ThemaGesundheitsreformRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
08.07.2010
 

Gesundheitsreform und Sparpaket

Kritik und Häme für die Weniger-Netto-Koalition

Kanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Rösler: "Alle haben weniger Netto"Zur Großansicht
REUTERS

Kanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Rösler: "Alle haben weniger Netto"

Millionen Arbeitnehmer werden belastet, Steuererhöhungen vertuscht: Nach Gewerkschaften und Arbeitgebern nehmen jetzt auch der Steuerzahlerbund und der Wirtschaftsweise Wiegard die Gesundheitsreform und das schwarz-gelbe Sparpaket auseinander.

Hamburg - Es sollte der Befreiungsschlag für die Regierung werden. Mit dem Kompromiss zur Gesundheitsreform wollte Schwarz-Gelb Handlungsfähigkeit beweisen. Doch das Projekt wird von allen Seiten gescholten. Nach Opposition, Gewerkschaften und Arbeitgebern zerlegt nun auch der Bund der Steuerzahler das Vorhaben der Regierung.

Denn dadurch steige für Millionen Arbeitnehmer die Steuer- und Abgabenlast. Vor allem Singles und Kinderlose seien betroffen, errechnete der Steuerzahlerbund laut "Frankfurter Rundschau". Statt mehr Netto vom Brutto gebe es für sie infolge der Gesundheitsreform weniger.

"Alle haben weniger Netto", beschrieb der Steuerzahlerbund die Folgen für Alleinstehende. Am härtesten trifft es demnach Menschen mit mittleren Einkommen. Für sie schlage der höhere Krankenkassentarif voll zu Buche. Denn der fällt nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 45.000 Euro im Jahr an.

Wer mehr verdiene, sei besser dran. Denn diese Gruppe zahle für das Gehalt über dieser Linie nichts mehr für das Gesundheitswesen, erklärte der Steuerzahlerbund. Zugleich profitieren Besserverdienende überproportional davon, dass sie die Kassenbeiträge von der Steuer absetzen können.

Ein Unverheirateter ohne Kinder mit 60.000 Euro Jahreseinkommen zahlt laut Steuerzahlerbund 135 Euro mehr Krankenkassenbeiträge, spart aber dadurch 57 Euro an Steuern. Unterm Strich liege sein Minus bei 78 Euro. Der positive Effekt auf die Steuerlast bringe umso mehr, je höher das Einkommen und damit der Steuertarif sei, errechnete die Steuerzahlerlobby. Das erkläre, warum ein Single mit 150.000 Euro Jahresgehalt geringfügig besser dastehe, als ein Alleinstehender mit 40.000 Euro Verdienst pro Jahr.

Bei den Berechnung ließ der Steuerzahlerbund den wahrscheinlichen Anstieg der Zusatzbeiträge außen vor.

"Die Bundesregierung versucht, Steuererhöhungen zu vertuschen"

Auch der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard ging mit Schwarz-Gelb hart ins Gericht. Er warf der Bundesregierung in der Steuerpolitik Vertuschung vor. Das Sparpaket bestehe zu einem Drittel aus Steuererhöhungen, "im nächsten Jahr sogar aus mehr als 40 Prozent", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der "Passauer Neuen Presse".

"Die Bundesregierung will zwar keine bestehenden Steuern erhöhen, jedoch neue einführen. Es ist ein Versuch, den Tatbestand der Steuererhöhung zu vertuschen", kritisierte Wiegard.

Neben Luftverkehrsabgabe, Finanztransaktionssteuer und Brennelementesteuer als neuen Steuern kämen weitere Einnahmeposten hinzu, sagte er. "Die Streichung von Ausnahmen bei der Stromsteuer und die Dividendenabgabe der Bahn an den Staat wirkt ebenfalls wie eine Steuer."

Allerdings stünden einige der Vorhaben auf wackligen Beinen, erklärte der Wirtschaftsexperte. "Gegen eine Brennelementesteuer drohen die Kraftwerksbetreiber zu klagen, die Finanztransaktionssteuer will in Europa außer Deutschland und Frankreich kein Land. Diese Posten sind unsicher." Zudem stünden drei Milliarden Euro Einsparungen bei der Bundesagentur für Arbeit erst einmal nur auf dem Papier.

mmq/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 192 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.07.2010 von Blaumilchvor: Niedriglohn

Sie bringen es auf den Punkt! Dies ist auch meine Aufassung der Sachlage...Danke für diesen Beitrag! mehr...

14.07.2010 von Blaumilchvor: Sklavenhändler hast du Arbeit für mich...

Was nützt es dem Arbeitnehmer wie Sie schreiben, dass er annähernd soviel verdient wie sein festangestellter Kollege aber nur leider etwa 50-65 % bei ihm ankommen...aufgrund von Vermittlungskosten...Solche [...] mehr...

14.07.2010 von Blaumilchvor: Pfeifen

Verzeihen Sie, ich persönlich würde den Begriff "Pfeifen" vorziehen, Sie beleidigen sonst unserer Urahnen, die konnten nämlich wirtschaften bzw. haushalten... mehr...

11.07.2010 von jors: Gesundheitsreform

Warum denn noch ueberhaupt eine gesetliche Krankenkasse? Also gleich privat versichern, natuerlich unter zwang, und Angie nit Konsorten haben ein ruhgeres Leben. EURO 300.000 Jahresgehalt ist ja schliesslich keine Summe wo man [...] mehr...

09.07.2010 von Kalix: Nicht ganz

Oha, wieder etwas dazu geleernt oder ? http://de.wikipedia.org/wiki/Begierde mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Gesundheitsreform

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Wer gewinnt, wer verliert

Corbis; DDP
Tiefe Einschnitte im Sozialetat, Milliardenbeiträge aus der Wirtschaft: Am Sparpaket der Bundesregierung sollen die Finanzen der Republik in den kommenden Jahren gesunden. SPIEGEL ONLINE analysiert, wer unter den Plänen am meisten leidet - und wer vom Rotstift verschont bleibt...

Streitpunkte von Schwarz-Gelb

Sparpaket

dpa
Bis 2014 wollen Union und FDP im Bundeshaushalt 81,6 Milliarden Euro einsparen, vor allem bei Arbeitslosen, Familien und im Öffentlichen Dienst. Auch die Wirtschaft soll zur Kasse gebeten werden. Aus der Union gibt es aber Forderungen, Spitzenverdiener stärker zu belasten, weil das Paket zu unsozial sei.

Gesundheit

Bildung

Atomlaufzeiten

Wehrpflicht

Hartz IV

Vorratsdatenspeicherung

Sicherungsverwahrung





TOP



TOP