Berlin - Er zählt sich zu den "sanftmütigen, den friedfertigen" Menschen. Ein "Alphatier" will er nicht sein. Und schon gar kein "Lautsprecher".
Selbst wenn man ihm das nicht hundertprozentig glaubt - was für ein Tag muss das für diesen Mann gewesen sein.
Christian Wulff ist an diesem Mittwoch zum zehnten Bundespräsidenten gewählt worden - doch was nach seinem Geschmack ein sanfter, friedlicher, leiser Festtag im sommerlichen Berlin hätte werden müssen, endete in einem Desaster. Der Kandidat ist durchgefallen, im ersten Wahlgang hat er nicht mehr als 50 Prozent bekommen. Im zweiten Durchlauf scheiterte erneut, bis er im dritten dann mit größter Mühe gewann.
So sieht ein Fehlstart aus.
Wulff, 51, der jüngste Präsident in sechs Jahrzehnten Bundesrepublik, muss jetzt gleich von Anfang an zeigen, was in ihm steckt. Er muss beweisen, dass er den Konflikt um seine Wahl vergessen machen kann. Brücken bauen, Gräben zuschütten, das sind die Sprachbilder, die bei solchen Konflikten gern bemüht werden. Ungewöhnlich aber ist, dass Konflikte im eigenen Lager so sehr eskalieren wie jetzt bei Schwarz-Gelb.
Der parteipolitische Kampf um das höchste Staatsamt, der an diesem Mittwoch ausgetragen wurde, dürfte es für Wulff schwerer machen, seinen Ruf als glatter parteipolitischer Karrierist abzustreifen. Jetzt ist jedem klar, dass er nur mit knallharter Machtpolitik durchzusetzen war.
Kanzlerin Angela Merkel hatte Wulff als Kandidaten ausgewählt, ihren Rivalen, der vielen in der Union als letzter Reservekanzler galt. Sie pries ihn als "wunderbaren zukünftigen Bundespräsidenten", und in Anspielung auf Wulffs Familie hob sie heraus, wie "wunderbar" sie es findet, wenn ein Kinderlachen "durchs Schloss Bellevue geht, wenn es etwas zackiger zugeht".
Tatsächlich spielte die Kanzlerin einen gewagten Machtpoker. Wenn sie ihren Kandidaten in der Bundesversammlung glatt durchbekommen würde, dann würde das als Beweis von Führungskraft und wie ein Stabilisator der schwarz-gelben Regierung wirken.
Nun ist das Gegenteil der Fall.
Merkel verfiel auf Wulff, der selbst schon länger eine neue Aufgabe suchte. Allen in seinem Umfeld war klar, dass er sich als Ministerpräsident von Niedersachsen nicht mehr ausreichend gefordert fühlte. "Der Christian sucht schon lange das Sprungbrett nach Berlin", sagte ein langjähriger Weggefährte.
Aber was tun? Abwarten, dass Merkels Kanzlerschaft vorzeitig endet? Wulff hatte vor Jahren schon kokett in Interviews gesagt, ihm fehle "der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen". Ein allzu offensives Vorgehen beim Griff nach mehr Macht schied aus. Dann trat Horst Köhler als Bundespräsident ab, und Wulff bekam eine neue Perspektive. Seine Interessen deckten sich plötzlich mit denen Merkels.
Das Kalkül der beiden war offensichtlich, und es hat schon die vergangenen Wochen zu einer schwierigen Übung für die Kanzlerin und ihren Kandidaten gemacht. Denn der rot-grüne Gegenkandidat Joachim Gauck, mit seiner so bewegten wie beeindruckenden Vergangenheit als DDR-Bürgerrechtler und Stasi-Unterlagen-Beauftragter, war ein allzu klarer Kontrast zum CDU-Politiker.
SPD-Chef Sigmar Gabriel lästerte, Gauck bringe "ein Leben" mit in seine Kandidatur - Wulff aber nur "eine politische Laufbahn".
Das hat Wulff getroffen. Das hat ihm zugesetzt, auch persönlich.
Plötzlich fühlte er sich als typischer Parteimensch gebrandmarkt, verantwortlich für alle Auswüchse des Parteienstaates. Was Gabriel Wulff vorwarf, hätte man genauso Gabriel vorwerfen können.
Mit 15 trat er in die Partei ein, mit 18 schaffte er es an die Spitze der Schüler-Union. 1994, als er erst 34 war, forderte er zum ersten Mal Ministerpräsident Gerhard Schröder heraus. Erfolglos. 1998 das gleiche Spiel, ebenfalls erfolglos. Schröder wurde dann Kanzler, Wulff durfte 2003 zum dritten Mal antreten, diesmal gegen Gabriel - und da packte er es. An der Spitze einer schwarz-gelben Koalition übernahm er die Macht in Niedersachsen. Und verteidigte sie 2008.
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Das einstige Image des Langweilers, das ihm zu Oppositionszeiten anhaftete, konnte Wulff als Regierungschef abstreifen. Jetzt muss er sich noch mal ein neues zulegen.
Im Wahlkampf hat er damit schon angefangen. Er wolle eine Spielecke für seinen zweijährigen Sohn Linus in seinem Amtszimmer im Schloss Bellevue einrichten, sagte Wulff der "Bild am Sonntag". "Ich habe meine Kinder gern um mich", sagte Wulff. "Kinderlärm ist Zukunftsmusik, und wo Menschen arbeiten, muss auch Platz für Kinder sein." Ansonsten soll der Amtssitz zu einer "Denkfabrik" werden. Wissenschaftler und Politiker, "Künstler und kluge Köpfe" sollten dort helfen, das Land "modern und zukunftsfest zu machen".
Dabei denkt der Mann durchaus schon in historischen Dimensionen: "Denken Sie an Friedrich den Großen und seinen Berater Voltaire", sagte er. "Goethe war Minister und von Humboldt preußischer Beamter!"

mit Material von dpa
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wir wählen viel zu oft. Obwohl,dieses Mal wärs sinnvoll gewesen. H.Gauck wär,nicht nur für mich,respektabler. H.Wullf,treten Sie zurück,dann verdienen Sie noch etwas Respekt. mehr...
Sind Sie wirklich ernsthaft der Meinung, daß Heino einen geringeren IQ oder eine geringere Redebegabung als seine Vorgänger hätte? Warum also sollte er ungeeigneter sein? mehr...
oder die Kriege der Bundeswehr, über HATZ IV und/oder über Zuwanderungsgesetze, aber das wäre ja Demokratie um Gottes Willen bloß nicht. Es ist Sch...egal von wem oder ob dieser völlig überflüssige Hansel nun gewählt wird. [...] mehr...
Der Bundeskanzler kann viel mehr Schaden anrichten und wird auch nicht vom Volk gewählt. mehr...
der Bundespräsident, mir ist davon noch nie etwas aufgefallen. Weshalb es völlig gleichgültig ist ob und von wem der Mann nun gewählt oder nicht gewählt wird. Ich brauche im Übrigen Niemanden der mich vertritt, das kann ich [...] mehr...
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