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01.07.2010
 

Bundespräsidenten-Wahl

Drama in drei Akten

Von Veit Medick und Florian Gathmann

Foto: AFP

3. Teil: Der zweite Akt: Schock bei Schwarz-Gelb

Auch weniger politisch routinierte Beobachter staunen über das Ergebnis im ersten Wahlgang. Der Dramatiker Moritz Rinke sagt bei einem Rundgang durch die Fraktionsebene: "Christian Wulff kommt mir vor wie Mario Gomez." Nationalspieler Gomez, der Torjäger mit Abschlusspech - Bundespräsidenten-Kandidat Wulff, das verhinderte Staatsoberhaupt.

Im Unionsfraktionssaal schwört Angela Merkel ihre Wahlleute ein: "Wir sind eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten." Merkel dankt Wulff, dass er für einen zweiten Wahlgang zur Verfügung steht. Darauf gibt es lautes Gelächter im Saal. Merkel reagiert patzig: Das sei gar nicht selbstverständlich, sagt sie. "Das ist zu würdigen. Dafür hat er Respekt verdient." Erst da gibt es Applaus im Saal. FDP-Chef Guido Westerwelle wiederum ist drauf und dran, den Schwarzen Peter in Richtung der Koalitionspartner zu schieben. Dass es neben den bekannten Abweichlern in seiner Fraktion noch weitere geben könnte, schließt er aus. Er belässt es deshalb vor seinen Wahlleuten im Fraktionssaal bei einer kurzen Ansprache. Die aber ist deutlich. Sie geht gegen CDU und CSU

Auch die Opposition ist jetzt in Bewegung. Die Grünen rechnen, SPD und Linke tasten sich ab. Einem ist das schon zu viel: Dieter Dehm. Der linke Abgeordnete antwortet angeblich auf die Frage, ob die Linke für Gauck stimmen könne: "Was würden sie tun, wenn sie die Wahl hätten zwischen Hitler und Stalin?" So zitiert ihn WELT online - ein harter Vergleich, wenn Dehm es wirklich so gesagt haben sollte.

Die Kanzlerin kann wieder lächeln

Plötzlich klappt auch noch Martin Gerster vor dem Plenarsaal zusammen. Die Hitze. Der SPD-Bundestagsabgeordnete wird schnurstracks ins Bundeswehrkrankenhaus gebracht. Die Diagnose: Lungenentzündung. Egal. Die Ärzte peppeln Gerster auf, schicken ihn zurück. Er ist rechtzeitig zum zweiten Wahlgang wieder auf seinem Platz. Jeder wird jetzt gebraucht.

Um 17 Uhr verkündet Lammert abermals ein Ergebnis. Wulff fällt wieder durch. Aber immerhin: Es sind ein paar Stimmen mehr geworden. Der Abwärtstrend scheint gestoppt. Die Kanzlerin kann plötzlich wieder vorsichtig lächeln.

Jetzt kommt alles auf die Linken an. Wählen sie Gauck geschlossen mit, reichen ein paar Überlaufer von Schwarz-Gelb - und Gauck wäre neuer Bundespräsident. Illusorisch - das schwant den meisten bei SPD und Grünen. Aber die Spannung muss gehalten werden. Und reden kann man ja mal. Diese Einsicht ist nach den Verletzungen der vergangenen Jahre an sich schon spektakulär genug.

Kurz vor halb sechs kommt es tatsächlich zu einem Treffen. Das rot-rot-grüne Spitzenpersonal bespricht sich im Büro von Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier - inklusive Reizfigur Oskar Lafontaine. Es ist ein erlauchter Kreis, Mitarbeiter müssen draußen bleiben. 40 Minuten wird getagt. Gute Stimmung, das sagen nachher alle Teilnehmer. Aber eben eher von der Art, dass man amüsiert ist, wie wenig sich die Spitzen doch zu sagen haben. Der Vorschlag der Linken, im dritten Wahlgang gemeinsam einen völlig neuen Kandidaten aufzustellen, wird gar nicht erst weiter diskutiert. Lafontaine wiederum stellt klar, dass viele in der Linken wohl selbst dann nicht Gauck wählen würden, wenn die vier Spitzenleute der Partei ausdrücklich dafür werben würden. Welten treffen aufeinander.

Die SPD ist trotzdem zufrieden. "So wird das Spiel jetzt mal richtigrum gespielt", sagt einer der dabei war. Wir bestimmen endlich, wo es lang geht, nicht die Linke - das ist die Botschaft. So sehen das viele bei den Sozialdemokraten seit der Nominierung von Joachim Gauck.

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10.08.2010 von sergeji:

Ich sehe: Die Deutschen haben keine Sorgen. mehr...

09.08.2010 von Adran:

Du hast's jut, du bist doof! mehr...

09.08.2010 von kdshp:

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09.08.2010 von Eva B: ...

Im Gegenteil. Das lässt Zyniker hoffen. mehr...

09.08.2010 von Eva B: ...

Wie sollte mir das auffallen? Im Artikel steht nichts von Gejammer. Aber jammern Sie ruhig weiter über die neidischen Deutschen - auch wenn diese nur in Ihrer Phantasie existieren. Wulff kann sich derweil gern weiter an [...] mehr...

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