konkurrenz unter ihnen. Was ich im Ton nicht verstehe: "Und die Investmentbanken sind bereits dabei, ein neues Spielcasino zu eröffnen, den Handel mit Rohstoffen". Organisierten Handel mit Rohstoffen gibt es seit Eröffnung der ersten Warenbörse 1409 in Brügge. Was ändert sich da jetzt? Was hat der Handel mit Rohstoffen mit einem Spielcasino zu tun? Dieser billige Tonfall konterkariert die sachlichen Argumente.
paoloDeG 21.06.2010
In Wahrheit wer die Krisen verursacht ist das Böse = die Netze organisierten Verbrechens und die Korruption! Der Teil von der Bevölkerung, der Freiheit Gleichheit und Würde respektiert, ist immer demselben Ritual unterworfen : die [...]
In Wahrheit wer die Krisen verursacht ist das Böse = die Netze organisierten Verbrechens und die Korruption! Der Teil von der Bevölkerung, der Freiheit Gleichheit und Würde respektiert, ist immer demselben Ritual unterworfen : die Krisen ausbaden! Dagegen und hingegen die Netze organisierten Verbrechens, einschließlich die Netze finanziellen Verbrechens, und Korruption immer mehr an Macht gewinnen und sie immer mehr Reichtum anhäufen! Es ist unbedingt notwendig, gegen diese ungerechten und barbarischen Praxen in Deustchland und in allen Ländern der Europäischen Union zu handeln! Man muß einen Präsidenten der Europäischen Union wählen, um dies zu ändern und um eine europäische FreiheitsArmee zu bilden, um die Tausende Milliarden Euro wiederzubekommen, die den Völkern gestohlen, betrogen und erspresst worden sind! Beim G-20-Gipfel dies vorbringen, damit alle anderen Staaten dasselbe tun! Europa braucht mich als President !
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Zur Person
DDP
Michael Sommer, 57, ist seit Mai 2002 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Dem Dachverband von acht Einzelgewerkschaften gehören rund rund 6,4 Millionen Mitglieder an. Der Politikwissenschaftler trat Anfang der achtziger Jahre in die SPD ein. In der Postgewerkschaft, die später in der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di aufging, machte Sommer zunächst Karriere, bis er an die Spitze des DGB gewählt wurde. In der Zeit der rot-grünen Koalition - insbesondere nach der Einführung der Hartz-IV-Gesetze - kühlte sein Verhältnis zum damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ab. Erst unter dessen Nachfolgern an der Spitze der Partei entspannten sich die Beziehungen zur SPD wieder. Sommer ist seit den Erfahrungen mit der Agenda 2010 verstärkt bestrebt, seine Organisation möglichst unabhängig von den Parteien zu halten. So pflegt er seit der Großen Koalition auch ein gutes Verhältnis zur Kanzlerin Angela Merkel. Auch mit FDP-Parteichef und Vizekanzler Guido Westerwelle ist er - nach einer längeren Phase der Nicht-Kommunikation - wieder in Kontakt. Der Vizekanzler wird demnächst auch auf der DGB-Vorstandsklausur erscheinen - auf Einladung des DGB-Chefs Sommer.

G20
DPA

Die G20 sind die Gruppe der 20 größten Volkswirtschaften. Sie umfasst Industrie- und Schwellenländer. Die G20 repräsentieren rund zwei Drittel der Weltbevölkerung und 90 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts - folgende Länder gehören derzeit zu der Gruppe: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei, USA. mehr auf der Themenseite...


Schulden in Europa
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
SPIEGEL-Analyse
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Die Mächtigen der Welt treffen sich zum G-20-Gipfel, um die Finanzmärkte zu bändigen. Ein Erfolg ist ungewiss, dabei könnte ein schlichtes Fünf-Punkte-Programm künftige Krisen verhindern:

Gebot 1: Bändigt die Banken!

Gebot 2: Mehr Eigenkapital!

Gebot 3: Einen TÜV für Finanzprodukte!

Gebot 4: Bewacht die Hedgefonds!

Gebot 5: Kontrolliert die Rating-Agenturen!


Vor- und Nachteile der Finanzsteuer
Transaktionsteuer? Aktivitätsteuer? Zwei Konzepte werden diskutiert - ihre Vor- und Nachteile.

Milliardenstütze für den Euro
Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.


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