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07.07.2010
 

Regierungsbericht zu Migranten

Deutsches Märchen Integration

Von Anna Reimann

Migranten in Deutschland: Integration mit Hindernissen
Fotos
dpa

Deutschland jubelt über seine Multikulti-Mannschaft - aber viele Migranten brechen die Schule ab, sind häufiger krank und brauchen ewig, um einen Job zu finden. Der Regierungsbericht zur "Lage von Ausländern" offenbart die Mängel der Integrationspolitik. Nur wenige Ergebnisse machen Mut.

Berlin - Mesut Özil, Sami Khedira, Jérôme Boateng sind Beispiele gelungener Integration. Sie sind Sinnbild für ein neues Deutschland. Sie gelten als "vorbildlich für die Gesellschaft", der deutsche Fußball sei ein "Integrationsmotor", heißt es.

Aber die Wahrheit sieht anders aus: In Deutschland ist die Lage von Migranten oft noch immer katastrophal.

Das zeigt der achte Bericht der Bundesregierung zur Lage der "Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland", den die Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer (CDU), am Mittwoch in Berlin vorstellte. Wie leben Migranten in Deutschland? Welche Berufe üben sie aus, welche Schulabschlüsse haben sie? Sind sie in Sportvereinen aktiv? Wie lange dauert es für sie, einen Beruf zu finden?

Darauf will der Bericht eine Antwort geben - auf über 600 Seiten werden die faktischen Lebensbedingungen von Deutschlands Einwanderern dokumentiert. Von der Krippe bis zum Altenheim.

Das Papier offenbart das Versagen von Eltern, Schulen - aber auch der Integrationspolitik: So sind Migranten nicht häufiger kriminell als Deutsche, wenn sie einen sicheren Aufenthaltsstatus haben. Aber die Bundesregierung hat beim Bleiberecht noch keine langfristige Regelung gefunden. Und vor allem im Bildungsbereich ist die Lage von Einwanderern in Deutschland nach wie vor erschreckend. Die Zahl der Schulabbrecher ist unter Migranten noch gestiegen, sie sind fast doppelt so oft arbeitslos. Andere Ergebnisse machen Mut - immer seltener sind Einwanderer kriminell. Immer öfter werden sie beruflich selbst aktiv und gründen Unternehmen.

"Deutschland muss sich zum Land der Aufsteiger entwickeln - in allen gesellschaftlichen Bereichen", sagte Staatsministerin Böhmer bei der Vorstellung des Berichts. Aber: "Wir können längst nicht zufrieden sein." Noch könne von Chancengleichheit der Migranten keine Rede sein.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert die wichtigsten Ergebnisse des Regierungspapiers.

  • Bevölkerung: Etwa 82 Millionen Menschen lebten 2008 in Deutschland, 15,6 Millionen von ihnen kommen aus Einwandererfamilien - also 19 Prozent der Gesamtbevölkerung. 7,3 Millionen sind Ausländer. Mehr als ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren hat einen Migrationshintergrund - in Großstädten sind es deutlich mehr. In Frankfurt am Main kommen mehr als 65 Prozent der unter Sechsjährigen aus einer Zuwandererfamilie. Die größte Religionsgruppe unter den Einwanderern sind Muslime - etwa 4 Millionen. Von ihnen haben 45 Prozent einen deutschen Pass.
  • Krippe und Kindergarten: Mehr Einwanderer vertrauen ihre Kinder einem Kindergarten an - trotzdem liegt die Betreuungsquote von Kindern mit Migrationshintergrund deutschlandweit im Durchschnitt um neun Prozent niedriger als bei Kindern deutscher Herkunft. In den alten Bundesländern (ohne Berlin) gingen im Jahr 2008 84 Prozent der Einwandererkinder zwischen drei und sechs Jahren in den Kindergarten. 2007 waren es indes nur 73,5 Prozent. Von den unter dreijährigen Kindern mit Migrationshintergrund besuchten 2008 in Westdeutschland nur etwa neun Prozent eine Krippe. Bei den Kindern, deren Eltern in Deutschland geboren wurden, waren es doppelt so viele.

  • Schule: Die gute Nachricht: Migranten holen bei Schulabschlüssen langsam auf. Immer mehr Kinder aus Einwandererfamilien machen die mittlere Reife oder das Abitur. Aber 43 Prozent der Migranten beenden die Schulzeit mit dem Hauptschulabschluss. Bei den deutschen Altersgenossen sind es dagegen 31 Prozent. Verheerend ist die Lage in einem anderen Aspekt: 2008 hatten 13,3 Prozent der 15- bis 19-jährigen Einwanderer keinen Schulabschluss - doppelt so viele wie bei den Deutschstämmigen. Die Anzahl der Schulabbrecher unter den Migranten ist im Vergleich zu 2007 noch deutlich gestiegen - damals waren es nur 10 Prozent.

  • Berufsausbildung: Migranten müssen viel länger nach einem Ausbildungsplatz suchen. 17 Monate lang warten sie auf eine Lehrstelle, ihre Altersgenossen deutscher Herkunft finden schon nach durchschnittlich drei Monaten einen Platz. Sehr viele Ausländerinnen in Deutschland haben überhaupt keine Ausbildung - bei denen, die selbst aus ihrer Heimat in die Bundesrepublik eingewandert sind, liegt der Anteil bei 44,5 Prozent. "Es darf niemand wegen seiner Herkunft aussortiert werden", sagte Böhmer.

  • Arbeitslosigkeit: Düster sieht es weiterhin auf dem Arbeitsmarkt für Migranten aus - sie waren 2008 doppelt so häufig arbeitslos wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. 12,4 Prozent der Einwanderer hatten keinen Job. Besonders hoch ist die Quote der Arbeitslosen bei Migranten ohne deutschen Pass, die selbst eingewandert sind - von ihnen hatten 2008 14,7 Prozent keine Arbeit. 2005 waren es allerdings laut Bericht in dieser Gruppe noch 20,7 Prozent.
  • Um sich selbst aus der Misere zu helfen, werden Migranten aber oft selbst aktiv und gründen immer häufiger selbst Unternehmen. 2008 waren 11,5 Prozent der Migranten selbständig - das sind doppelt so viele wie Anfang der neunziger Jahre.

  • Berufe: Ausländer aus den klassischen Anwerbeländern, also der Türkei, Griechenland und Italien, sind in der Gastronomie oder im Handel überproportional stark vertreten. Bei den selbständigen Einwanderern sind nur sehr wenige im handwerklichen Bereich tätig. "Unternehmensnahe, wissensintensive sowie freiberufliche Dienstleistungen werden häufiger von Migrantinnen und Migranten mit deutschem Pass als von Ausländerinnen und Ausländern ausgeübt", heißt es in dem Bericht unter Berufung auf verschiedene Studien.

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Tja, wer hätte vor 20 jahren denn gedacht, daß uns die Hoffnungsträger der Nation so in die Schei.. ziehen würden. Auf das was wirklich abging hat man doch gar nicht geachtet bzw. darüber nachgedacht. Der Vertrauenvorschuß [...] mehr...

11.09.2010 von anathema: Die verhängnisvolle Rolle der Grünen in kritischer Zeit!

Das wäre noch eine zu gnädige und euphemistische Betrachtung der massenhaften Einwanderung unter fanatischer, verschlagener Fürsprache der Grünen, die merkwürdigerweise gerade momentan einen ungeheuren Zulauf von Arg-, [...] mehr...

11.09.2010 von jonas2010:

ja, das lag schlicht und ergreifend daran, dass es sich bei der wm um ein reines sportereignis handelte, es ging mal gar nicht um religion... sport verbindet, glauben ist schön aber religion ist gift!!! mehr...

11.09.2010 von Rockker:

Es scheint mir, einiges hängt vom Augen des Betrachters ab, oder von dem Moment, von den aktuellen Geschehnissen, etc.. je nach dem... Von Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, in kurzer Zeit... Während der WM, noch vor 2 [...] mehr...

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Bayerische Türken, anatolische Berliner

Sie sind Bäcker, Lehrer, Gemüsehändler, Polizisten: Rund 2,5 Millionen türkischstämmige Menschen leben in Deutschland. Doch die Schlagzeilen beherrschen aggressive Schläger. SPIEGEL ONLINE hat 13 Einwanderer besucht, die zeigen, wie Integration gelingen kann. mehr...







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