Ein Kommentar von Christoph Schwennicke
Joachim Gauck ist ein beeindruckender Mann und eine markante Person. Er kann darüber hinaus so fulminante Reden halten, dass hinterher jene Leute beseelt aus den Sälen laufen, die das Gegenteil dessen gehört haben, was sie hören wollen. Das ist eine Kunst, auf die sich nur wenige verstehen. Die meisten Politiker scheitern schon daran, ihren Anhängern begeisternd das zu sagen, was die hören wollen.
Dennoch muss ein kleiner Zwischenruf erlaubt sein, bevor alle nunmehr in Gauck-Trunkenheit dem Wahl-Mittwoch entgegentaumeln. Man kann darüber klagen, dass das politische Spiel stark und zuallererst von machttaktischen Überlegungen gelenkt und geleitet ist. Man kann sich mehr überparteiliche Vernunft und mehr Orientierung an der Sache wünschen, was sich in der nachvollziehbaren Sehnsucht nach dem überparteilichen und ungebundenen, freien Kandidaten zum Beispiel für das Amt des Bundespräsidenten spiegelt.
Aber man soll sich nichts vormachen. Sigmar Gabriels und Jürgen Trittins erstes Ziel war es nicht, im Dienste Deutschlands einen überparteilichen Kandidaten oder einen Allparteienkandidaten zu finden, wie es die SMS an Bundeskanzlerin Merkel insinuiert. Diese SMS war ebenso taktisch wie der ganze Rest: Für den Fall, dass sich die Kanzlerin darauf eingelassen hätte, wäre die SMS der Urheberschaftsnachweis seitens Rot-Grün für den überparteilichen Kandidaten gewesen. Insofern war Joachim Gauck, der Überparteiliche, von Anfang an ein parteilicher Kandidat, ob er wollte oder nicht.
Joachim Gauck, der seine Lebenserfahrung damit hat, dass sich Leute von einem System haben instrumentalisieren lassen, lässt sich von Rot-Grün instrumentalisieren. Er ist damit auch eine Marionette in den Händen und an den Fäden von Sigmar Gabriel und Jürgen Trittin, er ist das Trojanische Pferd, das in die Reihen der Schwarz-Gelben geschoben wird, um in einem Überraschungsangriff deren Reihen zu lichten.
Wenn Gauck in den vergangenen Wochen auf diese Frage angesprochen wurde, so hat er stets in Variationen gesagt, dass seine Intelligenz durchaus ausreiche, dieses Kalkül hinter seiner Personalie zu sehen. Das ist schön gesagt und nur abermals ein kleiner Hinweis darauf, wie beeindruckt nicht nur seine Unterstützer von ihm, sondern auch er von sich selbst ist.
Es ist ein Geschäft, das Gauck auf der einen und Gabriel und Trittin auf der anderen Seite auf Zeit eingegangen sind. Das Geschäft besagt, dass Herr Gauck mit dem ganzen Support, auch der professionellen Medienbetreuung, dieser beiden politischen Großorganisationen für drei Wochen die Bühnen der Republik bespielen und sich für drei Wochen als Präsident der Herzen fühlen, drei Wochen seine Brillanz ausleben darf. Im Gegenzug bekommen Gabriel und Trittin eine Dienstleistung von ihm, die darin besteht, Frau Merkel und ihren vergleichsweise blassen Kandidaten Wulff alt beziehungsweise in diesem Fall: jung und grünschnäbelig aussehen zu lassen.
Fair enough, wie der Brite sagt.
Dieses Geschäft mit Nutzwert für beide Seiten ist zunächst nicht weiter zu skandalisieren. Klar ist aber auch, dass das Ganze für beide Beteiligten einen Preis haben wird. Wie tief Gauck das Problem intellektuell auch durchdrungen haben mag, das ihm beschert wird: Es bleibt ein Problem. Er ist fortan nicht mehr der Unabhängige, der Aufrechte, der Überparteiliche, er ist und bleibt von nun an der Helfershelfer des politischen Schachzugs von Rot-Grün.
Und auch für Rot-Grün hat dieser Schachzug am Ende einen Preis: Er ist zu zahlen in dem Moment, in dem Christian Wulff mit der größten Selbstverständlichkeit einer schwarz-gelben Mehrheit in der Bundesversammlung im ersten, spätestens zweiten Wahlgang gewählt ist. Denn den Hype um Gauck gibt es nicht zum politischen Nulltarif. Er hat Rot-Grün Aufwind verschafft, ebenso wie eine glatte Wahl von Christian Wulff Rot-Grün in der Folge einen üblen Dämpfer bescheren wird.
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Zahlen fällt aus. mehr...
Spiegel-Experte Schwennicke schrieb unlängst: "Und auch für Rot-Grün hat dieser Schachzug am Ende einen Preis: Er ist zu zahlen in dem Moment, in dem Christian Wulff mit der größten Selbstverständlichkeit einer [...] mehr...
In das Amt des Bundespräsidenten dürfen nur 1A integere Personen gelangen. Mein Maßstab ist Richard von Weizsäcker. Ein Volk von 80 Mio. hat mehr Weizsäcker's zu bieten und allemal bessere als Gauck. Solche Personen sind aber [...] mehr...
mit dieser kampagne? ablenkung? das macht die fußball-wm schon. merkel demontieren? das macht schon eher sinn. egal- wird zeit, daß schluß ist.am besten man schafft den ( weitgehend) nutzlosen posten ab - ist nur ein [...] mehr...
Wohl Preuße? Selbst damals überfiel man nicht aus heiteren Himmel einfach so ein Nachbarland um sich einach nur offentsichtlich zu bereichern und die Preußen haben auch nach der damaligen Ansicht schwerste Kriegsverbrechen z.B. [...] mehr...
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