Aus Toronto berichtet Philipp Wittrock
Daran wird sich die Kanzlerin noch lange erinnern. Journalisten, Helfer und Berater erwarten sie mit freudigen Gesichtern. Manche haben kleine Deutschlandfähnchen in der Hand. Vereinzelt ist sogar so etwas wie verhaltener Jubel aus dem Pulk zu hören, als Angela Merkel kommt.
Fröhlich tritt sie vor die Kameras. Die Stelle, an der sie ihr Statement in die Kameras geben soll, hat jemand mit einer schwarz-rot-goldenen Girlande markiert. "Ich bin noch immer tief bewegt", sagt sie.
Es herrscht ausgelassene Stimmung an diesem Sonntagmittag in der deutschen Delegation im Konferenzzentrum von Toronto. Das liegt allerdings nicht daran, dass Merkel den Rest der hier tagenden G-20-Staaten plötzlich für die Einführung der Finanztransaktionssteuer gewonnen hätte - in diesem Punkt ist man kein Stück weiter. Aber die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft in Südafrika soeben England mit vier zu eins vom Platz gefegt.
"Das war ein tolles Spiel und ein toller Sieg", schwärmt Merkel nun kurz nach dem Schlusspfiff. "Der Mannschaft kann man nur gratulieren und ich kann nur sagen: weiter so!"
Merkel lobt Camerons "beeindruckende Fairness"
Die Kanzlerin hat extra eine Arbeitssitzung zur Lage der Weltwirtschaft geschwänzt, um die zweite Halbzeit im Fernsehen schauen zu können - gemeinsam mit dem britischen Premier David Cameron. Muss man sich nun Sorgen machen um das bilaterale Verhältnis?
"Es war eine sehr sportliche Atmosphäre zwischen den deutschen und britischen Teilnehmern", sagt Merkel. Auch ihr Umfeld berichtet später von einer "beeindruckenden Fairness" von Cameron und seinen Mitarbeitern.
Der Premierminister gratulierte ihr nach dem Spiel sofort. Auch viele andere Staats- und Regierungschefs hätten Merkel zur Leistung des Teams beglückwünscht, heißt es. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan habe sofort auf den guten Auftritt von Deutschlands Mesut Özil hingewiesen. "Das ist unser Mann", wird Erdogan zitiert.
"Ich hoffe, die Briten verzeihen uns", sagt die Kanzlerin wohl auch mit Blick auf das nicht gegebene Tor der Engländer in der ersten Halbzeit. Die hatte sie sich noch nicht live ansehen können. Doch Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, der die ersten 45 Minuten gemeinsam mit den deutschen Journalisten im Pressesaal am Bildschirm mitfieberte, hielt sie per SMS auf dem Laufenden.
Am kommenden Samstag trifft Deutschland nun im Viertelfinale auf den Sieger des Achtelfinales zwischen Argentinien und Mexiko. Merkel überlegt, für das Spiel nach Kapstadt zu reisen.
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