Von Florian Gathmann
Berlin - Es läuft sozusagen die 89. Minute für Joachim Gauck. Und noch immer weiß er nicht, wie das Spiel gegen Christian Wulff zu drehen ist. Klar, Gauck hat die Zuschauer hinter sich, auch die Kommentatoren. Aber am Ende zählt das Ergebnis - und das spricht gegen ihn: Wulff liegt bei der Stimmverteilung in der Bundesversammlung deutlich vorn.
Das ist in etwa die Situation, in der sich Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck befindet. Im Fußball wäre jetzt die Zeit der radikalen Offensive gekommen - und genau so mutet der Gauck-Termin an diesem Dienstagnachmittag an: Um 14.30 Uhr will er sich der Linken-Bundestagsfraktion vorstellen. Bei jener Partei, der Gauck in jedem Interview seine Abneigung ausspricht. Deren Spitzenvertreter ihrerseits aber auch keine Gelegenheit auslassen, den Kandidaten für unwählbar zu erklären.
Die Linke ist Gaucks letzte Hoffnung. Er braucht jetzt einen Last-Minute-Swing, einen Umschwung in letzter Minute, um bei der Bundespräsidentenwahl vor seinem Kontrahenten Wulff landen zu können.
Wie ihm das bei seinem Linken-Vorsprechen gelingen könnte? Da scheint auch Gauck noch keine zündende Idee zu haben. Denn Einschmeicheln, das hat der rot-grüne Kandidat immer wieder klargemacht, will er sich bei der Linkspartei nicht. Auch nicht an diesem Dienstag, so ist es aus seinem Umfeld zu hören.
Gauck will nichts zurücknehmen
Zwar will Gauck die Schärfe aus der Debatte nehmen. Aber zurückzunehmen hat er nichts: Die Linke ist für ihn eine Partei mit fragwürdigem Demokratieverständnis (mit Ausnahmen vor allem unter jüngeren Vertretern). Außerdem fühlt sich Gauck von führenden Linken ungerecht behandelt. Besonders hart getroffen hat ihn der Vorwurf, er und seine Familie seien zu DDR-Zeiten von der Stasi privilegiert behandelt worden.
Joachim Gauck hat zwar ein paar Fans in der Linken, wie den ehemaligen Partei-Vordenker André Brie. Aber in der Bundestagsfraktion, die von den 124 Linken-Wahlleuten die Hälfte stellt, ist die Stimmung klar: Gauck gilt für die große Mehrheit der Abgeordneten nicht einmal im dritten Durchgang als wählbar. Der Vorwurf: Er sei zu neoliberal, zu militaristisch. Auch seine harte Haltung als Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde tragen ihm einige nach. Mancher Linke würde am Ende sogar lieber für CDU-Mann Wulff votieren, nur um Gauck zu verhindern, ist zu vernehmen.
So weit würde Steffen Bockhahn nicht gehen. Der Bundestagsabgeordnete und Parteichef von Mecklenburg-Vorpommern sagt: "Man kann sich auch enthalten." Selbst wenn die mögliche Wahl Gaucks im dritten Wahlgang den Sturz der schwarz-gelben Bundesregierung bedeutete, sei für ihn aus inhaltlichen Gründen klar: "Gewissen geht vor Taktik."
Das Lager der Linken-Pragmatiker ist gespalten
Im Reformerlager der pragmatischen Linken, zu dem Bockhahn gehört, ist man allerdings uneins in Sachen Gauck. Etwa 30 Wahlleute können sich offensichtlich trotz aller Vorbehalte gegenüber dem rot-grünen Kandidaten vorstellen, ihn im dritten Durchgang zu wählen. "Matthäus-5-Fraktion" werden sie von den unversöhnlichen Gauck-Gegnern genannt: weil ihre Parteifreunde im Sinne des biblischen Bergpredigt-Verfassers handelten, wenn sie für den Linke-kritischen Gauck votieren. "...so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar", heißt es im Matthäus-Evangelium.
Offen für Gauck aussprechen will sich allerdings niemand, da wirkt die Furcht vor den Mächtigen der Partei. Das Schutzargument der "Matthäus 5"-Vertreter: "Die Wahl wird ohnehin im ersten Durchgang entschieden." Da schickt die Linke ihre eigene Kandidatin Luc Jochimsen ins Rennen, die alle 124 Stimmen aus dem eigenen Lager erhalten soll.
Am weitesten wagt sich noch Wulf Gallert vor, Fraktionschef im Landtag von Sachsen-Anhalt. Er bleibe bei seiner Position, sagt der Linkspartei-Politiker: "Sollte es zu einem dritten Wahlgang kommen, müssen wir uns neu verständigen." So sieht es auch Bundestagsfraktionsvizechef Dietmar Bartsch.
Gallert ist in der Gauck-Debatte auch ein bisschen kritisch gegenüber den eigenen Leuten. Er findet, die Stasi-Angriffe gegen den rot-grünen Kandidaten "hätte man sich verkneifen können".
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wir wählen viel zu oft. Obwohl,dieses Mal wärs sinnvoll gewesen. H.Gauck wär,nicht nur für mich,respektabler. H.Wullf,treten Sie zurück,dann verdienen Sie noch etwas Respekt. mehr...
Sind Sie wirklich ernsthaft der Meinung, daß Heino einen geringeren IQ oder eine geringere Redebegabung als seine Vorgänger hätte? Warum also sollte er ungeeigneter sein? mehr...
oder die Kriege der Bundeswehr, über HATZ IV und/oder über Zuwanderungsgesetze, aber das wäre ja Demokratie um Gottes Willen bloß nicht. Es ist Sch...egal von wem oder ob dieser völlig überflüssige Hansel nun gewählt wird. [...] mehr...
Der Bundeskanzler kann viel mehr Schaden anrichten und wird auch nicht vom Volk gewählt. mehr...
der Bundespräsident, mir ist davon noch nie etwas aufgefallen. Weshalb es völlig gleichgültig ist ob und von wem der Mann nun gewählt oder nicht gewählt wird. Ich brauche im Übrigen Niemanden der mich vertritt, das kann ich [...] mehr...
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